{"id":431,"date":"2009-09-10T18:32:52","date_gmt":"2009-09-10T17:32:52","guid":{"rendered":"http:\/\/www.schymik.de\/wordpress\/?p=431"},"modified":"2023-01-20T11:42:53","modified_gmt":"2023-01-20T10:42:53","slug":"transtirol-tag-7-im-reiche-des-baren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.schymik.de\/wordpress\/transtirol-tag-7-im-reiche-des-baren\/","title":{"rendered":"Transtirol Tag 7: im Reich des B\u00e4ren"},"content":{"rendered":"<p>Heute ist der letzte Tag unserer Tour. Wir haben Tirol durchquert und nach der gestrigen Etappe die Brenta erreicht. Bereits auf meinem ersten Alpencross vor 11 Jahren habe ich diesen imposanten Gebirgszug besucht. Heute werden wir den ersten Teil der Etappe genau auf der Route von 1998 zur\u00fccklegen. Danach gelangen wir \u00fcber den spektakul\u00e4ren Passo Gaiarda hinab zum Molvenosee.<br \/>\nBeim Start heute Morgen ist es ziemlich kalt. Gerade eben noch haben wir das unerwartet reichhaltige Fr\u00fchst\u00fcck im Albergo Miralago einverleibt, schon geht es auf steilen Rampen bergauf. Die Betonpiste hinauf zur Malga Pozzol auf 1632 Metern ist an einigen Stellen bis zu 30% steil. Hier wird es an einigen Stellen mit dem Rucksack auf dem R\u00fccken fast unm\u00f6glich im Sattel zu bleiben. Zwischendurch gibt es aber immer wieder flache Abschnitte, auf denen man etwas regenerieren kann.<br \/>\nAn der Alm endet der Schotterweg. Fortan m\u00fcssen die Bikes bis auf die Hochfl\u00e4che der Brenta, die sich auf 2000 Metern H\u00f6he erstreckt, geschoben und getragen werden. Wir passieren noch die Malga Flavona und \u00fcberschreiten schlie\u00dflich die Baumgrenze. Dann schiebt sich langsam der Mont Turrion Basso mit seiner einzigartigen Silhouette ins Blickfeld.<\/p>\n<p>Er wird f\u00fcr die n\u00e4chste Stunde unser st\u00e4ndiger Begleiter zur Rechten sein. Links von uns stehen mit ihren fast 600 Meter hohen senkrechten W\u00e4nden weit m\u00e4chtigere Berge. Und der Blick nach vorne zeigt uns schon unser Ziel, den Passo Gaiarda.<br \/>\nDie grasbewachsene Hochfl\u00e4che ist stellenweise gut befahrbar. Die Steigung ist annehmbar, der Untergrund gr\u00f6\u00dftenteils gut. Dennoch m\u00fcssen wir immer wieder absteigen und die Bikes \u00fcber l\u00e4ngere Strecken schieben.<br \/>\nAuf knapp 2200 Metern erreichen wir schlie\u00dflich den Abzweig zum Passo Gaiarda. Ab hier k\u00f6nnen wir die letzten 50 H\u00f6henmeter bis zum Pass wieder alles fahren.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"aligncenter size-full wp-image-518\" title=\"transtirol_09_07_16\" src=\"http:\/\/www.schymik.de\/wordpress\/wp-content\/transtirol_09_07_16.jpg\" alt=\"transtirol_09_07_16\" width=\"450\" height=\"324\" srcset=\"https:\/\/www.schymik.de\/wordpress\/wp-content\/transtirol_09_07_16.jpg 450w, https:\/\/www.schymik.de\/wordpress\/wp-content\/transtirol_09_07_16-300x216.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 450px) 100vw, 450px\" \/><\/p>\n<p>Wir befinden uns auf einer alten Milit\u00e4rstra\u00dfe, die entsprechend gut ausgebaut ist. Hier oben kommen wir immer n\u00e4her an die beeindruckenden und hohen Felsw\u00e4nde des Monte Fibbion. Oben angekommen rasten wir kurz an einer windgesch\u00fctzten Stelle.<br \/>\nDer Blick auf die Abfahrt sieht vielversprechend aus. Der Weg 301 f\u00fchrt quer durch extrem steile Schotterb\u00e4nder, ist oft nur handbreit.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"aligncenter size-full wp-image-519\" title=\"transtirol_09_07_18\" src=\"http:\/\/www.schymik.de\/wordpress\/wp-content\/transtirol_09_07_18.jpg\" alt=\"transtirol_09_07_18\" width=\"450\" height=\"357\" srcset=\"https:\/\/www.schymik.de\/wordpress\/wp-content\/transtirol_09_07_18.jpg 450w, https:\/\/www.schymik.de\/wordpress\/wp-content\/transtirol_09_07_18-300x238.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 450px) 100vw, 450px\" \/><\/p>\n<p>Wenn man sich nach wenigen Metern an den ungewohnten und nicht immer berechenbaren Untergrund gew\u00f6hnt hat, kann man darauf ganz gut abfahren. Einfach Bremsen auf und laufen lassen, etwas Vertrauen in die Federung und es klappt. Aber wehe man l\u00e4sst sich von den tiefen Wasserrinnen die den Trail immer wieder kreuzen oder einigen gr\u00f6\u00dferen Brocken aus der Fahrt bringen. Dann dauert es wieder eine ganze Weile, bis die R\u00e4der wieder rund rollen. Die Schotterh\u00e4nge sind derart steil, dass wir an einigen Stellen sogar kleine Lawinen ausl\u00f6sen, die hinter uns ins Tal rutschen. Erschwert wird die Abfahrt zudem durch die ungewohnte Optik: der schmale Pfad durch das Ger\u00f6ll unterscheidet sich kaum von der Umgebung, alles grau in grau.<br \/>\nOberhalb der Malga Spora \u00e4ndert der Trail seinen Charakter vollst\u00e4ndig. Enge Serpentinen, tief eingewaschen in den Untergrund erfordern h\u00f6chste Konzentration und fahrtechnisches K\u00f6nnen auf h\u00f6chsten Niveau. Mir gelingt es diese schwere Sektion fast fehlerfrei zu durchfahren.<br \/>\nWir passieren die malerisch gelegene Alm und \u00fcberwinden einen kurzen Gegenanstieg. Schlie\u00dflich erreichen wir die Baumgrenze. Einige Abzweigungen von sch\u00f6nen Wanderwegen werden gequert, wir\u00a0 bleiben jedoch auf dem Weg 301. Dieser verl\u00e4uft jetzt gut fahrbar und flowig durch den Wald. Dann die Entscheidung an einer Weggabelung: weiter auf dem 302 nach Spormaggiore oder bleiben auf dem 301 direkt nach Andalo. Wir bleiben.<br \/>\nDas bedeutet zun\u00e4chst, dass der Trail nun weniger f\u00e4llt und parallel zum Hang verl\u00e4uft. Einige Male m\u00fcssen wir schieben, denn es geht wieder bergauf. Wir denken zun\u00e4chst, dass der Weg bald in das tief eingeschnittene Tal f\u00fchren wird, erkennen dann aber, dass er sich direkt der senkrechten Felswand zu unserer Rechten zuwendet. Zudem wird der Weg immer ausgesetzter und der Abgrund links von uns f\u00e4llt ins Bodenlose. Schlie\u00dflich befinden wir uns auf einem nur lenkerbreiten Felsband, rechts ein Stahlseil, links nichts als g\u00e4hnender Abgrund.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"aligncenter size-full wp-image-520\" title=\"transtirol_09_07_26\" src=\"http:\/\/www.schymik.de\/wordpress\/wp-content\/transtirol_09_07_26.jpg\" alt=\"transtirol_09_07_26\" width=\"450\" height=\"441\" srcset=\"https:\/\/www.schymik.de\/wordpress\/wp-content\/transtirol_09_07_26.jpg 450w, https:\/\/www.schymik.de\/wordpress\/wp-content\/transtirol_09_07_26-300x294.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 450px) 100vw, 450px\" \/><\/p>\n<p>Jetzt nur keinen Fehler machen, vorsichtig fahren und am kleinen Hindernis doch besser absteigen, festhalten, das Bike schieben. Nach wenigen Metern ist dieser Nervenkitzel zum Gl\u00fcck vorbei. Wir sto\u00dfen auf einen Schotterweg.<\/p>\n<p>Bereits nach wenigen Metern verl\u00e4sst der 301er den Schotterweg wieder. Er entpuppt sich in diesem Bereich als flowiger Spa\u00dftrail durch den Wald. Weiter unten wird offensichtlich, dass er hier regelm\u00e4\u00dfig mit Bikes befahren wird. Eine deutliche Ideallinie ist daher eingefahren. Der Weg f\u00fchrt uns hinab bis nach Andalo. Schnell passieren wir den wenig einladenden Ort und fahren neben dem Bach auf einem Schotterweg hinab nach Molveno.<br \/>\nUnser n\u00e4chstes Ziel, den Monte Gazza h\u00e4tten wir auch direkt von Andalo erreichen k\u00f6nnen. Da Michael die unattraktive Route durch das Skigebiet schon kennt und wir wissen, dass man unten vom Seeufer aus wesentlich angenehmer hoch fahren kann, entscheiden wir uns f\u00fcr diesen kleinen\u00a0 Umweg. N\u00fctzlicher Nebeneffekt hiervon ist zudem, dass wir am Molvenosee noch kurz in einem Hotel am Strand einkehren k\u00f6nnen, um eine Kleinigkeit zu essen.<br \/>\nDann geht es los, die letzten 1000 H\u00f6henmeter dieser Alpentour werden in Angriff genommen. Steil f\u00fchrt der Schotterweg durch den Wald nach oben. Es ist schw\u00fcl und hei\u00df, daher ist das alles hier eine ziemlich schwei\u00dftreibende Angelegenheit. Der Schotterweg f\u00fchrt auch nicht bis auf den Berg, sondern wendet sich irgendwann wieder zur\u00fcck in Richtung Andalo. Da wollen wir nat\u00fcrlich nicht hin. Statt dessen m\u00fcssen wir einen kleinen Wanderweg hoch schieben. Wir suchen zun\u00e4chst den richtigen Einstieg, dann aber ist der Weg nach oben eingeschlagen. Der weitere Weg verl\u00e4uft noch ziemlich z\u00e4h und wellig bis hinauf zum Passo di San Giovanni. Jetzt noch wenige steile Meter durch den Latschenkiefernwald, dann ist es geschafft. Wir haben den letzten Berg dieser Tour erklommen. Inzwischen steht die Sonne schon wieder tief am Himmel, das Ziel der Gardasee ist noch weit. Wir passieren eine Kuppe, dann eine Kurve, dann erblicken wir ihn. Ganz unten im Tal, gerade noch am Horizont zu erkennen: der Gardasee. Wir fahren schnell den staubigen Weg hinab, die Sonne ist bereits r\u00f6tlich eingef\u00e4rbt. Ein emotionaler Augenblick, nach 7 harten Tagen. Der Augenblick k\u00f6nnte perfekt sein, w\u00fcrde Michael jetzt nicht pl\u00f6tzlich nach rechts in die Wiese steuern: Plattfu\u00df. Schnell ist der Schlauch gewechselt, weiter geht\u00b4s. Auf dem Trail 602 fahren wir ab nach Ranzo. Der Weg ist steil und verblockt. Ein letztes Mal wird das Material gefordert, die volle Konzentration im Kopf und die Beherrschung der Fahrtechnik sind ebenfalls unerl\u00e4sslich.<br \/>\nIn Ranzo wollen wir eigentlich einen Trail nach Sarche befahren. Doch trotz GPS Track gelingt es uns nicht auf Anhieb den richtigen Einstieg zu finden. F\u00fcr lange Suchaktionen und Experimente fehlt uns jetzt aber die Zeit und die Motivation. Daher findet die letzte Abfahrt hinab zum Lago Toblino v\u00f6llig unw\u00fcrdig auf dem betonierten Radweg durch das Val Rusa statt.<br \/>\nVon Sarche aus fahren wir weiter auf der beschilderten Mountainbikeroute nach Dro und schlie\u00dflich nach Arco. Der teilweise grobschottrige Weg wartet noch mit einigen ungeplanten Gegenanstiegen auf, ist aber alles in allem sehr empfehlenswert. Ab Arco f\u00fcr uns der beidseitig mit bl\u00fchenden Oleanderb\u00fcschen ges\u00e4umte Weg bis nach Torbole. Die Sonne ist bereits untergegangen, als wir am Mecki vorbei kommen. Auf dem Campingplatz erwartet uns bereits Suse mit k\u00fchlem Bier. Es ist geschafft.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"aligncenter size-full wp-image-516\" title=\"transtirol_09_07_34\" src=\"http:\/\/www.schymik.de\/wordpress\/wp-content\/transtirol_09_07_34.jpg\" alt=\"transtirol_09_07_34\" width=\"450\" height=\"338\" srcset=\"https:\/\/www.schymik.de\/wordpress\/wp-content\/transtirol_09_07_34.jpg 450w, https:\/\/www.schymik.de\/wordpress\/wp-content\/transtirol_09_07_34-300x225.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 450px) 100vw, 450px\" \/><\/p>\n<p>Nach dem Pizzaessen hat keiner von uns mehr die Kraft und die Lust das Zelt aufzubauen. Daher verbringen wir die letzte Nacht unserer Tour im Dreck. Wir liegen auf der Isomatte,\u00a0 verstreut zwischen den Bikes und dem unterliegendem Gep\u00e4ck auf dem staubigen Boden des Campingplatzes.<br \/>\nDie n\u00e4chsten zwei Tage verbringen wir gem\u00fctlich mit Grillen und Baden&#8230;Am Sonntag wird Michaels Sharan bis zur Belastungsgrenze mit 5 Bikes, 6 Personen und jede Menge Tour- und Campinggep\u00e4ck beladen und wir treten die Heimreise an. Ach so, ab der zweiten Nacht haben wir denn doch im Zelt geschlafen.<\/p>\n<p><strong>Fotos:<\/strong><\/p>\n<p>von <a title=\"Fotos Tag 7\" href=\"http:\/\/schymik.de\/fotodb\/search.php?search_keywords=transtirol%20AND%20Tag7\">Tag 7<\/a><a title=\"Fotos Tag 4\" href=\"http:\/\/schymik.de\/fotodb\/search.php?search_keywords=transtirol%20AND%20Tag4\"><br \/>\n<\/a><\/p>\n<p><strong>Strecke:<\/strong><\/p>\n<p>Lago di Tovel<br \/>\nPso Gaiarda<br \/>\nMolveno<br \/>\nPso. San Giovanni<br \/>\nMonte Gazza<br \/>\nRanzo<br \/>\nSarche<br \/>\nGardasee<\/p>\n<p><strong>Unterkunft:<\/strong><\/p>\n<p>Campingplatz Torbole<\/p>\n<p><strong>Statistik:<\/strong><\/p>\n<p>Unterwegs: 11:30 h<br \/>\nFahrzeit: 7:32 h<br \/>\nH\u00f6henmeter hoch: 2174 m<br \/>\nH\u00f6henmeter hoch getragen: 500 m<br \/>\nH\u00f6henmeter runter: 3245 m<br \/>\nKilometer lt. Tacho: 70,2 km<br \/>\nKilometer ges: 75 km<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Heute ist der letzte Tag unserer Tour. Wir haben Tirol durchquert und nach der gestrigen Etappe die Brenta erreicht. Bereits auf meinem ersten Alpencross vor 11 Jahren habe ich diesen imposanten Gebirgszug besucht. Heute werden wir den ersten Teil der Etappe genau auf der Route von 1998 zur\u00fccklegen. 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