{"id":217,"date":"2008-09-03T13:51:55","date_gmt":"2008-09-03T11:51:55","guid":{"rendered":"http:\/\/www.schymik.de\/wordpress\/?p=217"},"modified":"2008-10-23T09:48:01","modified_gmt":"2008-10-23T07:48:01","slug":"tag-6","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.schymik.de\/wordpress\/tag-6\/","title":{"rendered":"Tag 6 Auf alten Wegen"},"content":{"rendered":"<p><strong>Binntal &#8211; Binn -Heiligkreuz &#8211; Salflischpass &#8211; Simplonpass<\/strong><\/p>\n<p>Heute ist nicht mein Tag. Es beginnt schon mitten in der Nacht. Obwohl es im vollen Matratzenlager der Binntalh\u00fctte ungewohnt ruhig ist kann ich nicht schlafen. Mein linker Fu\u00df macht sich bemerkbar. Zum Fr\u00fchst\u00fcck humple ich die Treppe hinab. Irgendwie ist alles dick und geschwollen. Und das jetzt, wo uns doch noch eine heftige technische Abfahrt durchs Binntal nach Binn bevorsteht. So ein verknaxter Fu\u00df, der auch noch aus einem peinlichen H\u00fcttenunfall resultiert, handikapt einen schon ganz m\u00e4chtig. Ich schmiere die ganze Sache erst einmal mit Schmerzgel ein und binde einen Verband drum herum. Zum Gl\u00fcck bin ich mit festen Bergstiefeln unterwegs, die dem Fu\u00df etwas Halt bieten. Mit flachen Klickpedalschuhen h\u00e4tte ich heute g\u00e4nzlich verloren.<\/p>\n<p>Egal, es geht erst einmal los. Das Wetter h\u00e4lt noch, der Trail ist trocken. Die Abfahrt ist unterhalb der H\u00fctte zwar wesentlich einfacher als oben am Albrunpass, aber mir mir l\u00e4uft heute nichts. Der alte <a title=\"Saumpfad\" href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Saumpfad\" target=\"_blank\">Saumpfad<\/a> weist einige Pflasterpassagen auf, auf denen wir mit hohem Tempo abfahren k\u00f6nnen. Die Vibration auf das Fu\u00dfgelenk ist aber alles andere als angenehm. Immer wieder wird die Abfahrt von technisch anspruchsvollen Abschnitten unterbrochen. Hier m\u00fcssen Stufen \u00fcberwunden werden und die engen Spitzkehren verlangen das Versetzen des Hinterrades. Immer wieder gelingt mir dies nicht fehlerfrei. In einer engen Linkskehre \u00fcberschlage ich mich dann\u00a0 auch noch zu allem \u00dcberflu\u00df. Zum Gl\u00fcck f\u00e4ngt der Rucksack den Sturz in die Felsen komplett ab, ich falle sanft wie in ein Federbett.<\/p>\n<p>Zeit ein paar Worte \u00fcber die Wege zu verlieren, auf denen wir schon die ganze Tour unterwegs sind, die <a title=\"Walser\" href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Walser\" target=\"_blank\">Walserwege<\/a>. Um das 13. Jahrhundert bis 14. Jahrhundert begannen einzelne Gruppen von Walsern, nach und nach das Rhonetal zu verlassen. Sie zogen in alle Himmelsrichtungen, vorrangig aber nach Osten und sie besiedelten die T\u00e4ler von oben her. Letztendlich besiedelten die Walser den Teil der Alpen, den wir auf unserer Route von Davos nach Zermatt durchqueren und noch weiter nach Osten bis ins Kleinwalsertal. Bei der Besiedelung legten sie zwischen den errichteten Orten <a title=\"Saumpfad\" href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Saumpfad\" target=\"_blank\">Saumpfade<\/a> an, um den Handel zwischen den Orten zu erm\u00f6glichen. Nach und nach wurden die Wege besser befestigt und somit auch bei schlechten Witterungsbedingungen begehbar. Noch heute zeugen gepflasterte Passagen von der m\u00fchsamen Arbeit der vergangenen Generationen. Eine umfangreiche Liste der <a title=\"Saumpfade\" href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Liste_der_P%C3%A4sse_in_der_Schweiz#Schweizer_Saumpfade\" target=\"_blank\">Schweizer Saumpfade<\/a> zeigt den gesamten Umfang der Wegebaut\u00e4tigkeiten.<\/p>\n<p>Zur\u00fcck zu unserem Weg. Michael hat es wieder einmal geschafft seinen Hinterreifen mit einem Durchschlag lahmzulegen. Frank und ich nutzen die Zeit an einer Quarzsandsektion einige Fotos zu machen.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.schymik.de\/wordpress\/wp-content\/ts08t6_1.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"aligncenter size-full wp-image-230\" title=\"ts08t6_1\" src=\"http:\/\/www.schymik.de\/wordpress\/wp-content\/ts08t6_1.jpg\" alt=\"\" width=\"450\" height=\"607\" \/><\/a><\/p>\n<p>Kurz nach dieser geologisch interessanten Passage endet der schmale Wanderweg und ein Kiesweg beginnt. Zwar besteht hier die M\u00f6glichkeit weiter auf einem Wanderweg zu fahren, dieser f\u00fchrt aber zun\u00e4chst nach links steil nach oben. Und auf ein Tragest\u00fcck am Morgen haben wir heute keine besondere Lust. Ich entdecke auf dem Navi einen Trailabzweig, der ein St\u00fcck weiter unten vom Kiesweg abzweigt. Das erscheint sinnvoll. Ist es auch, denn es handelt sich abermals um einen sch\u00f6n gepflasterten alten Walserweg, der parallel zu\u00a0 Schotterpiste hinab nach Binn f\u00fchrt. Sch\u00f6n zu fahren, fahrtechnisch immer wieder interessant und dennoch zielf\u00fchrend.<\/p>\n<p>Schlie\u00dflich erreichen wir Binn. Wir versorgen uns in einem kleinen Lebensmittelgesch\u00e4ft mit einigen Vorr\u00e4ten und dann biegen wir ab ins <a title=\"Lengtal\" href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Lengtal\" target=\"_blank\">Lengtal<\/a> in Richtung Heiligkreuz. Dort beginnt der lange Schotteranstieg zum Saflischpass. Mir kommt diese Art von Auffahrt heute sehr gelegen, denn mit dem schmerzenden Fu\u00df l\u00e4\u00dft sich zwar ganz passabel pedelieren, das Laufen f\u00e4llt jedoch immer noch sehr schwer und an ein Tragen des Bikes durch verblocktes Felsgel\u00e4nde will ich besser gar nicht erst denken.<\/p>\n<p>Der Weg f\u00fchrt in endlosen Serpentinen zun\u00e4chst durch den Bergwald, sp\u00e4ter entlang von Almwiesen nach oben. Erst auf einer H\u00f6he von \u00fcber 2336 Metern endet der breite Weg an der Brunegge-Alm f\u00fcr uns. Hier zweigt ein Wanderweg in Richtung Pass ab, w\u00e4hrend der Schotterweg weiter nach Osten in Richtung Breithorn f\u00fchrt.<\/p>\n<p>Nach einer kurzen Rast in einer windgesch\u00fctzten Senke geht es steil nach oben. Immer noch befinden wir uns auf satten gr\u00fcnen Almwiesen, w\u00e4hrend sich vor uns eine w\u00fcstenartige Sandlandschaft auftut. Tiefe Gr\u00e4ben durchziehen hier eine kleine Hochebene. Wir fahren in eine dieser Senken hinein und bemerken etwas zu sp\u00e4t, dass man diese ein paar Meter weiter n\u00f6rdlich umfahren k\u00f6nnte. Egal, so tragen wir wieder auf der anderen Seite nach oben. Knapp 15 Minuten sp\u00e4ter stehen wir auf dem Safischpass. Die ganze Auffahrt hat jetzt ab Heiligkreuz fast 3 Stunden gedauert.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.schymik.de\/wordpress\/wp-content\/ts08t6_2.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"aligncenter size-full wp-image-229\" title=\"ts08t6_2\" src=\"http:\/\/www.schymik.de\/wordpress\/wp-content\/ts08t6_2.jpg\" alt=\"\" width=\"450\" height=\"338\" \/><\/a><\/p>\n<p>Jetzt geht es erstmal auf dem Traumtrail mit viel Speed und Flow nach unten in Richtung Gantertal. Der Trail macht richtig Spa\u00df und wir sind schnell an der Seilbahnstation Fleschbode. Hier geht es scharf links weg auf einem unglaublich sch\u00f6nen Singletrail hinunter nach Stafel. \u00dcber Almwiesen und durch L\u00e4rchenw\u00e4lder gleiten wir dahin. Unten steht beeindruckend und architektonisch sehr ansprechend die neue Simplon-Br\u00fccke im Tal.<\/p>\n<p>Wir erblicken einen Weg am gegen\u00fcberliegenden Hang: Flach am Hang entlang, Michael hat eine Vermutung: dies kann nur ein Wasserleitungsweg sein, ein sogenannter\u00a0 <a title=\"Suone.\" href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Suone\" target=\"_blank\">Suone<\/a>. Es folgt ein kurzer Blick auf die Karte, dann ist klar: die Fahrt nach Steinu auf dem uralten Weg nehmen wir heute noch mit. Der Trail ist teilweise extrem ausgesetzt, f\u00fchrt stellenweise direkt an der senkrechten Felswand entlang. Hoch \u00fcber dem tief eingeschnitten Tal ein imposantes Erlebnis, aber sicherlich nichts f\u00fcr Leute die nicht 100% schwindelfrei sind. Auch wir schieben an besonders schmalen Stellen die Bikes lieber, als hier einen Freiflug zu riskieren. Wir erreichen nach einer halben Stunde das Steinutal.<\/p>\n<p>Ab hier geht es auf einer extremen Abfahrt hinab. Leider ist das Teilst\u00fcck von Steinuch\u00e4ller bis zur Steunumatte derma\u00dfen steil, dass wir die Bikes hinab schieben m\u00fcssen. Ein Blick auf eine 1:25000er Wanderkarte h\u00e4tte uns hier sicher vor diesem Schiebest\u00fcck bewahrt, aber diese haben wir nat\u00fcrlich nicht dabei. Nach 15 Minuten kommt die Alm Tamatte in Sicht und der Weg wird wieder flacher und somit fahrbar. Wieder unterhalb der Alm vorbei und schlie\u00dflich auf einem Schotterweg zur <a title=\"Simplon\" href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Simplonpass\" target=\"_blank\">Simplon<\/a>-Passstra\u00dfe.<\/p>\n<p>Am ersten Restaurant an der Stecke rasten wir kurz und g\u00f6nnen uns eine Kaffeepause. Danach beginnt ein Horrortrip durch Tunnels. Auf der breiten Stra\u00dfe sind zahlreiche Lastwagen unterwegs. Lange dr\u00f6hnen die lauten Motoren durch die Tunnelr\u00f6hren. Ich frage mich die ganze Zeit: Warum haben wir hier nicht den Postbus genommen? Diese Auffahrt macht absolut keinen Spa\u00df.<\/p>\n<p>Nach 20 Minuten ist das Ende der Gallerie erreicht. Wir erreichen den Pass im Nebel. Genau hier f\u00e4hrt der Postbus an uns vorbei. Ich schreie im Nach: &#8220;gelber Freund, wo warst Du als ich Dich brauchte?&#8221; Inzwischen ist es 17.00 Uhr. Unser kleiner Abstecher ins Steinutal hat ganz sch\u00f6n Zeit gekostet. Wir \u00fcberlegen noch weiter zu fahren? Noch zwei P\u00e4sse um diese Zeit, im Nebel. Die Wegbeschaffenheit ist unklar, die ganze Sache zu unberechenbar. Daher treffen wir eine Entscheidung: wir bleiben.<\/p>\n<p>Wir fragen noch in 2 Hotels nach dem Preis, dann checken wir ein. Endlich Duschen, nach 3 N\u00e4chten auf der H\u00fctte. Das tut mal richtig gut. W\u00e4hrend wir beim Abendessen sitzen f\u00e4ngt es kr\u00e4ftig an zu regnen. Die Entscheidung heute hier zu bleiben sollte sich als richtig erweisen.<\/p>\n<p><strong>Fazit: <\/strong><\/p>\n<p>Nach der hochalpinen Etappe am gestrigen Tag war die leichte, gr\u00f6\u00dftenteils fahrbere Etappe heute eine willkommende Abwechslung. Der Zustand meines verknaxten Fu\u00dfes hat sich im Laufe des Tages gebessert, so konnte ich wenigstens die unerwartet sch\u00f6ne und abwechslungsreiche Abfahrt vom Saflischpass voll genie\u00dfen. Die Erkundung der alten Suone ist als besonderes Highlight zu verbuchen, auch wenn die Abfahrt im Steinutal nicht komplett fahrbar war. Die leider unumg\u00e4ngliche Auffahrt zum Simplonpass auf der Stra\u00dfe sollte man sich auf keinen Fall antun.<\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><strong><span>Bilder:<\/span><\/strong><\/span><\/p>\n<p>Alle Fotos von <a title=\"Tag 6\" href=\"http:\/\/www.schymik.de\/fotodb\/search.php?search_keywords=transswiss%20AND%20Tag6\">Tag 6<\/a><\/p>\n<p><strong>Weiter <\/strong>zu <a title=\"Tag7\" href=\"http:\/\/www.schymik.de\/wordpress\/?p=218\">Tag 7<\/a><\/p>\n<p><strong>GPS:<\/strong><\/p>\n<p>Track und H\u00f6hendiagramm bei <a title=\"Tag 6\" href=\"http:\/\/gpsies.com\/map.do?fileId=eeomwuarkpsxcahs\">GPSies.com<\/a><\/p>\n<p><strong>\u00dcbernachtung:<\/strong><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,Helvetica;\"><span>Hotel Simplonblick<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,Helvetica;\"><span>Tel. 027 979 11 13<\/span><\/span><\/p>\n<p><strong>Statistik Tag 6:<\/strong><\/p>\n<p>1768 H\u00f6henmeter<br \/>\ndavon 100 H\u00f6henmeter getragen und geschoben<br \/>\n46 km<br \/>\n5,5 h Fahrzeit<br \/>\n9 h unterwegs<\/p>\n<p><strong>Karten:<\/strong><\/p>\n<p><strong><\/strong> K\u00fcmmerly + Frey <a title=\"Visp, Zermatt\" href=\"http:\/\/astore.amazon.de\/transalphomep-21\/detail\/3259008888\/302-6276948-8487247\">Wanderkarte 24<\/a>, Zermatt &#8211; Saas Fee &#8211; Gr\u00e4chen &#8211; Visp &#8211; Simplon<\/p>\n<p>Kompass <a title=\"Kompass 117\" href=\"http:\/\/astore.amazon.de\/transalphomep-21\/detail\/3854914660\/302-6276948-8487247\">Wanderkarte 117<\/a>, Zermatt &#8211; Saas Fee<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Binntal &#8211; Binn -Heiligkreuz &#8211; Salflischpass &#8211; Simplonpass Heute ist nicht mein Tag. 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