{"id":106,"date":"2007-07-26T10:08:32","date_gmt":"2007-07-26T08:08:32","guid":{"rendered":"http:\/\/www.schymik.de\/wordpress\/?p=106"},"modified":"2007-09-26T20:36:24","modified_gmt":"2007-09-26T18:36:24","slug":"gerollfeld-und-hitzeschlacht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.schymik.de\/wordpress\/gerollfeld-und-hitzeschlacht\/","title":{"rendered":"Ger\u00f6llfeld und Hitzeschlacht"},"content":{"rendered":"<p><strong>6. ETAPPE<\/strong><br \/>\nRif Sogno di Berdze-Rifugio Barmasse am Lago di Cignana<\/p>\n<p>Es ist fr\u00fch am Morgen und drau\u00dfen werfen die umliegenden Berge noch lange Schatten auf uns herab. Wir m\u00fcssen kurz 100 H\u00f6henmeter zur\u00fcck bis zum Abzweig zur Alpe Pontonnet fahren. Ab hier geht es auf Schotter bergauf. Schnell wird uns in den langen Jacken zu warm, also weg damit und rein in die Rucks\u00e4cke. An der Alm zweigt ein Wanderweg hinauf auf den Pass ab. In steilen Serpentinen geht es auf erdigem Grund nach oben. Sch\u00f6n liegt der Lago Ponton unter uns in einer Senke, die Bergkette im S\u00fcden ist von einem malerischen Wolkenband umwickelt. Einzig die Hochspannungsleitung, die hinauf zur Passh\u00f6he f\u00fchrt, beeintr\u00e4chtigt das Gesamtbild.<br \/>\n<img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/schymik.de\/Transalp\/wac07\/westalpen07_39.jpg\" \/><\/p>\n<p>Die Auffahrt zum Col Fenis legen wir teils schiebend, teils fahrend zur\u00fcck. Auf einer Anh\u00f6he erblicken wir schlie\u00dflich den Pass, \u00fcber den auch die Starkstromleitung f\u00fchrt. Zun\u00e4chst geht es aber nochmals auf einem sch\u00f6nen Trail bergab, dann entlang des Ufers eines kleinen Sees, bevor uns der Schlussanstieg hinauf auf den Pass erwartet. Nochmals mussen wir einige H\u00f6henmeter schiebend und tragend \u00fcberwinden. Der Trail im Ger\u00f6llfeld ist im guten Zustand und einfach zu bew\u00e4ltigen.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/schymik.de\/Transalp\/wac07\/westalpen07_40.jpg\" \/><\/p>\n<p>Oben angekommen am Col Fenis weht ein eisiger Wind. Fels und Ger\u00f6ll pr\u00e4gen hier oben das Landschaftsbild. Eine verfallende Milit\u00e4rbaracke und einige Steinmauern zeugen von der fr\u00fcheren Nutzung dieses strategisch wohl wichtigen \u00dcberganges. Bald brechen wir wieder auf und fahren auf einem Bergr\u00fccken abw\u00e4rts. An einer H\u00fctte auf dem Colle Pontonnet beginnt der Weg ins Val Fenis. Zun\u00e4chst fahren wir auf gut verfestigtem Untergrund hinab. Ich entdecke hier die Spuren eines Bikers, der hier vor wenigen Tagen durch gekommen ist, vermutlich Lukas St\u00f6ckli auf seiner \u00e2\u20ac\u017eGipfelst\u00fcrmer\u00e2\u20ac\u0153-Tour. Nach wenigen Metern stehen wir an einem Steilabbruch. Das Landschaftsbild hat sich abermals gewandelt. Wir finden uns in einem Gewirr aus Felsen und lockerem Ger\u00f6ll wieder.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/schymik.de\/Transalp\/wac07\/westalpen07_41.jpg\" \/><\/p>\n<p>Schnell wird uns klar, der Colle Pontonnet ist heute kein guter \u00dcbergang f\u00fcr uns. Die Abfahrt ist der absolute Wahn! Lockere Felsbrocken, extreme Steinschlaggefahr, in der Gruppe nur einzeln begehbar, insofern man hier von Gehen sprechen kann.<\/p>\n<p>Wir suchen uns eine Route nach unten, sehen immer wieder die Spuren des anderen Bikers. Oft schweifen unsere Blicke auf den Berg auf der rechten Talseite, der offensichtlich die Quelle all der Felsmassen hier zu sein scheint. Bedrohlich und br\u00fcchig die Felswand \u00fcber uns. Man hat st\u00e4ndig das Gef\u00fchl, dass hier jederzeit neue Felsbrocken auf uns herab st\u00fcrzen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Ich laufe als erster hinab, Dave versucht ein St\u00fcck weiter oben einen Weg durch das wilde Gewirr von Felsen zu finden. Ich trete einen Stein los, er rollt donnernd nach unten, rei\u00dft weitere Brocken los. Zum Gl\u00fcck ist unter mir niemand. Ich rufe zu Dave hinauf, dass er erst einmal abwarten soll, bis ich aus seiner Abbruchzone heraus bin, bevor er weiter geht.<\/p>\n<p>An jetzt halten wir Abstand, damit wir uns beim Abstieg nicht gegenseitig gef\u00e4hrden. Schlie\u00dflich entdecken wir auf der linken Talseite einige gelbe Markierungen. Wir queren das Ger\u00f6llfeld dorthin und gelangen endlich wieder auf den ehemaligen Wanderweg. Dieser kommt von weiter oben, verschwindet aber bald darauf ebenfalls unter dem  m\u00e4chtigen Felssturz.<\/p>\n<div style=\"border-style: none none solid; border-color: -moz-use-text-color -moz-use-text-color windowtext; border-width: medium medium 1pt; padding: 0cm\">\n<p style=\"border: medium none ; padding: 0cm\">Der folgende Trail ist ganz gut befahrbar und wartet mit einigen fahrtechnisch interessanten Passagen auf. Leider endet er viel zu fr\u00fch an einer Alm. Ab hier f\u00fchrt nur noch ein Schotterweg hinab ins Tal.<\/p>\n<p style=\"border: medium none ; padding: 0cm\">Hinweis: Wenige Wochen nach unserer Tour wurde der Wanderweg am Colle Pontonnet wieder begeh- und befahrbar gemacht. Es wurde ein neuer Weg  an der linken Talseite angelegt und gelbe Markierungen weisen den Weg. Somit kann  dieser \u00dcbergang zuk\u00fcnftig mit deutlich weniger Risiko und weitestgehend fahrbar angegangen werden.<\/p>\n<p style=\"border: medium none ; padding: 0cm\">Die weitere Abfahrt gestaltet sich f\u00fcr uns ziemlich unspektakul\u00e4r. Wir vernichten sinnlos H\u00f6he auf  der Schotterpiste. Netterweise ist die Sache noch mit einem steilen Gegenanstieg gespickt. Zu allem \u00dcberfluss wird kr\u00e4ftig gebaut, der Weg besteht nur noch aus feinem Staub und der drohende LKW Verkehr zwingt uns zu ziemlich behutsamer Abfahrt.<\/p>\n<p style=\"border: medium none ; padding: 0cm\">Irgendwann erblicken wir das Matterhorn. Seine markante Silhouette  ragt in den Himmel empor. Wir fahren weiter. Auf einer H\u00f6he von 1070m bei  Leffrey zweigt ein Schotterweg nach links ab. Wir orientieren uns kurz anhand der Karte und beschlie\u00dfen den dort einzeichneten Trail zu probieren. Es geht zun\u00e4chst einige Meter bergauf, wir passieren ein paar G\u00e4rten und am Ende einer Wiese entdecke ich den Einstieg in den Trail. Volltreffer! Ein wunderbar verschlungener Weg mit engen Kehren und einigen Abs\u00e4tzen. Scheinbar wird hier \u00f6fters gefahren, denn die Ideallinie ist wunderbar vorgezeichnet. Nach und nach verlassen wir den Wald, das Gel\u00e4nde wird offener, der Untergrund ist staubtrocken. Wir kreuzen noch einige Schotterwege und gelangen auf Trails hinab bis nach Barche.<\/p>\n<p style=\"border: medium none ; padding: 0cm\">Dort angekommen wollen wir erst einmal was essen. Leider ist die einige Bar im Ort v\u00f6llig von einheimischen \u00fcberf\u00fcllt und die zwei \u00e4lteren Damen schaffen es einfach nicht uns \u00fcberhaupt nach unseren W\u00fcnschen zu fragen. Wir bef\u00fcrchten, dass sich dieser zustand so schnell nicht \u00e4ndern wird und die K\u00fche anscheinend schon geschlossen hat. Daher brechen wir wieder auf und fahren weiter nach Chambave.<\/p>\n<p style=\"border: medium none ; padding: 0cm\">Hier unten im tief liegenden Aostatal ist es hei\u00df, ein warmer Wind weht uns entgegen. Leider finden wir auch in den n\u00e4chsten Ortschaften keine M\u00f6glichkeit etwas zu Essen zu bekommen. Auch dien Lebensmittell\u00e4den haben schon wieder einmal geschlossen. Also geht es den Berg hoch. Im n\u00e4chsten Ort wird es sicher was geben. Der Wind macht die Auffahrt bei \u00fcber 30\u00b0C halbwegs ertr\u00e4glich. In S. Denis betreten wir wieder eine Bar. K\u00fcche geschlossen, also jeder 2 Glas Cola, 2 T\u00fcten Chips und eine Portion Eiscreme aus der Tiefk\u00fchltruhe. Am Brunnen im Ort k\u00f6nnen wir wenigstens noch unsere Trinkflaschen f\u00fcllen. Noch 500 H\u00f6henmeter bis zum n\u00e4chsten Ort mit Pizzeria. Egal, inzwischen haben wir den Hunger \u00fcberwunden und qu\u00e4len uns weiter bergauf.<\/p>\n<p style=\"border: medium none ; padding: 0cm\">Endlich in S\u00e9mon angekommen wird unsere Hoffnung auf eine Portion Nudeln oder gar eine Pizza nat\u00fcrlich wieder entt\u00e4uscht. Essen erst ab 19.00 Uhr. Selbstverst\u00e4ndlich macht auch der kleine Alimentari im Ort immer noch Siesta. Gl\u00fccklicherweise haben wir inzwischen \u00fcber 1000 H\u00f6henmeter mit leerem Magen \u00fcberwunden und wir verlassen langsam das hei\u00dfe und trockene Aostatal. Zun\u00e4chst spenden einige B\u00e4ume Schatten, sp\u00e4ter erreichen wir endlich den k\u00fchleren Wald. Unseren urspr\u00fcnglichen Plan das Skigebiet Torgnon westlich auf dem H\u00f6henzug zu umfahren, lassen wir angesichts unserer Versorgungslage fallen. Stattdessen fahren wir kurz unterhalb des Col des Bornes auf der Stra\u00dfe in den Ort Mongnod hinab.<\/p>\n<p style=\"border: medium none ; padding: 0cm\">Dort angekommen finden wir gleich einen ge\u00f6ffneten Supermarkt. Auf dem Marktplatz werden die soeben gekauften Lebensmittel sofort vernichtet. Nebenher k\u00f6nnen wir im Brunnen noch einige Kleidungst\u00fccke waschen und in der Touristinfo nach einer \u00dcbernachtungsm\u00f6glichkeit nachfragen.<\/p>\n<p style=\"border: medium none ; padding: 0cm\">Dann der N\u00e4chste Tiefschlag, der geplante \u00dcbernachtung in der Rifugio Barmasse scheint zu platzen. Ausgebucht. Wir beschlie\u00dfen trotzdem die verbliebenen 500 H\u00f6henmeter hinauf zur H\u00fctte in Angriff zu nehmen und notfalls ins Tal ab zu fahren. In endlosen Serpentinen f\u00fchrt die Stra\u00dfe durch das Skigebiet von Torgnon aufw\u00e4rts. Sp\u00e4ter auf  fahren wir am Hang entlang auf einem leicht steigenden Schotterweg bis zu einem kleinen See bei Loditor. Ab hier geht es \u00fcber die Almen Telinod und Gillarey unterhalb des Finestra d`Ersa auf einem Schotterweg entlang. Wir hatten zuerst bef\u00fcrchte, dass wir \u00fcber diesen ca. 200 H\u00f6hemeter weiter oben gelegen Pass auch noch fahren m\u00fcssen  und sind \u00fcber die nicht ganz geplante Umfahrung alles andere als ungl\u00fccklich. Langsam d\u00e4mmert es und es wird wieder kalt. Leider m\u00fcssen wir bis zur Rifugio Barmasse am Lago di Cignanna nochmals einige H\u00f6henmeter auf Schotterabw\u00e4rts fahren, um dann bald darauf nochmals einen Schlussanstieg von knapp 300 H\u00f6henmetern zu bew\u00e4ltigen.<\/p>\n<p style=\"border: medium none ; padding: 0cm\">Die als Option geplante Abfahrt auf einem Trail nach Plaquier liegt bereits im Schattend er umliegenden Berge. Daher sind wir dar\u00fcber, dass unsere Nachfrage nach einer \u00dcbernachtungsm\u00f6glichkeit in der Rifugio Barmasse jetzt doch noch positiv beantwortet wird. Zwar sind in der H\u00fctte immer noch einige Betten unbelegt, trotzdem hatte man unsbei unserm Anruf vor 3 Stunden in Mongnod auf der Touristinfo gesagt, die H\u00fctte sei ausgebucht.<\/p>\n<p style=\"border: medium none ; padding: 0cm\">Nach dem etwas knappen Abendessen schaffen es Roland und Dave noch warm zu duschen. F\u00fcr mich und Rolf bleibt leider nur noch kaltes Wasser aus dem \u00fcberlasteten Boiler \u00fcbrig. Egal, es gibt schlimmere Dinge als kaltes Wasser.<\/p>\n<p>Alle <a target=\"_blank\" title=\"Fotos\" href=\"http:\/\/trailhunter.de\/gallery\/search.html?search_keywords=WAX2007%20AND%20tag6\">Fotos <\/a>von Tag 6<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong>:<\/p>\n<p>Grauenhafte Abfahrt vom Colle Pontonnet, miserable Versorgungslage und lange \u00dcberf\u00fchrungsetappe.<br \/>\n<strong>Unterkunft<\/strong>:<\/p>\n<p>Rifugio Barmasse<br \/>\nLago di Cignana<br \/>\n11028 &#8211; Valtournenche<\/p>\n<p><strong>Route<\/strong>:<\/p>\n<p>Rif Sogno di Berdze<br \/>\nAlpe Pontonnet<br \/>\nColle Pontonnet<br \/>\nChambave<br \/>\nCol des Bornes<br \/>\nMongnod<br \/>\nBrusoney<br \/>\nGilliarey<br \/>\nLago di Cignana<br \/>\nRifugio Barmasse am<\/p><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>6. ETAPPE Rif Sogno di Berdze-Rifugio Barmasse am Lago di Cignana Es ist fr\u00fch am Morgen und drau\u00dfen werfen die umliegenden Berge noch lange Schatten auf uns herab. 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