Grimsel die Zweite

es gibt Orte, die ziehen mich magisch an. Einmal ein Bild gesehen, einen Bericht im Fernsehen und schon will ich dort hin. So ging es mir auch vor einigen Jahren, als ich vom Neubau der Hängebrücke am Triftgletscher gehört habe. Die höchst gelegene Hängeseilbrücke der Alpen.

Geschickterweise haben Michael und ich nach unserem Besuch im Wallis noch ein paar tage Zeit, mit dem Bike durch die Berge zu fahren…und der Triftgletscher liegt zufällig direkt auf der Route zwischen dem Grimselpaß und Engelberg. Ob die Trails dort oben bikebar sind, das galt es zu erforschen…

Nachdem wir vor einigen Tagen schon die Südseite des Grimselpasses auf einem traumhaften alten Säumerweg abgefahren sind, waren wir sehr gespannt, was uns heute an der Nordseite erwarten würde. Die ersten meter der Abfahrt in Richtung Guttannen versprachen richtig gut zu werden. Doch leider ist auf dieser Seite des Passes der Größte Teil des alten Weges unter den Bauwerken der modernen Zeit verschunden. Staße, 2 Staussen, Karftwerke und mächtige Staumauern prägen hier den Grimselpass. Zwar gibt es einen fast durchgängigen Wanderweg, dieser wird aber immer wieder von steilen Treppen, Gegenanstiegen oder lange flach am Ufer eines Stausees entlang laufenden Abschnitten unterbrochen. Echter Fahrspaß oder Flow will sich nur schwer einstellen. Dafür ist die Landschaft zwischen den steilen und mächtigen Granitwänden der umliegenden Berge sehr imposant und beeindruckend. Weiter unten verläuft der Wanderweg komplett unbefahrbar parallel zur Straße. Da dieser Weg hier offensichtlich auch sehr wenig begangen wird, kämpfen wir uns bei tropischer Hitze durch die wuchernde Botanik bis wir schließlich irgendwann genervt aufgeben und das letzte Stück auf der Straße hinab rollen.

Kurz vor Guttannen biegen wir nach rechts ab und schrauben uns bei höllischen Temperaturen von bis zu 35°C in der prallen Sonne auf einer Schotterpiste den Berg hinauf. Auf knapp 1700 Metern endet der fahrbare weg, bis zum Furtwangsattel sind noch über 800 Höhenmeter zu bezwingen. Der Weg ist einsam, wir passieren eine bewohnte Alm, treffen einen Wanderer und werden von einer großen Herde blöckender Schafe begleitet.

Gegen 17.00 Uhr haben wir den Pass erreicht. Die Temperatur ist inzwischen auf 15°C abgesunken, an der Nordseite des Überganges dominieren große Schneefelder das Landschaftsbild der bevorstehenden Abfahrt. Nachdem wir diese meist rutschend und gleitend, aber auch mal schiebend überwunden haben müssen wir noch ein großes Geröllfeld mit großen wackeligen Blöcken überwinden. Dejavue…letztes Jahr am Passo Scarpaco war das genau das Gleiche. Der Furtwangsattel rutscht mit jedem Meter im ranking der „sinnloststen Pässe“ weiter nach oben.

An Fahren ist eigentlich nicht oft zu denken. An ein rasches Vorankommen und an ein schnelles Erreichen der Windegghütte erst recht nicht. So haben wir uns das hier eigentlich nicht vorgestellt. Bereits beim Weg nach oben sind uns anvielen Stellen frisch gegrabene Wegsabschnitte aufgefallen. Hier wird zur zeit kräftig gearbeitet. Auch die schneefreien Abschnitte der Abfahrt weisen frische Spuren von Wegebautätigkeiten auf. Immer wieder kommen wir an abgestelltem Wekzeug vorbei. Wir befürchten bereits jetzt, dass der ganze Bautrupp auf der kleinen Hütte übernachtet. Es wird langsam spät, der Triftgletscher wird von der warmen Abendsonne beeindruckend beleuchtet.

Wir kommen langsam voran und hoffen nur noch die Hütte bei Tageslicht zu erreichen. an eine Abfahrt bis hinab ins Tal ist heute nicht mehr zu denken. Dann geht es noch mal bergauf, vor uns läuft wie zum Hohn ein Herde Schafe her. Das Geblöke klingt wie Schadenfreude. Dann endlich sehen wir die Schweizer Flagge unter uns am Berg. Noch wenige Meter durch die Trailbaustelle, meist kaum fahrbar, dann haben wir es geschafft.

Gegen 20.00 Uhr erreichen wir die Hütte. Wie erwartet ist sie voll ausgebucht. Die nette Hüttenwirtin hat ein Einsehen, weiß dass sie uns nicht mehr weiter schicken kann. Wir bekommen noch eine warme Suppe, etwas zu trinken und statt dem überfüllten Matratzenlager zwei Unterlagen, je eine Decke und ein Kissen in der geräumigen Gaststube. Bingo!

Link: Windegghuette

zu den Bauarbeiten am Weg: Die Lehrlinge der Berner Baufirma Marti sanieren 4,5 Kilometer des Furtwangsattel-Weges zwischen der Windegghütte und Guttannen. Vielen Dank an die fleissigen Helfer, die Bergwanderer werden sich freuen! Die Story kann man im Berner Oberländer nachlesen.

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