Dolomitentour 2002

Tour 2: Bindelweg und Seiser Alm

Alta-Badia (St. Leonhard)
Arabba
Bindelweg
Canazei
Val Duron
Seiser Alm
Grödener Joch
Alta-Badia

Karte 2002
Karte 2002

Höhendiagramm Tour 1
Tour 2

Tag 1 Aufstieg zur Porta Vescovo

Am fünften Tag unseres Dolomitenurlaubes machen Rolf und ich uns auf den Weg zur Porta Vescovo, wollen dann über Canazei ins Val Duron und über die Seiser Alm zur Geislergruppe.

Zunächst fahren wir auf dem geschotterten Wanderweg über La Villa nach Corvara und dann auf der Straße auf den Passo Campolongo (1875 m). Von dort fahren wir auf einer steilen Schotterpiste hinab nach Arabba.

Vor dem Aufstieg zur Porta Vescovo haben alle gewarnt. Die Zeitschriften schreiben, man solle besser die Seilbahn für die 800 Höhenmeter benutzen - was für Weicheier denken wir - wir sollten uns täuschen.

Zwar ist auf der Karte ein Fahrweg eingezeichnet, aber dieser ist bald derart steil, das das Fahren gänzlich unmöglich ist. Der Weg verläuft auf einer abartig steilen Skipiste den Berg hinauf, dass wir die Bikes dort kaum hinauf geschoben bekommen. Trotz dass es gerade mal 10 Uhr morgens ist, ist die Hitze unerträglich und auf der  kahlen Skipiste finden wir kaum Schatten.

Erst an der Mittelstation wird der Weg etwas flacher, so dass wir größtenteils wieder fahren können. Dort entdecken wir dann auch den alternativen Aufstieg, welcher relativ flach auf Schotter von der Straße zum Passo Pordoi von Westen her zur Mittelstation führt. Dieser Aufstieg wäre auf jeden Fall die bessere Wahl gewesen. 

Schließlich erreichen wir die 2450 m hoch gelegene Porta Vescovo und uns eröffnet sich ein grandioser Ausblick auf den mächtigen Marmolata-Gletscher.
Wir fahren auf einem schmalen Trail hinab und gelangen schließlich auf den legendären Bindelweg... einem traumhaften Trail entlang der Südflanke des Hanges. Mit Blick auf die Marmolata und auf den Lago di Fedaia legen wir eine Vesperpause ein. Beim Betrachten meines Votec M6 Light entdecke ich dabei am Oberrohr, kurz hinter dem Steuerrohr einen Haar-Riss, mit dem ich auf Grund der Dreckablagerung wohl schon eine Weile unterwegs  sein muss. Da fährt man 6 Jahre lang pannenfrei durch die Alpen und hier in knapp 2300 m Höhe bei Traumwetter mit Blick auf die Marmolata bricht einem der Schrottbock unterm Hintern zusammen... klasse. Mit etwas flauem Gefühl im Magen fahren wir weiter. 

Wir begegnen auf dem gut ausgetretenen und komplett fahrbaren Weg unzähligen Gruppen und Schulklassen, die diesen Sonntag bei Traumwetter ebenfalls auf dem Bindelweg verbringen. Es kommt zu keinerlei Problemen und die Italiener freuen sich über uns Biker und applaudieren an allen Schmalstellen und Steilrampen, die wir mal bergauf, dann wieder bergab zu meistern haben. Eine Situation, die in Deutschland wohl undenkbar wäre.

Schließlich erreichen wir den Passo Pordoi. Über den Weg Nr. 627 fahren wir auf einen genialen Singletrail bis Pecol ab. Danach verschwindet der Trail im Wald und bietet ein Singletrailerlebnis der Extraklasse. Spitzkehre folgt auf Spitzkehre... gerade Stücke gibt es nicht dazwischen, einer engen kniffeligen Linkskurve folgt sofort eine nicht minder schwere rechts herum. Meine Stimmung steigt nach dem entdeckten Rahmenbruch von Kurve zur Kurve ins unermessliche. Leider hat Rolf mit seinem XL-Rahmen in den engen Kurven ziemlich zu kämpfen, so dass er meine Begeisterung für diesen Trail leider nicht teilen kann.

Aufstieg zur Porta Vescovo

Auf dem Bindelweg

Am Passo Pordoi

Als wir einen Kiesweg kreuzen, verlassen wir den Trail, fahren runter bis zu Passstraße und biegen nach einer Kehre ab ins Val de Antermont. Auf einem steilen Schotterweg erreichen wir schließlich Canazei. Dort erwarten uns ohrenbetäubender Straßenlärm und unerträgliche Hitze. Wir machen uns auf die Suche nach einem Radverleih, was allerdings völlig erfolglos verläuft. Nach einem kurzen Imbiss beschließen wir, es einen Ort weiter in Campitello zu versuchen. Auch dort hat der einzige Bikeverleih am Ort, außer dass er sonntags natürlich geschlossen hat, in seinem Schaufenster nur Schrott rum stehen. Da die Hitze auch hier unerträglich ist, beschließen wir trotz der fortgeschrittenen Stunde noch ins Val Duron aufzubrechen, zumal sich spätestens oben auf der Seiser Alm mehrere Übernachtungsmöglichkeiten befinden.

Dank des aus dem Tal heraus fließenden Baches ist die Luft im Val Duron angenehm kühl. Der Weg führt erst steil auf Beton und Asphalt, dann langsam steigend auf einem Schotterweg ins Tal hinauf. Der einzige Gasthof mit Übernachtungsmöglichkeit im Tal hat geschlossen, aber wir erfahren, dass das Haus Dialer auf jeden Fall geöffnet hat. Allerdings müssen wir hierfür noch über den Passo Duron, was ca. eine Stunde in Anspruch nimmt.

Der Weg bleibt bis ganz oben fahrbar, die Abgeschiedenheit dieses wunderschönen Tales ist Balsam für die Seele nach dem stressigen und quirligen Treiben in den Ortschaften.

Wir erreichen das Haus Dialer, ein Berghotel mit bestimmt 300 Betten. Dank der geringen Auslastung und der Vorsaison können wir den Übernachtungspreis inkl. Abendessen und Frühstück auf 30,-€ herunter handeln.

Was uns abends erwartete habe ich in den Alpen noch nie erlebt: Das beste und umfangreichste Abendessen der ganzen Alpen.

Ausgehungert wie wir waren futtern wir und zunächst durch Schinken und Salat, danach folgen Gnocci mit Tomatensoßen, dann abermals eine riesige Salatschüssel. Die Krönung sind aber die Schweinemedallions in Sahnesoße mit Bratkartoffeln. Allein dieser Hauptgang hätte uns vollständig satt gemacht. Als und danach die Wirtin noch ein Stück Kuchen bringen will, lehnen wir dankend ab und wandeln die Nachspeise in einen hausgemachten Schnaps um.

Zwei Biker am Nebentisch bekommen eine nie gesehene Portion Spagetti, müssen so um die 400 Gramm Nudeln sein. Begeistert von diesem reichhaltigen Essen bestellen wir dem Koch die besten Grüße. Er gesellt sich zu uns und spendiert zum Dank nochmals eine Runde vom Hausgebrannten. Vollgefressen rollen wir uns schließlich ins Bett...

Im Val Duron

Tag 2 Seiser Alm und Grödener Joch

Tja, der Rahmen ist hinüber. Die geplante Tour durch die Geislergruppe können wir so nicht riskieren. Die Etappen des Vortages (Abfahrt nach Canacei und Aufstieg ins Val Duron) konnten wir nur durchführen, da einerseits eine Straße in der Nähe war und andererseits der Aufstieg auf einem Weg stattfand, der den Rahmen kaum belastete. Wir beschließen also für heute den Rückweg nach Alta Badia anzutreten. Der Weg führt uns über Schotterwege über die Seiser Alm nach Wolkenstein und dann über das Grödener Joch zurück nach Corvara und Alta Badia.

Kurz vor dem Aufbruch braut sich ein gewaltiges Gewitter auf. Glücklicherweise können wir dieses von drinnen aus in aller Ruhe abwarten. Wir beobachten eine Gruppe Wanderer, die bei waagerechtem Regen, Hagel und Sturm versuchen die Hütte zu erreichen. 

Nach ca. 2 Stunden hört der Regen auf und die Wege sind soweit abgetrocknet, dass eine halbwegs vernünftige Abfahrt möglich ist. Wir nutzen absichtlich nur Schotterwege, um die vom Regen völlig aufgeweichten Trails nicht zu beschädigen und gelangen nach einiger Zeit nach Wolkenstein. In einem Supermarkt decken wir uns mit Brot und frischer Wust ein und nehmen gegen Mittag bei mittlerweile strahlendem Sonnenschein ein kurzes Vesper ein.

Blick auf den Plattkofel

In Plan schneiden wir die erste Kehre der Passstraße auf einem Wanderweg ab und setzen den Aufstieg bei Plan de Gralba auf der Straße fort. Der Aufstieg ist einfach und problemlos, so dass wir nach einigen kurzen Fotopausen schließlich das Grödener Joch erreichen.

Dort folgen wir dem am Hand entlang verlaufenden Singletrail in Richtung Uita Forceles. Der Weg ist in den fahrbaren Abschnitten traumhaft, verlangt aber an den verwurzelten, verblockten Stellen sowie einigen Steilstücken einiges an Fahrkönnen und Kondition. Wir fahren so etwa eine halbe Stunde am Hang entlang bis uns ab der Uita Forceles ein steil abfallender Schotterweg zur Uita Edelweis und nach Kolfuschg führt.

Über Pescosta gelangen wir schließlich nach Corvara. Das Wetter verschlechtert sich wieder zusehends, so dass wir die letzten Kilometer über La Villa bis nach Alta Badia unter Vollgas zurücklegen. Kurz vor unserem Ziel beginnt es heftig zu regnen. Im offenen Carport eines Hotes stellt sich Rolf unter, ich lasse meinen Rucksack zurück und hole das Auto. Halbwegs im Trockenen können wir uns umziehen und die Bikes verstauen.

In der Tourist-Info erkundigen wir uns nach dem Wetterbericht für die nächsten Tage und beschließen, da dieser weiterhin Regen vorhersagt, noch heute die Heimreise anzutreten.

  Fazit: Traumhafte Tour, allerdings sollte man den Aufstieg zur Porta Vescovo wirklich anders probieren. Das Val Duron beeindruckt mit Abgeschiedenheit und die Seiser Alm bietet mit einem dichten Wegenetz sicher noch einiges mehr, als das Gesehene...

  Nachspiel: Ich habe von VOTEC innerhalb von nur 12 Tagen einen neuen Rahmen auf Garantie bekommen...

Trail am Grödener Joch

Tour 1: Fanesalm und Col de Lana

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Auf den Spuren des Ersten Weltkrieges am Lagazuoi

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