{"id":9,"date":"2005-08-01T20:01:38","date_gmt":"2005-08-01T18:01:38","guid":{"rendered":"http:\/\/www.schymik.de\/wordpress\/?p=9"},"modified":"2005-08-07T10:05:40","modified_gmt":"2005-08-07T08:05:40","slug":"k78einmal-anders","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.schymik.de\/wordpress\/k78einmal-anders\/","title":{"rendered":"K78&#8230;einmal anders"},"content":{"rendered":"<p align=\"center\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.schymik.de\/bilder\/sam.gif\" alt=\"SAM\" \/><\/p>\n<p>K78, das ist der h\u00e4rteste, der l\u00e4ngste und wohl auch ber\u00fchmteste Alpin-Marathon. Dort laufen von Davos aus tausende von L\u00e4ufern auf der unglaublichen Distanz von 78 km \u00fcber Filisur, Berg\u00fcn, Chants, die 2632 m hoch gelegene Keschh\u00fctte und dann \u00fcber den verwegenen, aussetzten und schmalen Panoramaweg hin\u00fcber zum 2606 m hoch gelegenen Scalettapass, um danach die letzten 1100 m hinab nach Davos \u00fcber teilweise widerlich verblockte Ger\u00f6llfelder zu absolvieren&#8230;<br \/>\nDie Siegzeit auf dieser Wahnsinnsdistanz betrug dieses Jahr knapp \u00fcber 6 h.<br \/>\nDa nicht jeder in der Lage ist diese Distanz  alleine zu bew\u00e4ltigen, wird zus\u00e4tzlich noch eine Marathon- und eine Halbmarathondistanz sowie ein Staffelrennen angeboten.<br \/>\nIch habe an letzterem teilgenommen. Ich bin hier gemeinsam mit 3 L\u00e4ufern vom <a href=\"http:\/\/www.lc-aalener-spion.de\"target=blank>Laufclub Aalener Spion<\/a> und einem Inliner. Es geht zun\u00e4chst von Davos aus mit dem Mountainbike hoch nach Monstein dann hinab nach Wiesen, nochmals den Berg hinauf um dann letztendlich in Alvenau an den Inliner Michael zu \u00fcbergeben. Dieser mu\u00df dann die Alula-Pa\u00dfstra\u00dfe hinauf bis Berg\u00fcn, wo der erste L\u00e4ufer Frank auf Ihn wartet. Der  mu\u00df die 1200 H\u00f6henmeter hinauf bis zur Keschh\u00fctte sprinten. Zwei weitere L\u00e4uferinen Christine und Claudia tragen das gelbe Band dann \u00fcber die Alp Funturauna, den Scalettapass  und den D\u00fcrrboden zur\u00fcck nach Davos. Im Stadion wird der Schlussl\u00e4ufer dann von einem gigantischen Publikum empfangen&#8230;<br \/>\nNun zu meinem Part: Ich finde mich also um halb acht morgens im Stadion von Davos ein und suche mir einen Platz unter den Startern.<br \/>\nDie Wolkendecke rei\u00dft auf, ein Sonnenstrahl beleuchtet das Starterfeld, aus den Lautsprechern klingt \u00e2\u20ac\u017eConquest of Paradise\u00e2\u20ac\u0153 und \u00fcber uns kreist der Hubschrauber des Schweizer Fernsehens&#8230;gigantisch..<br \/>\nDann der Startschuss, es geht gleich ordentlich zur Sache. Mit einem Schnitt von \u00fcber 40 km\/h geht es durch Davos. Ich habe auf dem Kurs, der vorrangig bergab geht mein schweres Enduro Bike dabei. Dennoch gelingt es mir an den ersten Anstiegen fast das gesamte Feld zu \u00fcberholen. Die ersten Abfahrten sind schnell, auf schmalen Pfaden werden Geschwindigkeiten von weit \u00fcber 40 km\/h erreicht. Immer wieder geht es auch streng bergauf.<br \/>\nDann der Downhill hinab zur alten Postkutschenstrecke. Lockerer Kies, tiefe Wasserrinnen enge Kehren&#8230;ich kann einige Fahrer \u00fcberholen, obwohl dazu kaum Platz ist.<br \/>\nIch zieh w\u00e4hrend der Fahrt die Sattelst\u00fctze wieder nach oben, 4 Fahrer kommen an mir vorbei, ich muss abrei\u00dfen lassen. Ein Fehler wie sich gleich darauf herausstellen sollte. Nach der n\u00e4chsten Kehre weht ein kr\u00e4ftiger Wind den Berg hinauf. Die 4 fahren Windschatten, keine Chance mehr heran zu kommen.<br \/>\n<img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.schymik.de\/bilder\/davos2.jpg\" alt=\"4er-Tross im Windschatten\" \/><br \/>\nAuf dem n\u00e4chsten Trail habe ich sie wieder eingeholt, sie blockieren mich, am n\u00e4chsten Berg nach dem Bahnhof Wiesen kommen sie wieder weg. Es es auf Teer hinauf, bis ein Streckenposten den Weg eine enge Treppe hinab weist. Er meint was von Absteigen, ein kurzer Griff an den Sattelschnellspanner, ohne aus dem Tritt zu kommen, Muskeln anspannen, ein kurzes inne halten, ein kr\u00e4ftiger Zug am Lenker, die Schl\u00fcsselstelle ist durch einen kurzen Drop gemeistert, dann geht es eine kniffelige Trailabfahrt runter, links und rechts von mir liegen gest\u00fcrzte Fahrer im Geb\u00fcsch, in einer Kehre f\u00e4hrt mein Vordermann gerade aus, ich gehe in den  Noseweehly, lasse das Hinterrad locker durch die Kurve schweben, weiter geht\u00e2\u20ac\u2122s&#8230;<br \/>\nEs folgt ein kurzer Gegenanstieg, dann Wege \u00fcber Wiesen und Almen. Ich fahre mit Tempo 50 eine Wiese hinab, unten beginnt ein Streckenposten hektisch mit den Armen zu wedeln, ich halte voll drauf, er br\u00fcllt, ich fahre weiter&#8230;wei\u00df der was in einer Hayes HFX 9 mit 203er Scheibe steckt? Scheinbar nicht. 15 m vor dem Posten hau ich die Bremse rein, fahre souver\u00e4n an ihm vorbei und weiter geht\u00e2\u20ac\u2122s auf dem Singletrail&#8230;und wieder fahre ich auf die 4er Gruppe von vorher auf. Auf den letzten Metern bis zur Wechselzone geht es flach durchs Tal, ich fahre gemeinsam mit meiner 4er Gruppe weiter. Ich \u00fcbergebe als 10ter der Gesamtwertung die  Startnummer und das gelbe Staffelband an den Inliner&#8230;er sprintet los&#8230;<\/p>\n<p>Ich bin erst mal platt, fahre gem\u00fctlich zum Campingplatz, esse etwas und packe meine Rucksack f\u00fcr\u00b4s n\u00e4chste Unternehmen. Wenn man schon einmal hier ist, den ganzen Tag Zeit hat und das Wetter stabil ist, mumm ich die Gelegenheit nutzen. 2002 habe ich bei der \u00dcberschreitung des Sertigpasses hinunter ins Val Ravais geblickt&#8230;dieses werde ich nun versuchen hinauf zu fahren.<br \/>\nIch folge der Rennstrecke der K78 L\u00e4ufer die direkt am Campingplatz in Filisur vorbei f\u00fchrt. Kurz bevor der Weg richtig zu steigen beginnt treffe ich die ersten L\u00e4ufer. Ich folge dem Pfad einige Kilometer, wechsle dann aber doch auf die Albula-Pa\u00dfstra\u00dfe, auf der die Inliner unterwegs sind. Kurz vor Berg\u00fcn windet diese sich steil in engen Serpentinen den Berg hinauf. Zum Gl\u00fcck muss ich hier nicht auf 8 oder 10 Rollen hoch.<br \/>\nIn Berg\u00fcn wartet ein gigantisches Publikum auf die Athleten. Ich komme kurz vor der Damenspitze an, schie\u00dfe ein paar Fotos und quetsche mich neben der Rennstrecke durch die Menschenmenge.<br \/>\nWeiter geht es zun\u00e4chst auf Teer, sp\u00e4ter dann auf einer Schotterstra\u00dfe in Richtung Chants. Ich bin vom Rennen heute morgen ziemlich platt und angesichts dessen, was ich noch vor habe lasse ich die L\u00e4ufer den Berg hoch an mir vorbei ziehen. In Chants angekommen hole ich mir an einem Brunnen frisches Quellwasser. Es ist hei\u00df, fast 30\u00b0C, und das auf knapp 2000 m. Ich biege ab ins Val Ravais und hoffe hier bis 2400m hoch fahren zu k\u00f6nnen&#8230;<br \/>\n<img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.schymik.de\/bilder\/ravais.jpg\" alt=\"Blick ins Val Ravais\" \/><br \/>\nZun\u00e4chst ist der Weg gut fahrbar wird aber bereits bei 2100 m steiler und einige Felspassagen erschweren das Vorankommen. Bei 2200 Metern ist heute Schlu\u00df f\u00fcr mich. Ich habe nicht mehr die Kraft das Bike die Steilpassagen, die Stufen die verblockten Abschnitte hinauf zu w\u00fcrgen. Ich fange an zu schieben, ich genie\u00dfe die absolute Einsamkeit in diesem wundersch\u00f6en Tal. Ich fotografiere ein paar schottische Hochlandrinder und schleppe mich vorw\u00e4rts. Irgendwann zwischen 2300 und 2400 m verspeise ich meinen letzten M\u00fcsliriegel\u00e2\u20ac\u00a6immer noch 350 H\u00f6henmeter bis zu Sertigpass. Die Sonne brennt unbarmherzig, ich bin fertig, als ich das 14 Kilo schwere Bike kurz vor den Lai de Ravais, den malerisch gelegen Seen im Tal ein St\u00fcck tragen muss. Endlich erblicke ich hoch \u00fcber mir den 2739 m hoch gelegenen Sertigpass. Ich stolpere wie ein Bergsteiger in der Todeszone vorw\u00e4rts, die Landschaft hat sich ver\u00e4ndert, Fels, Ger\u00f6ll, tundra\u00e4hnlicher Bewuchs s\u00e4umt den Weg, Wind kommt auf. Ich blicke auf den Pitz Kesch, der stark abgeapeterte Gletscher unterhalb des Gipfels scheint im fahlen grau\u00e2\u20ac\u00a6darunter die Keschh\u00fctte\u00e2\u20ac\u00a6hier kommen die L\u00e4ufer durch\u00e2\u20ac\u00a6<br \/>\n<img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.schymik.de\/bilder\/kesch.jpg\" alt=\"Blick auf den Pitz Kesch\" \/><br \/>\nIrgendwann erreiche ich v\u00f6llig ersch\u00f6pft den Sertigpass, ich schie\u00dfe ein paar Fotos, der Wind ist stark und kalt, von Davos her dr\u00fccken Wolken den Pass hinauf. \u00dcber den Wolken, dass mu\u00df die Freiheit\u00e2\u20ac\u00a6<br \/>\nDer Blick zur\u00fcck ins Val Ravais zeigt den Trail den ich hinauf gekommen bin als schmale braune Linie in den gr\u00fcnen Almwiesen\u00e2\u20ac\u00a6ein sch\u00f6ner Trail, aber zum hinab fahren.<br \/>\nNachdem ich einen Apfel  und ein T\u00fctchen Zucker verspeist habe kommt ein Wanderer vorbei. Er macht mit meiner Kamera ein paar Fotos von mir auf der Abfahrt. Dann beginnt er der Ritt nach Davos. Zun\u00e4chst \u00fcber verblocktes Ger\u00f6ll, Passagen bis S3, meist aber auf S2 Niveau. Sch\u00f6ne enge Spitzkehren, Felsstufen\u00e2\u20ac\u00a6eine Traumabfahrt. Ich tauche ein in die dichte Wolkendecke, aber bereits nach 15 m ist der Nebel vorbei und ich befinde mich unter dem grauen Schleier. Leider ist mein konditioneller Zustand sehr angeschlagen, dass ich diese Traumabfahrt nicht in vollen Z\u00fcgen genie\u00dfen kann. Bei 2197 m ist Schlu\u00df mit Singletrail. Eine Schotterpiste f\u00fchrt ins Tal. Ich la\u00df es laufen, dann pl\u00f6tzlich eine rote Linie quer zum Weg, Vollbremsung bei Tempo 40 ein Drift, Pling macht es\u00e2\u20ac\u00a6der Weidezaun ist durch. Gesp\u00fcrt habe ich ihn gar nicht\u00e2\u20ac\u00a6<br \/>\nAb sofort fahre ich vorsichtiger, achte auf die zahlreichen Weidez\u00e4une. In Sand angekommen fahre ich auf einem Trail auf der rechten Talseite vor bis Clavadel. Ein wundersch\u00f6ner Weg, der meist waagerecht am Hang entlang f\u00fchrt. Einige Gegenanstiege rauben mir die letzten Kr\u00e4fte. Irgendwann erreiche ich Davos, ich fahre v\u00f6llig benommen ins Stadion, wo gerade zahlreiche L\u00e4ufer das lang ersehnt Ziel erreichen. Mein erster Gedanke ist: Cola, Essen\u00e2\u20ac\u00a6 ich lasse das Rad fallen, taumle zu einem Stand und investiere erst mal in eine Bratwurst.<br \/>\nIrgendwann rapple ich mich auf, schlendere durchs Stadion, suche den Rest des Teams, als Claudia aus der Menge tritt, mich umarmt und mir die Medallie vom Swiss Alpin Masters umh\u00e4ngt\u00e2\u20ac\u00a6unsere Staffel hat den 18. Platz von insgesamt 79 Teams  gemacht\u00e2\u20ac\u00a6<br \/>\n<img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.schymik.de\/bilder\/team.jpg\" alt=\"die erfolgreiche Staffel\" \/><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.swissalpine.ch\/\"target=blank>Homepage swiss alpine masters<\/a><br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.bibchip.ch\/upload\/transfer\/TeamMixed.pdf\"target=blank>Ergebnisliste<\/a><br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.lc-aalener-spion.de\"target=blank>Laufclub Aalener Spion<\/a><br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.schymik.de\/Transalp\/aktuell\/davos_presse.jpg\"target=blank>Pressetext<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>K78, das ist der h\u00e4rteste, der l\u00e4ngste und wohl auch ber\u00fchmteste Alpin-Marathon. 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