Sentiero de la Pace

Beim Alpencross 2005 bin ich das erste mal vom Val Sugana aus den Kaierjägersteig hinauf gefahren. Da wir damals direkt am Einstieg der kleinen geteerten Passstraße  in Lochere waren wir morgens recht früh unterwegs. Und da habe ich ihn entdeckt, den Trail am gegenüberliegenden Hang, der mit seinen schönen Spitzkehren einfach danach schreit, einmal gefahren zu werden. Und so kam es, dass mir dieser Trail, hier ein Abschnitt des Sentiero de la Pace seit nunmehr 5 Jahren im Kopf rum geistert. Manchmal freut man sich jahrelang auf etwas, und mache Sachen werden irgendwann auch wahr.

Und heute sind wir endlich hier. Wir parken das Auto direkt am besagten Hotel und starten zur Tour. Gestern Abend habe ich mir in einem kleinen Schreibwarengeschäft noch den Routenverlauf auf der Wanderkarte angesehen. Jetzt ist der Track im Kopf und einer Befahrung des Trais steht eigentlich nichts mehr im Wege, nur noch 700 Höhenmeter lange der Aufstieg. Doch frisch am Morgen, bei angenehmen Temperaturen und trockenem Wetter ist das kein Problem. Nach den ersten 500 Höhenmetern durchfährt man in der imposant in den Fels gehauenen Straße einige Tunnes, und dann liegt er wieder gegenüber: Der Traumtrail in der Morgensonne.

Blick in die Berge

Doch was ist das, genau hier wo wir den Trail erblicken geht neben der Straße ein weiterer Trail nach unten. Soll es mir wieder so gehen, wie so oft? Ich fahre einen Weg und habe danach wieder einen Neuen gleich daneben entdeckt, er dann auch jahrelang auf der todo-Liste steht? Klar, es ist doch immer so.

Wir setzten den Weg nach oben fort, folgen auf der Hochebene einer ausgeschilderten Bikeroute in Richtung Carbonare. Das Gewirr von Wegen und Pfaden hier oben ist echt einzigartig. Hier haben die Strategen des ersten Weltkrieges wirklich ganze Arbeit geleistet und so ein wahres Bikeparadies erschaffen. Ich bin froh, dass ich einige Wege schon kenne und unsre grobe Richtung auf dem GPS Gerät auf der digitalen Karte nachvollziehbar ist. So erreichen wir nach einigen Abfahrten auf felsigen Trails und ein paar  Gegenanstiegen den Sentiero de la Pace…

Hat mir letztes Jahr ein Kollege noch von abgerutschten Passagen und übel ausgesetzten Stellen berichtet, so zeigt sich der Trail heuer als frisch saniert und bestens befahrbar. Einige stellen sind mit nagelneuen Holztreppen und Brücken versehen, verfallene Abschnitte wurden wiederhergestellt oder gekonnt umbaut.

Traumtrail am Kaiserjägersteig

Der Trail entpuppt sich schon nach wenigen Metern als Volltreffer. Grandiose Ausblicke auf den Lago die Caldonazzo unter uns und die schneebedeckten Brenta Dolomiten am Horizont werden garniert mit einem flowigen und flüssig zu fahrenden Singletrail der Spitzenklasse. Ausgesetzte Passagen wechseln sich ab mit schönen schnellen Waldpfaden, dann sind wieder einige enge Kehren zu meistern. Einzig zwei steile und heute leider nasse Holztreppen zwingen und kurz das Bike zu schieben.

Wir umfahren die Nordflanke des Monte Cimone und blicken nun auf den gegenüber hinauf führenden Kaiserjägersteig. Dort sind wir noch vor knapp 2 Stunden hinauf gekurbelt. Jetzt befinden wir uns in der vor 5 Jahren erblickten Passage. Sie entpuppt sich als leicht zu fahrender Spitzkehrentrail, der leider bald in einen langweiligen Schotterweg über geht. Doch auch hier entdeckt unser Trailhunterinstikt schnell wieder einen Abzweig, der teils verwegen durch den Wald und dann in einer ausgewaschene Erosionsrinne hinab ins Tal führt.

Abzweig zum deftigen Trail

Und nun? Da war doch noch was? Der Abzweig vom Kaiserjägersteig… wieder 5 Jahre darauf warten? Niemals, dieses Projekt wird sofort in Angriff genommen. Also kurbeln wir die kleine Straße heute noch ein zweites mal hoch. Und unsere Mühen werden belohnt. Oben fahrtechnisch wesentlich anspruchsvoller als der SDP, gänzlich unbefahren und selten begangen, stellenweise absurd ausgesetzt über der Straße verlaufend haben wir einen weiteren Spitzentrail entdeckt. Volltreffer! Wir überqueren an den Tunnels den Kaiserjägersteig ein letztes mal, meistern einige Schlüsselstellen mit hohen Stufen, engen Spitzkehren auf lockerem Grund und fahren letztlich auf einem absoluten Flowtrail mit viel Spaß zurück ins Tal.

Hier ein paar Videobilder vom Sentiero de la Pace:

Ein Tag bei schönstem Sommerwetter, währen Tirol im Schnee versinkt. was will man mehr?. Wir packen das Equipment ins Auto und machen uns auf den Weg zum nächsten Ziel: dem absoluten Spitzkehrenholytrail in der Pala…

Ach so, ganz nebenbei: Es gibt noch ein paar Abzweige von den heute gefahrenen Trails, hier waren wir nicht zum letzten mal…

GPS-Track:

Kompass Karte Nr. 75

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