{"id":45,"date":"2006-07-25T08:24:45","date_gmt":"2006-07-25T06:24:45","guid":{"rendered":"http:\/\/www.schymik.de\/wordpress\/?p=45"},"modified":"2010-06-21T19:07:23","modified_gmt":"2010-06-21T18:07:23","slug":"tag-4-similaunhutte-martelltal","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.schymik.de\/wordpress\/tag-4-similaunhutte-martelltal\/","title":{"rendered":"Tag 4 Similaunh\u00fctte-Martelltal"},"content":{"rendered":"<p>Wir wachen fr\u00fch auf in unserem Notlager bei der Similaunh\u00fctte. Wir haben erstaunlich gut geschlafen auf einer H\u00f6he von 3.020 m. Auch das Fr\u00fchst\u00fcck bringen wir schnell hinter uns. Heute ist Downhill-Tag, uns erwarten in Summe \u00fcber 3.600 H\u00f6henmeter alpiner Singletrail. Bereits um 7.00 Uhr sitzen wir auf unseren Bikes. Der Weg hinab zum Vergnatt-Stausee liegt noch im Schatten.<br \/>\nBei den g\u00e4ngigen Transalp-\u00dcberg\u00e4ngen hat das Niederjoch den Ruf eines der schwierigsten Abfahrten zu besitzen. Auf nur einem Kilometer Strecke verliert man 500 H\u00f6henmeter. Es geht durch verblockten Granit, steile Felskaskaden und durch enge Kehren. Harry und ich sind diesen Trail schon einmal gefahren, Dave haben wir schon seit langem den Mund w\u00e4sserig gemacht. Wieder einmal spielen wir mit Felsen, den Treppen und den engen Kehren am Abgrund. Freude pur! Leider k\u00f6nnen wir unser Vorhaben, die komplette Abfahrt fehlerfrei auf dem Bike zu absolvieren nicht ganz umsetzen, da uns einige schwierige und ausgesetzte Stellen am Abgrund trotz aller Fahrk\u00fcnste zu gef\u00e4hrlich erscheinen.<br \/>\n<img decoding=\"async\" title=\"Niederjochabfahrt\" src=\"http:\/\/schymik.de\/ac06\/frax06_011_1.jpg\" alt=\"Niederjochabfahrt\" \/><br \/>\nS-4 Sektion am Niederjoch<br \/>\nHarry: &#8220;Ich brauche noch die ersten Meter, um mich einzufahren und warm zu werden. Doch schon nach der 4ten Kehre l\u00e4uft\u00b4s wie geschmiert. Gezieltes anbremsen, das Hinterrad versetzen und den Allerwertesten weit hinter den Sattel bringen f\u00fcr die verblockten, steilen  Felsabschnitte. 2 ausgesetzte Passagen verweigere ich dann, man muss ja nicht alles riskieren.&#8221;<\/p>\n<p>Schlie\u00dflich erreichen wir unter der beinahe senkrechten Wand den Schuttkegel und somit den einfacheren Trail im unteren Teil der Abfahrt. Bei einem Felsbrocken fange ich mir wegen eines Fahrfehlers einen Durchschlag am Hinterrad ein. Wenn man wie wir in diesem Gel\u00e4nde mit Reifendr\u00fccken um 1 bar unterwegs ist, sollte man doch allzu heftige Kanten am Hinterrad vermeiden. Beim Wechseln des Schlauches bemerke ich noch, das bei mir ein Speichennippel abgerissen ist. Ich tausche ihn  bei dieser Gelegenheit gleich mit aus.<br \/>\nNach der flowigen Trail-Abfahrt, die aber immer wieder mit fahrtechnischen Herausforderungen gespickt ist, erreichen wir schlie\u00dflich den Vergnattstausee.<br \/>\nHarry: &#8220;An Daves Dauergrinsen, das ihm wie ins Gesicht gemei\u00dfelt ist, kann man schnell erkennen, dass Carsten und ich ihm bei der Abfahrt vom Niederjoch nicht zuviel versprochen haben &#8221;<\/p>\n<p>Leider hat sich die Sonne so fr\u00fch am Morgen auf dem Trail erst gar nicht blicken lassen, ein klarer Nachteil, wenn  man so fr\u00fch unterwegs ist, zumindest hier. Wir legen die Protektoren ab und verstauen sie mit den inzwischen \u00fcberfl\u00fcssigen warmen Kleidungst\u00fccken im Rucksack. Weiter geht es auf der Stra\u00dfe den See entlang das Schnalstal hinauf. Im Gasthof Gerstgras kaufen wir noch ein paar Kleinigkeiten und f\u00fcllen unsere Trinkflaschen auf. Leider bleibt diese Rastm\u00f6glichkeit bis auf weiteres die einzige.<br \/>\nNun folgt die Fahrt auf der Stra\u00dfe Richtung Kurztas bis zum Koflerh\u00f6fe, wo wir in den Wanderweg Nr. 5 einbiegen. Ein ca. 2 m breiter Almweg f\u00fchrt \u00fcber grausig steile Rampen durch einen wundersch\u00f6nen, lichten L\u00e4rchenwald. Wir blicken zur\u00fcck auf das Skigebiet am Ende des Schnalstales w\u00e4hrend wir uns langsam nach oben arbeiten. Immer wieder kann gefahren werden, aber an einigen Rampen w\u00fcrde ich selbst mit Klickpedalen und einem leichteren Bike absteigen m\u00fcssen. Knapp \u00fcber der Baumgrenze wird die Landschaft noch mal flacher. Eine malerisch gelegene Alm befindet sich im Lagauntal, Pferde grasen auf der Weide, beinahe kitschig schl\u00e4ngelt sich ein Bach \u00fcber die satt gr\u00fcnen Wiesen.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" title=\"Aufstieg zum Tarschel J\u00f6chl\" src=\"http:\/\/schymik.de\/ac06\/frax06_012.jpg\" alt=\"Aufstieg zum Tarschel J\u00f6chl\" \/><br \/>\nAufstieg zum Tarschel J\u00f6chl<br \/>\nWir durchschreiten nun den Latscheng\u00fcrtel auf einem schmalen Trail, der das Schieben der Bikes erschwert. Wir stoppen immer wieder, verschnaufen und genie\u00dfen die gro\u00dfartige Landschaft und die absolute Einsamkeit an diesem fast unbekannten \u00dcbergang ins Vinschgau. Dann beginnt abermals ein heftiges Schiebe- und Tragest\u00fcck Richtung Tarschel J\u00f6chl. Wir haben die Latschenkiefern hinter uns gelassen, die Vegetation nimmt immer mehr ab und bald befinden wir uns wieder in einer trostlosen Ger\u00f6llw\u00fcste. Der Trail mit seinen unz\u00e4hligen engen Kehren ist dabei derart sch\u00f6n, dass es schmerzt hier hochschieben zu m\u00fcssen anstatt ihn runterzusurfen.<br \/>\nNochmals queren wir einen mit groben Brocken durchsetzten Bereich bis wir nach fast 800 H\u00f6henmetern schwei\u00dftreibender Schinderei endlich das Tarschel J\u00f6chl erreichen.<br \/>\nAuf dem Joch stehen die Reste der &#8216;alten&#8217; Heilbronner H\u00fctte, welche 1933 abbrannte. Ein kleiner Hinweis f\u00fcr alle die schon mal wie ich bei der Neuen Heilbronner H\u00fctte waren und sich verwundert fragten, wo denn nun die Alte abgeblieben sei.<br \/>\nWir blicken zur\u00fcck und k\u00f6nnen sogar die Similaunh\u00fctte auf dem Niederjoch am Horizont erkennen &#8211; hier waren wir nur wenige Stunden zuvor gestartet.<br \/>\nNun beginnt eine Freeride Abfahrt, die ihresgleichen sucht. Wenn man Spitzkehren mag, kann man hinunter ins Vischgau in einen wahren  Rausch kommen. Doch zun\u00e4chst erwartet uns eine verblockte Granitpassage, wo nochmals Konzentration und pr\u00e4zises Lenken gefordert sind. Ich warte kurz auf einer Anh\u00f6he vor der schwarzen Lacke um von Dave und Harry weiter unten Fotos zu machen.<br \/>\n<img decoding=\"async\" title=\"Abfahrt vom Tarschel J\u00f6chl\" src=\"http:\/\/schymik.de\/ac06\/frax06_013.jpg\" alt=\"Abfahrt vom Tarschel J\u00f6chl\" \/><br \/>\nFelssektionen am Tarschel J\u00f6chl<br \/>\nDer gew\u00f6lbte Talkessel wartet hier mit einem akustischen Ph\u00e4nomen auf. Obwohl ich die Beiden gar nicht sehe und sie einige hundert Meter von mir entfernt durch die Felsen trialen, h\u00f6re ich ihre Stimmen so laut und deutlich als bef\u00e4nden Sie sich direkt neben mir.<br \/>\n<img decoding=\"async\" title=\"zum Lago Negro\" src=\"http:\/\/schymik.de\/ac06\/frax06_014.jpg\" alt=\"zum Lago Negro\" \/><br \/>\nDownhill zum Lago Negro<br \/>\nNach einigen \u00e4u\u00dferst anspruchsvollen Felspassagen fahren wir schlie\u00dflich an der schwarzen Lacke vorbei Richtung Kortscher See. Hier wandelt sich der Charakter des Trails abermals. Erst fahren wir \u00fcber gro\u00dfe Slickrocks ab, um uns gleich darauf mitten in einem gro\u00dfen Schuttkegel wiederzufinden. Alles ist in Bewegung, ein Pfad ist kaum zu erkennen. Sandige lockere Abschnitte wechseln sich ab mit Bereichen voller lose geschichteter und wackeliger Platten.<br \/>\nDoch auch dieser Abschnitt ist mit den entsprechenden fahrtechnischen Kenntnissen machbar. Am See rutscht Harry im flachen Bereich an einer Felsplatte aus und springt vom Rad. Genau an dieser Stelle fahre ich mir gleich darauf meinen zweiten Platten des Tages ein, abermals ein Fahrfehler. Nach der Reparatur am Bergsee geht es weiter durch zahlreiche Serpentinen. Der Trail ist hier sehr schnell und fl\u00fcssig fahrbar.<br \/>\n<img decoding=\"async\" title=\"Abfahrt vom Tarschel J\u00f6chl\" src=\"http:\/\/schymik.de\/ac06\/frax06_015.jpg\" alt=\"Abfahrt vom Tarschel J\u00f6chl\" \/><br \/>\nAbfahrt vom Tarschel J\u00f6chl<\/p>\n<p>Nach der Querung eines Baches geht es weiter auf einem schmalen Wald- und Wurzelpfad am Hang entlang ins Tal. Schlie\u00dflich erreichen wir nach \u00fcber 800 H\u00f6henmetern Trail-Vergn\u00fcgens eine Schotterpiste und kehren wenig sp\u00e4ter in der Schranderser Alm ein. Mit  Brettljause, Speck, K\u00e4se und leckerem Holundersirup bek\u00e4mpfen wir den inzwischen m\u00e4chtigen Kohldampf. Um uns hoppeln (und poppen) Hasen, w\u00e4hrend sich einige H\u00fchner f\u00fcr unsere Bikes begeistern.<br \/>\nHarry: &#8220;Was war das bis jetzt f\u00fcr ein genialer Tag. \u00dcber 2200 H\u00f6henmeter auf Trails vernichtet, die ihresgleichen suchen. Da kam uns die urige Schlanderer Alm wie gerufen, ist sie doch auch die einzigste Einkerm\u00f6glichkeit \u00fcbers Tarschelj\u00f6chl.&#8221;<br \/>\nNach der Rast geht es auf  einer steilen Schotterpiste rasant ins Tal. Schnell sind 600 H\u00f6henmeter platt gemacht. Gerade noch entdecken wir den Abzweig in den Weg Nr.4. Wir stoppen kurz um die Protektoren wieder anzulegen, dann geht es durch den Kiefernwald hinab auf einer wahren Bremsteststrecke. Schlie\u00dflich biegen wir in einen Waalweg ein. Die Wege sind uralte offene Wasserleitungen, neben denen sich ein schmaler Pfad befindet, der fr\u00fcher zur Kontrolle und Reinigung der wichtigen Wasserleitungen diente. Auf Trails fahren wir ab bis in die  Ortsmitte von Schlanders.<br \/>\nDanach geht es weiter auf dem Radweg durchs Vinschgau bis Morter, wo wir nach einer Bushaltestelle suchen. W\u00e4hrend der kurzen Wartezeit wird die Hitze hier unten im Tal unertr\u00e4glich. Wir trinken noch kurz einen Kaffee in einer benachbarten Bar. Dann verladen wir die Bikes in den Linienbus. Die Busfahrt bis Martello ist schnell vor\u00fcber. W\u00e4hrend wir auf den Anschlu\u00df warten, der uns das Martelltal ganz hinauf fahren wird, flicke ich bei einem Bier meine zwei Schl\u00e4uche. W\u00e4hrend der weiteren Busfahrt machen wir Erkundigungen bez\u00fcglich unserer morgigen Wegplanung. Ein Wanderer mit Eispickel in der Hand traut uns die Route zu, ein Bergf\u00fchrer r\u00e4t uns jedoch ab. Er h\u00e4lt die \u00dcberschreitung des Langenferner Gletschers mit dem Bike zwar prinzipiell f\u00fcr machbar, aber ohne die entsprechende Ausr\u00fcstung f\u00fcr zu riskant.<br \/>\nBei unserer Ankunft im Gasthof Sch\u00f6nblick sind wir etwas verunsichert. W\u00e4hrend des Abendessens beginnt es heftig zu regnen. Lange sitzen wir \u00fcber den Landkarten und beratschlagen was zu tun ist und welche Routen wir alternativ nehmen k\u00f6nnten.<br \/>\nWas wird morgen?<br \/>\nAch so, da war noch was: meine Blasen. Die Blasenpflaster haben mir den Tag ertr\u00e4glich gemacht, auch wenn\u00b4s nicht wirklich so aus sieht:<br \/>\n<img decoding=\"async\" title=\"Balsen\" src=\"http:\/\/trailhunter.davedesign.de\/gallery\/data\/media\/186\/tag4.62_168.jpg\" alt=\"Balsen\" \/><br \/>\nBlasen im Endstadium<\/p>\n<p>Weiter zu <a title=\"Tag 5\" href=\"http:\/\/www.schymik.de\/wordpress\/\/?p=46\">Tag 5<\/a><br \/>\nAlle Fotos von <a title=\"Fotos Tag1\" href=\"http:\/\/www.schymik.de\/fotodb\/search.php?search_keywords=FRAX_06_04\">Tag 4<\/a><\/p>\n<p>Hier unser <a title=\"Karte\" href=\"http:\/\/home.arcor.de\/schymik\/FRAX_tag4.jpg\" target=\"_blank\">Streckenverlauf<\/a><\/p>\n<p>H\u00f6hendiagramm <a title=\"H\u00f6he\" href=\"http:\/\/schymik.de\/ac06\/HD_FRAX_Tag04_resize.jpg\">Tag 4<\/a><\/p>\n<p><strong>Strecke:<\/strong><br \/>\nSimilaunh\u00fctte<\/p>\n<p>Niederjoch<br \/>\nVergnatt<br \/>\nTarschelj\u00f6chl<br \/>\nSchlanders<br \/>\nMorter<br \/>\nMartelltal<br \/>\nGasthof Sch\u00f6nblick<\/p>\n<p><strong>\u00dcbernachtung:<\/strong><br \/>\n<a title=\"Sch\u00f6nblick\" href=\"http:\/\/www.gasthof-schoenblick.it\/\" target=\"_blank\">Gasthof Sch\u00f6nblick<\/a><\/p>\n<p>Tel. 0039\/473\/744776<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wir wachen fr\u00fch auf in unserem Notlager bei der Similaunh\u00fctte. 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