{"id":214,"date":"2008-08-31T13:39:43","date_gmt":"2008-08-31T11:39:43","guid":{"rendered":"http:\/\/www.schymik.de\/wordpress\/?p=214"},"modified":"2008-10-22T19:03:18","modified_gmt":"2008-10-22T17:03:18","slug":"tag-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.schymik.de\/wordpress\/tag-3\/","title":{"rendered":"Tag 3 Divergenz"},"content":{"rendered":"<p><strong>Vals &#8211; Capanne Bovarina<\/strong><\/p>\n<p>Zun\u00e4chst steht uns eine unspektakul\u00e4re Abfahrt auf der Stra\u00dfe nach Uors bevor. 11 km lang 300 H\u00f6henmeter sinnlos auf der Stra\u00dfe vernichten. Schade um den Reifengummi, aber in diesem Tal gibt es bis hinab nach Uors keinerlei Alternative. Danach folgen wir weiter der ausgeschilderten Mountainbikeroute &#8220;Alpin Bike&#8221; in Richtung <a title=\"Vrin\" href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Vrin\" target=\"_blank\">Vrin<\/a>.<\/p>\n<p>Divergenz\u00a0 bezeichnet allgemein die Auseinanderentwicklung zweier Objekte oder Prozesse ausgehend von einem Ursprung und stellt damit das Gegenteil der Konvergenz dar. (Quelle <a title=\"Divergenz\" href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Divergenz\" target=\"_blank\">Wikipedia<\/a>)<\/p>\n<p>Heute gehen die Dinge auseinander. Zun\u00e4chst einmal die barometrischen H\u00f6henmeter auf meinem Tacho zu denen vom Satelliten auf meinem GPS. Kein gutes Zeichen, das Barometer f\u00e4llt n\u00e4mlich wenn die H\u00f6he vermeidlich steigt&#8230;was ein Ende der Sch\u00f6nwetterperiode bedeutet.<\/p>\n<p>Dann verl\u00e4sst uns G\u00fcnter. Was sich gestern bereits abzeichnete wurde in der Nacht zur Gewissheit. G\u00fcnter wurde von heftigen Kr\u00e4mpfen geplagt. Beim Fr\u00fchst\u00fcck steht f\u00fcr ihn fest, heute ist Schlu\u00df mit der Qu\u00e4lerei. In Uors trennen sich unsere Wege, er f\u00e4hrt auf der Stra\u00dfe weiter hinab nach Ilanz, um von dort aus mit der Bahn heim zu reisen. Schade, ab jetzt sind wir nur noch zu dritt unterwegs.<\/p>\n<p>Der Weg f\u00fchrt fortan auf der schattigen Talseite durch den Wald. Sehr angenehm, brennt doch nur wenige Meter weiter im S\u00fcden die Sonne ziemlich heftig. Zur Hitze kommt heute noch die h\u00f6here Luftfeuchtigkeit, was die Sache nicht gerade angenehmer macht. Wir fahren aber zum Gl\u00fcck auf schmalen Waldwegen, die zum gr\u00f6\u00dften Teil im Schatten verlaufen. Der Weg ist gut fahrbar und weist bis auf wenige Ausnahmen nur eine m\u00e4\u00dfige Steigung auf.<\/p>\n<p>Wir verlassen in Surin die Bikerroute Alpin Bike und wenden uns der <a title=\"Greina\" href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Greina\" target=\"_blank\">Greina <\/a>Hochebene zu. W\u00e4hrend die Bikeroute nach Lumbrien und sp\u00e4ter hinab nach Disentis f\u00fchrt, w\u00e4hlen wir ab jetzt eine wesentlich anspruchsvollere und alpinere Variante. Dieses bedeutet wiederum in mehrfacher Hinsicht Divergenz: 700 H\u00f6henmeter hoch tragen, um dann auf dem Pass Disrut zu stehen und zu merken, dass man hier sein Bike gar nicht im Sattel sitzend benutzen darf. Kann man aber sowieso nicht. Also wird gewandert.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.schymik.de\/wordpress\/wp-content\/ts08t3.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"aligncenter size-full wp-image-224\" title=\"ts08t3\" src=\"http:\/\/www.schymik.de\/wordpress\/wp-content\/ts08t3.jpg\" alt=\"\" width=\"450\" height=\"338\" \/><\/a><\/p>\n<p>Leider hat sich w\u00e4hrend des langen Aufstieges das Wetter permanent verschlechtert. Dunkle Wolken umh\u00fcllen die Gipfel, Nebelschwaden ziehen durch die T\u00e4ler. Die Szenerie ist zeitweilen gespenstisch. An manchen Stellen weht ein kr\u00e4ftiger Wind. W\u00e4hrend wir am Beginn des Aufstieges noch zahlreichen Wandern begegnen, die das Wochenende auf der Greina Hochebene verbracht haben, sind wir sp\u00e4testens am Pass Disrut fast alleine unterwegs in der kargen Landschaft.<\/p>\n<p>Vom Pass f\u00fchrt ein technisch sehr anspruchsvoller Trail 200 H\u00f6henmeter hinab ins Tal. Wir erblicken im Dunst kurz die <a title=\"Terrih\u00fctte\" href=\"http:\/\/www.vs-wallis.ch\/graubuend\/huetverz\/terrih.html\" target=\"_blank\">Terrih\u00fctte <\/a>an der gegen\u00fcberliegenden Talseite. Unten im Tal folgen wir dem schmalen Pfad in Richtung Passo Greina. Der Weg ist beschwerlich, teilwese sumpfig und bis auf wenige Ausnahmen auch n icht wirklich fahrbar. Aber wird sind ja heute zum Wandern und zum Genie\u00dfen der Landschaft hier, nicht zum Biken. Und wir haben noch ein ganzes St\u00fcck vor uns. Langsam bekommen wir Hunger und bis zur Rifugio Scaletta ist es noch weit. Und dann ist da die Sache mit dem Wasser&#8230;Die Divergenz des Wassers: Bewegt man sich auf einer Hochebene flie\u00dft einem das Wasser entgegen, bis man den h\u00f6chsten Punkt erreicht hat, dann flie\u00dft es eben in die andere Richtung. Manchmal nennt man diese Divergenz dann auch europ\u00e4ische <a title=\"Wasserscheide\" href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Wasserscheide\" target=\"_blank\">Wasserscheide<\/a>. Immer wieder schauen wir nach dem Wasser, wann flie\u00dft es endlich in unsere Richtung? Wann geht es bergab?<\/p>\n<p>Wir erreichen schlie\u00dflich den Passo Greina. Verlassen den <a title=\"Kantone der Schweiz\" href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Kanton_(Schweiz)\" target=\"_blank\">Kanton <\/a>Graub\u00fcnden und \u00fcberschreiten die Grenze ins Tessin. Aber eine richtige Passh\u00f6he ist das hier irgendwie nicht. Am dunstigen Horizont erkennen wir einen Steinmann. OK, wir bef\u00fcrchten dass der Anstieg bis dort hinauf auch noch bew\u00e4ltigt werden muss. Die ganze Sache sieht aber schlimmer aus, wie sie letztendlich ist. Ab hier \u00e4ndert sich schlagartig sowohl das Wetter als auch die Geologie. W\u00e4hrend wir eben noch auf fast wei\u00dfem Quarzsand unterwegs waren dominiert pl\u00f6tzlich tiefschwarzer Schiefer das Landschaftsbild. Der Nebel wird dichter und h\u00fcllt die ganze Gegend gespenstisch ein. Wir f\u00fchlen uns pl\u00f6tzlich auf einen anderen Planeten versetzt. Irgendwie unwirklich. Noch ein paar Meter Abfahrt, dann taucht aus dem Nebel die <a title=\"Rifugio Scaletta\" href=\"http:\/\/www.vs-wallis.ch\/tessin\/huetverz\/rif-scaletta.html\" target=\"_blank\">Rifugio Scaletta<\/a> auf. Endlich eine Rast, warmes Essen. Inzwischen ist es 15.30 Uhr. Das Fr\u00fchst\u00fcck um halb acht ist ganz sch\u00f6n lange her. Sehr hungrig verschlingen wir die \u00fcppige Portion R\u00f6sti mit Spiegelei.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend wir in der warmen H\u00fctte sitzen lichtet sich drau\u00dfen der dichte Nebel und gibt den Blick auf das Tal und somit den weiteren Wegverlauf frei. Nach der St\u00e4rkung brechen wir bald wieder auf und m\u00fcssen zun\u00e4chst wieder ein St\u00fcck auf dem Weg zur\u00fcck bis zu einem Abzweig schieben. Dann muss noch kurz ein Bach \u00fcberquert , eine felsige Rampe hoch erklommen und die Abfahrtsposition auf dem Rad eingenommen werden.<\/p>\n<p>Danach beginnt die extrem anspruchsvolle Abfahrt nach Campo. Verblockter Fels, hohe Stufen, enge Spitzkehren. Hier in diesem Terrain f\u00fchle ich mich zu Hause. Ich spiele mit dem Weg, lasse das Hinterrad durch die Luft schweben. Alle Muskeln sind zum Zerrei\u00dfen gespannt, das Gehirn muss pro Sekunde hunderte von Entscheidungen treffen, Bremspunkte setzen, Gewichtsverlagerung, Lenken, Blick voraus, Suche nach der Linie, reflexartige Reaktionen auf wackelnde Steine, ein rutschender Reifen, ein Felsen steht im Weg, der Rucksack schiebt. Shit, der rechte Fu\u00df muss raus. Nichts mit No Foot auf diesem Trail. Ich blicke mich um, Michael und Frank sind noch weiter oben unterwegs. Ich h\u00f6re Michaels Fluchen&#8230;Klickpedale. Ich nutze die Zeit kurz meine verkrampften\u00a0 H\u00e4nde zu entspannen und die gerade eben versemmelte Sektion nochmals zu probieren. Beim zweiten Mal klappt es, jetzt stimmt die Linie und weiter geht es. Ein kurzer flowiger Abschnitt unterbricht die fahrtechnische Herausforderung, dann geht es ebenso heftig wie zuvor weiter. Einige Stellen klappen auch beim dritten Versuch noch nicht. Was soll\u00b4s der Trail ist noch lang und einen Sturz in diesem Gel\u00e4nde will ich auf keinen Fall riskieren.<\/p>\n<p>Schlie\u00dflich erreichen wir den Talgrund, nur 270 H\u00f6henmeter unterhalb der Rifugio Scaletta. 35 Minuten haben wir gebraucht, 35 Minuten die es in sich haben. So ein St\u00fcck Weg sollte man zu Hause haben zum \u00dcben. Ab hier f\u00fchrt eine asphaltierte Stra\u00dfe ins Tal nach Campo, daneben ein Wanderweg. Obwohl es schon recht sp\u00e4t heute ist und unser urspr\u00fcngliches Ziel bis zum Passo del Lucomagno zu kommen schon unerreichbar ist, entscheiden wir uns nat\u00fcrlich f\u00fcr den Singletrail ins Tal. Auch hier geht es fahrtechnisch zur Sache, einige Gegenanstiege sind zu meistern und ein paar Passagen f\u00fchren \u00fcber sumpfige Abschnitte. Dennoch ist der Trail ein echter Leckerbissen und wir lassen uns fast keinen Meter von ihm entgehen. Einzig ein kurzes St\u00fcck an einer Alm lassen wir aus. Ab der Ortschaft Daigra f\u00fchrt zun\u00e4chst ein sch\u00f6ner Wiesenweg und sp\u00e4ter ein schneller Weg durch den Wald bis nach Campo.<\/p>\n<p>Es ist bereits 18.00 Uhr. Wir beschlie\u00dfen vor der Auffahrt noch einen Anruf auf der H\u00fctte zu t\u00e4tigen. Das heutige Ziel ist die <a title=\"Bovarina\" href=\"http:\/\/www.vs-wallis.de\/tessin\/huetverz\/cap-boverina.html\" target=\"_blank\">Capanne Bovarina<\/a>. 700 H\u00f6henmeter haben wir bis dahin noch zu bew\u00e4ltigen. Zun\u00e4chst 500 H\u00f6henmeter auf einer kleinen geteerten Stra\u00dfe und sp\u00e4ter dann noch ein Tragest\u00fcck. Es g\u00e4be noch eine alternative Auffahrt \u00fcber die Pradasca Alm. Diese sch\u00e4tzen wir jedoch anhand der Karte als wesentlich l\u00e4nger und aufwendiger ein, so dass wir heute Abend einfach die Diretissima w\u00e4hlen. Relativ rasch bew\u00e4ltigen wir also die700 H\u00f6henmeter im Abendlicht.<\/p>\n<p>Anfangs erblicken wird auf der gegen\u00fcberliegenden Talseite mehrmals die Staumauer des Lago di Luxxone. Leider ist es immer noch recht dunstig und bew\u00f6lkt. Daf\u00fcr ist unsere Auffahrt von pr\u00e4chtigen alten Latschenkiefern rechts und links des Weges ges\u00e4umt. Diese B\u00e4ume hier m\u00fcssen Jahrhunderte alt sein.<\/p>\n<p>Das steile Tragest\u00fcck vor der H\u00fctte entpuppt sich dann doch noch als echte Herausforderung und wir qu\u00e4len uns ziemlich. Es ist sp\u00e4t geworden heute und es reicht gewaltig. Es w\u00e4hre wohl doch besser gewesen den vermeintlich l\u00e4ngeren Weg au\u00dfen rum zu nehmen. Als wir die H\u00fctte endlich erreichen steht das Essen schon auf dem Tisch. Bevor wir uns unverschwitzte Kleidung anziehen wird der erste Gang verputzt.<\/p>\n<p>Ansonsten ist das Essen \u00fcppig und gut, das Wirtspersonal sehr freundlich und die H\u00fctte ist neu gebaut und sehr sauber und gepflegt. In den Zimmern die mit 8 bis 10 Betten best\u00fcckt sind gibt es statt der \u00fcblichen Filslauszuchtdecken echte Federbetten und anst\u00e4ndige Kissen.<\/p>\n<p><strong>Fazit:<\/strong><\/p>\n<p>Zun\u00e4chst war es heute sehr schade, dass G\u00fcnter die Tour abbrechen musste. Nach sch\u00f6nen und warmen Wetter am Vormittag nahm tags\u00fcber die Bew\u00f6lkung immer mehr zu. Dennoch konnten wir bleibende Eindr\u00fccke von der grandiosen Landschaft mitnehmen. Ob man die Greine Hochebene mit dem Bike machen muss oder darf sei dahin gestellt . Wir haben uns daf\u00fcr entschieden, auch wenn ich diese Etappe so nur sehr eingeschr\u00e4nkt weiter empfehlen m\u00f6chte. Als echtes Highlight nehme ich heute die Abfahrt von der Scaletta H\u00fctte mit.<\/p>\n<p><strong>Bilder:<\/strong><\/p>\n<p>Alle Fotos von\u00a0 <a title=\"Tag 3\" href=\"http:\/\/www.schymik.de\/fotodb\/search.php?search_keywords=transswiss%20AND%20Tag3\">Tag 3<\/a><\/p>\n<p><strong>Weiter <\/strong>zu <a title=\"Tag4\" href=\"http:\/\/www.schymik.de\/wordpress\/?p=215\">Tag 4<\/a><\/p>\n<p><strong>GPS:<\/strong><\/p>\n<p>Track und H\u00f6hendiagramm bei <a title=\"Tag 3\" href=\"http:\/\/gpsies.com\/map.do?fileId=ltaeqwoyuijpynsh\">GPSies.com<\/a><\/p>\n<p><strong>\u00dcbernachtung:<\/strong><\/p>\n<p><a title=\"Bovarina\" href=\"http:\/\/www.vs-wallis.de\/tessin\/huetverz\/cap-boverina.html\" target=\"_blank\">Capanne Bovarina<\/a><br \/>\nTelefon       091 &#8211; 872 15 29<\/p>\n<p><strong>Statistik Tag 3:<\/strong><\/p>\n<p>2560 H\u00f6henmeter<br \/>\ndavon 900 H\u00f6henmeter getragen und geschoben<br \/>\n50 km<br \/>\n6.0 h Fahrzeit<br \/>\n10,5 h unterwegs<\/p>\n<p><strong>Karte:<\/strong><\/p>\n<p>Wanderkarten K\u00fcmmerly + Frey <a title=\"Surselva\" href=\"http:\/\/astore.amazon.de\/transalphomep-21\/detail\/325900811X\/302-6276948-8487247\">Wanderkarte 20<\/a>, Surselva &#8211; Disentis &#8211; Valsertal &#8211; Flims<\/p>\n<p>Kompass <a title=\"Kompass 123\" href=\"http:\/\/astore.amazon.de\/transalphomep-21\/detail\/3854918291\/302-6276948-8487247\">Wanderkarte  123<\/a>, Flims \/ Surselva \/ Valser Tal<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vals &#8211; Capanne Bovarina Zun\u00e4chst steht uns eine unspektakul\u00e4re Abfahrt auf der Stra\u00dfe nach Uors bevor. 11 km lang 300 H\u00f6henmeter sinnlos auf der Stra\u00dfe vernichten. 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