{"id":101,"date":"2007-07-21T10:05:22","date_gmt":"2007-07-21T09:05:22","guid":{"rendered":"http:\/\/www.schymik.de\/wordpress\/?p=101"},"modified":"2010-09-14T04:00:16","modified_gmt":"2010-09-14T03:00:16","slug":"gewitter-eis-und-regen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.schymik.de\/wordpress\/gewitter-eis-und-regen\/","title":{"rendered":"Gewitter, Eis und Regen"},"content":{"rendered":"<p><strong>1. ETAPPE<\/strong><\/p>\n<p>Gsteig-Sion<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Es ist Samstag, kurz nach 14.00 Uhr. Nach neun Stunden Autofahrt erreichen wir Gsteig im Berner Oberland. Unser Ziel ist der Gletscher von Les Diablerets. Noch scheint die Sonne und es ist warm. Schnell werden die Bikes von uns zusammen gebaut. Wir, das ist das alte Transalp Team von 2004, mein Bruder Roland, Rolf Metzger und David Werner. Und wieder einmal soll bei unserer Alpentour ein Film entstehen. Daher wird in unseren Rucks\u00e4cken neben dem \u00fcblichen Tourengep\u00e4ck eine umfangreiche Film- und Fotoausr\u00fcstung verstaut.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Wir starten, obwohl sich oben am Berg einige bedrohliche Wolken zusammenbrauen. Der Wetterbericht hatte jedoch f\u00fcr Nachmittags eine Wetterbesserung versprochen. Wir fahren die 400 H\u00f6henmeter bis zum Col du Pillon bei strahlendem Sonnenschein hinauf, oben an der Talstation der Seilbahn angekommen umh\u00fcllt uns aber bereits dichter Nebel. Dennoch l\u00f6sen wir f\u00fcr \u00fcppige 43,-SFR pro Nase ein Ticket nach oben. In der gro\u00dfen Gondel sind wir die eizigsten Fahrg\u00e4ste heute. Wir durchsto\u00dfen mehrere Wolkenschichten, sehen kurzzeitig ein paar Fetzen von der atemberaubenden Landschaft. Kaum sind wir oben ausgestiegen beginnt es zu tr\u00f6pfeln, zudem ist es bitter kalt. Die ersten Meter auf der v\u00f6llig aufgeweichten Skipiste sind dank des Gef\u00e4lles noch mit dem Bike befahrbar. Inzwischen regnet es heftig, dazu gesellen sich Graupelschauer. Ein sch\u00f6ner Anfang f\u00fcr unseren Alpencross. Nebel, weicher matschiger Untergrund, Orientierung? Fehlanzeige! White out. Wir folgen der Line auf  meinem GPS Ger\u00e4t und stehen pl\u00f6tzlich vor einer wei\u00dfen Kiste. Es regnet heftig, dazu immer wieder Graupelschauer. Die wei\u00dfe Kiste entpuppt sich als Container, der mitten auf dem Gletscher steht, zum Gl\u00fcck unverschlossen. Also rein in die Kiste und erst mal abwarten. Wir nehmen\u00b4s mit Humor. Ein Dr\u00f6hnen im Nebel, aha, eine Pistenraupe kommt vorbei gefahren und dreht eine Schleife um unseren Unterstand. Der Fahrer entdeckt uns und fragt uns auf Franz\u00f6sisch, wo wir denn noch hin wollen. Zum Sanetschpass? Bei dem Wetter, mit dem Bike? V\u00f6llig Irre! Nach 20 min l\u00e4sst das Prasseln des Regens auf dem Blechdach auf, der Tour St. Martin, ein riesiger kegelf\u00f6rmiger Monolith ist kurz am Horizont erkennbar. Markant markiert dieser Monolith aus Fels das Ende des Gletschers. Dort ist eine H\u00fctte, leicht erreichbar, so scheint es zumindest. Wir brechen auf, ein Drittel des Weges ist geschafft als pl\u00f6tzlich ein Blitz die Szenerie beleuchtet. Super, Gewitter auf 3000 Metern H\u00f6he, ungesch\u00fctzt auf einer ebenen Eisfl\u00e4che. Eisfl\u00e4che? Sch\u00f6n w\u00e4rs, kn\u00f6cheltiefer Schneematsch macht das Vorankommen hier so einfach wie eine Wanderung in Kaugummimasse. An Fahren auf den Bikes ist nicht zu denken. Ich sprinte los, zur sch\u00fctzenden H\u00fctte, wie weit? 500 Meter, oder doch 900? Ein Blitz, instinktiv z\u00e4hle ich einundzwanzig, zweiundzwanzig, dreiund-kawumm! Aua, das war nahe. Der Tour St. Martin ist wieder im Nebel verschwunden, die Skipiste weist den Weg. Vor mir ein Skilift, ein Prima Blitzableiter, oder eine Anlage, die die todbringende Gefahr direkt zu mir leitet? Wieder ein Blitz, ich sp\u00fcre die Energie in der Luft, jetzt schnell, im Laufschritt unter den Metallmasten hindurch, 100 Meter Sprint. Ich drehe mich um. Der Rest der Gruppe ist zur\u00fcckgefallen. W\u00e4re es besser gewesen zur\u00fcck zum Metallcontainer zu gehen? Erst jetzt kommt mir dieser Gedanke, zu sp\u00e4t, jetzt gibt es kein Zur\u00fcck mehr. Wieder blitzt und donnert es, wie Peitschenhiebe treibt mich dies an, ich sprinte wieder los, obwohl ich eigentlich meine Kr\u00e4fte schon verbraucht habe. Wieder ein Lift, noch mal zusammen rei\u00dfen, Sprint und dann endlich erscheint es wieder aus dem Nebel, der Tour St. Martin. Davor die vermeidlich sichere H\u00fctte.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\"><img decoding=\"async\" alt=\"auf dem Eis\" title=\"auf dem Eis\" src=\"http:\/\/schymik.de\/Transalp\/wac07\/westalpen07_01.jpg\" \/><\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Nochmals lange 200 Meter trennen mich von diesem Rettungsanker. Irgendwann erreiche ich die H\u00fctte. Geschlossen und nat\u00fcrlich verschlossen. Klasse. Einzig die zwei Plumsklos vor der H\u00fctte sind offen. Eine wahrlich besch&#8230; Situation. Egal, hier kann ich jedenfalls mal meine Brille putzen und aus dem Trockenen heraus die anderen drei der Gruppe bei ihrem Marsch durch den Schneematsch fotografieren. Kaum sind diese bei mir angekommen l\u00e4sst der Regen nach, das Gewitter ist vorbei und der Nebel lichtet sich. Der Blick wird frei in die Tiefe und hinab ins Rhonetal.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Nach einer kurze Verschnaufpause brechen wir auf und umgehen auf einem Ger\u00f6llfeld den Tour St. Martin. Bald liegt Firn auf den Felsen und wir rutschen hinab bis zu den n\u00e4chsten Felsbrocken. Die Wegmarkierungen sind meist zugeschneit, aber auf einen Weg ist man auf dem nun folgenden Streckenabschnitt ohnehin nicht angewiesen. Es geht \u00fcber ein riesiges Felsplateau, welches der fr\u00fcher einmal wesentlich m\u00e4chtigere Gletscher glatt geschliffen  hat. Leider liegt dieses Jahr noch viel zu viel Schnee in den Mulden und Senken. Ein wirklicher Abfahrtspa\u00df wird immer wieder durch diese unkalkulierbaren Schneefelder gehemmt.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\"><img decoding=\"async\" alt=\"auf dem Felsplateau\" title=\"auf dem Felsplateau\" src=\"http:\/\/schymik.de\/Transalp\/wac07\/westalpen07_02.jpg\" \/><\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Dave \u00fcberschl\u00e4gt sich sogar einmal beim Versuch vom Felsen direkt auf den Schnee zu fahren, da Ihm das Vorderrad fast bis zum Lenker wegtaucht. Zum Gl\u00fcck ist die Landung sehr weich. Wir haben Spa\u00df, spielen mit dem ungewohnten Mix aus Fels und Schnee und gelangen auf einer ziemlich willk\u00fcrlich gew\u00e4hlten Route schlussendlich zur Cabane de Prarochet. Angesichts der immer noch wechselhaften Wetterlage lassen wir die H\u00fctte links liegen und fahren auf dem Wirtschaftsweg hinab ins Tal. An einem kleinen See wollen wir nochmals auf die Felsen fahren, da uns der Schotterweg zu langweilig wird. Leider sind wir nach einigen Minuten wieder von aufziehendem Nebel umh\u00fcllt. Die Weiterfahrt auf den durch tiefe Spalten versetzten Felsen und direkt an Steilabbr\u00fcchen wird uns zu heikel. Daher fahren wir in einem Bogen zur\u00fcck auf den Schotterweg. Dieser f\u00fchrt durch flache Mulden und nach einigen steilen Gegenanstiegen letztendlich zum Col du Sanesch. Der parallel zur Stra\u00dfe nach Sion vorlaufende Wanderweg ist v\u00f6llig durchweicht und verschlammt, so dass wir beschlie\u00dfen in Richtung Hotel Sanesch zun\u00e4chst auf der Stra\u00dfe ab zu fahren. Inzwischen regnet es wieder stark. Wir fahren in einen Tunnel. Dave f\u00e4hrt hinein in die Dunkelheit und aktiviert vermutlich via Bewegungsmelder einige Lampen. Auch hier tropft es von der Decke und der Untergrund ist glitschig. Am Ende des Tunnels bemerken wir, dass wir oben im Regen den Abzweig zum Hotel Sanesch verpasst haben. Sch\u00f6n windet sich unterhalb des Hotels der eigentlich geplante Trail ins Tal. Schade, aber bei dem Wetter kein allzu gro\u00dfer Verlust. Wir entdecken auf der Karte eine weitere M\u00f6glichkeit abseits der Stra\u00dfe ins Tal zu gelangen und da der Regen inzwischen wieder aufgeh\u00f6rt hat, beschlie\u00dfen wir den Trail zu suchen. Volltreffer! Es f\u00fchrt ein technisch anspruchsvoller Trail steil hinab nach Dorbagnon. Enge verschachtelte Spitzkehren, die das Versetzen des Hinterrades verlangen, schmale feuchte Rinnen sowie heute besonders glitschige Wurzelpassagen sind genau das Terrain von Dave und mir. Wir sind inzwischen sehr gl\u00fccklich dar\u00fcber, den wesentlich einfacher aussehenden Trail am Hotel Sanesch verpasst zu haben, und stattdessen dieses fahrtechnische Schmankerl befahren zu k\u00f6nnen. Schlie\u00dflich erreichen wir die Fahrstra\u00dfe unten im Tal und befinden uns alsbald wieder auf der urspr\u00fcnglich geplanten Route. Jetzt k\u00f6nnte man gem\u00fctlich hinab nach Sion rollen und den spannenden und abwechslungsreichen Tag auf der Stra\u00dfe ausklingen lassen. Sch\u00f6n w\u00e4r\u00b4s. Bereits wenige Minuten nachdem wir den Trail verlassen haben beginnt es wieder zu tr\u00f6pfeln. Das Tr\u00f6pfeln geht bald in einen kr\u00e4ftigen Landregen \u00fcber. Wir rasen GPS-gesteuert auf der vorab geplanten Route abw\u00e4rts. Oben donnert es wieder, sei\u00b4s drum, Gewitter im Tal sind doch nur Kindergeburtstag. Daf\u00fcr sch\u00fcttet es nun wolkenbruchartig, wenigstens ist es nicht allzu kalt. Durch die Weinberge oberhalb von Sion geht es weiter nach unten. Ein Gl\u00fcck bei dem Wetter nicht an jeder Kreuzung die Karte aus dem Rucksack ziehen zu m\u00fcssen. Punktgenau erreichen wir kurz nach acht Uhr v\u00f6llig durchn\u00e4sst die vorab gebuchte Unterkunft. Die Gastgeber stellen f\u00fcr uns gleich einen Kleiderst\u00e4nder in der Garage auf. Unsere Nachfrage nach einer Einkehrm\u00f6glichkeit in der n\u00e4heren Umgebung wird mit dem Angebot, ein echtes Valliser Raclette zu zubereiten,  beantwortet. Wir nehmen dieses Angebot dankend an, zumal wir gar keine trockene Kleidung, geschweige denn Schuhe mehr haben um aus zu gehen. Bei k\u00f6stlichem selbst gekelterten Wein und Raclette vom ganzen Laib lassen wir den Abend gem\u00fctlich ausklingen.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\"><strong>Fazit:<\/strong><\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Diesen ereignisreichen Tag mit miserabelsten Wetterbedingungen h\u00e4tten wir uns eigentlich ersparen k\u00f6nnen. H\u00e4tte das schlechte Wetter 30 min fr\u00fcher begonnen w\u00e4ren wir mit dem Auto nach Sion gefahren.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Das neue GPS Ger\u00e4t hat sich sowohl im Nebel als auch bei den sintflutartigen Regenf\u00e4llen als sinnvolle Hilfe erwiesen.<\/p>\n<p>Am ersten Tag des Westalpen-Abenteuers sind wir noch bei Hagel, Gewitter und Sturzregen samt Fahrr\u00e4dern auf dem Gletscher herumgetanzt. Links und rechts von uns sind die Blitze eingeschlagen und wir konnten uns gerade so in ein kleines Toilettenh\u00e4uschen einer verlassenen Bergh\u00fctte fl\u00fcchten.<br \/>\nDie Abfahrt im Schnee und Regen hat uns derart durchn\u00e4sst, dass wir die Sachen erst gut 24 Stunden sp\u00e4ter wieder trocken bekamen.<\/p>\n<p>Alle <a target=\"_blank\" title=\"Fotos\" href=\"http:\/\/trailhunter.de\/gallery\/search.html?search_keywords=WAX2007%20AND%20tag1\">Fotos <\/a>von Tag 1<\/p>\n<p><strong>Unterkunft:<\/strong><\/p>\n<p><span class=\"postbody\">  Madame Chantal Schroeter, chambre d\u00e2\u20ac\u2122h\u00f4te<br \/>\nRue de la Madeleine 7<br \/>\n1963 V\u00e9troz<br \/>\n+41(0)27 346 58 40, mobile +41 (0) 76 348 13 36<br \/>\ne-mail : <a href=\"mailto:chantalschroeter@hotmail.com\">chantalschroeter@hotmail.com<\/a><br \/>\n<a target=\"_blank\" href=\"http:\/\/www.bnb.ch\/\">www.bnb.ch<\/a> <\/span><\/p>\n<p><span class=\"postbody\" \/><\/p>\n<p><strong>Route:<\/strong><br \/>\nGsteig<br \/>\nCol du Pillon<br \/>\nSex Rouge<br \/>\nCabane de Prarochet<br \/>\nHotel du Sanetch<br \/>\nSion<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>1. 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