Montag, Achter Tag

Die großen Festungen

Dave:
"Ich muss nach sechs Stunden Schlaf mal wieder früher raus, um am Bike zu werkeln. Über die Feuerleiter stehle ich mich aus dem Hotel und hole das Entlüftungskit aus dem Auto. Die hintere Scheibenbremse hatte die letzten Tage so viel Luft gezogen, dass ich den Hebel bis zum Lenker durchziehen konnte. Bei den Abfahrten musste ich immer darauf achten zu Pumpen. Plötzliche, unerwartete Bremsmanöver waren nicht möglich. Dummerweise fehlt der passende Adapter für die alte Louise 2000! Ich träufele dafür ein wenig Öl in den Ausgleichbehälter. OK, es ist ein wenig besser. Jetzt greift die Bremse noch kurz vorm Anschlag am Lenker."

Nach einem reichhaltigen Frühstücksbüffet brechen wir auf. Dave ist hundemüde und hat sich bis zum letzten Moment noch auf eine Bank vor dem Hotel langgemacht. Wir beschließen das Forte Luserna auszulassen. Micha und André waren am Tag zuvor zum Filmen dort. Doch wir haben heute noch das Forte Cherle und den Monte Maggio vor uns und wollen am Abend auf dem Pasubio ankommen.
Zudem soll sich die Hochebene um Lavarone nicht viel anders gestalten als die vom letzten Tag. Wir folgen den Trails und noch vor dem ersten richtigen Anstieg machen wir 500 Höhenmeter. Es geht immer nur auf und ab.

Dave:
"Wir freuen uns über die grünen Markierungen der Transalp Challenge. Die Orientierung wäre ohne die Pfeile ansonsten nicht so einfach gewesen. So aber nehmen wir ohne weiteres die schönsten Pfade mit."

Die Landschaft und die Trails sind genial. Hier verschenken wir gerne ein bißchen Zeit.
Gegen Mittag erreichen wir dann das Forte Cherle. Die begehbare Festung ist wesentlich besser erhalten als das Forte Busa Verle. Lange Gänge und Tunnel gibt es im Inneren, deren Erforschung nur unser knapp bemessener Zeitrahmen entgegen steht. Dave verschwindet für eine Weile in den Gängen. Ich selber fahre mit dem Rad herum und von hinten nach oben rauf.

Carsten:
"Hier sollte man eigentlich etwas mehr Zeit haben, um die dunklen und feuchten Gänge des Forts zu erkunden. Wir laufen durch einige Tunnels und erklimmen die Festung von hinten."

Wir essen eine Kleinigkeit und machen uns dann weiter in Richtung Passo Coe.
Kurz nach dem Forte Cherle geht der Wanderweg E5 steile Holztreppen hinauf. Wir versuchen diese über die Straße zu umgehen und finden dann jedoch den in der Karte eingezeichneten Fahrweg nicht, der Parallel zum E5 gehen soll. Ein Stück schieben wir eine Skipiste hinauf, dann erreichen wir wieder einen Schotterweg, der uns bis zum Passo Coe führt.
Das Wetter ist noch schön. Doch der immer wieder aufkommende böige Wind und die Wolken lassen erahnen, dass heute noch Einiges passieren kann.
Ab dem Passo Coe sind wir wieder auf dem E5. Er ist vollkommen fahrbar bis zum Monte Maggio. Auf jeden Fall ohne Rucksack. Dave fährt alles durch, wir anderen steigen teilweise an den stark verblockten Stellen ab. Immerhin geht es bergauf.
Schließlich führt der Wanderweg auf einen Schotterweg mit dicken Steinplatten darin, der bis auf den Gipfel führt.

Carsten:
"Alle fahren hier hinauf und ich schiebe wieder einmal. Bei meinem Bike fehlen mir einfach die Gänge für derartige Steigungen...na egal, es ist der vorletzte Anstieg dieser Alpenüberquerung..."

Kaum haben wir dieses erreicht umschließt uns dicker Nebel. Die Luftfeuchtigkeit hat die Charakteristik eines römischen Dampfbades. Einen Moment reißt der Nebel dann doch noch auf, um Minuten später wieder alles in sich einzuschließen.

Die Abfahrt vom Monte Maggio gilt als eine der schwierigsten. Zudem behindert durch Rucksack und Kamera kommen wir nicht gerade schnell vorwärts. Immer wieder filme ich verschiedene Passagen. Dann fahren wir ein ganzes Stück. Der Trail ist der Wahnsinn! Bis auf einige sehr enge Spitzkehren und wenige Schlüsselstellen finde ich ihn gut fahrbar. Der Abgrund direkt neben mir stört mich nicht weiter. Ansonsten sehe ich durch den Nebel sowieso nicht wie tief es da hinab geht.

Carsten:
"Der Trail ist einer der schönsten, den ich je gefahren bin. Ich denke nur, dass man hier mit einem gescheiten Bike richtig Spaß hätte. Dennoch ist der Trail komplett fahrbar..."

Im unteren Teil des Weges kommt auf einmal die Sonne raus. Es geht weiter abwärts, bis wir den alten Lastwagen erreichen, der hier mitten im Trail an der Ruine eines Hauses steht. Ein Zeichen dafür was aus Wegen im Laufe der Zeit passiert. Das große Geheimnis, wie der Lastwagen hier her kommt, ist nicht anders zu erklären.

Nach dem Lastwagen ist der Weg breiter, doch nicht viel weniger steil. Der Weg ist übersät mit faustgroßen Steinen. Wir hoppeln geradezu darüber. Hinter uns fliegen sie in die Höhe.
Unten angekommen sehen wir die Malga Borcola. Es ist ratsam hier noch eine Kleinigkeit zu essen. In dem Tal, in das wir nun fahren gibt es nichts bis zu dem Abzweig auf den Pasubio.
Kaum haben wir gegessen wird der Wind zum Sturm. Die ersten dicken Regentropfen fallen. Innerhalb von fünf Minuten sind wir auf dem Passo della Borcola und fahren die Straße ab. Der Regen wird dichter.
Wir ziehen die Regensachen an und decken die Rucksäcke ab. Dann rollen wir weiter abwärts, bis auf 600 Meter über dem Meer. Im Regen geht es zum Anstieg über 1.330 Höhenmeter erwarten uns.
Zum Glück hört der Regen kurze Zeit später auf. Die Luftfeuchtigkeit bleibt aber extrem. Die Teerstraße ist mit einem gleichmäßigen Tritt zu fahren und wir kommen schnell vorwärts. Am Colle Xomo erreichen wir die erste Einkehrmöglichkeit. Da wir danach immer noch 900 Höhenmeter vor uns haben, beschließen wir noch mal eine Portion Nudeln zu verdrücken. Die Entscheidung sollte richtig sein. Die Bewirtung ist nett, die Portionen groß genug für uns ausgehungerte Biker und wir können telefonisch am Rifugio Papa wegen der Übernachtung fragen. Bis 22 Uhr müssen wir oben sein. Das sollte kein Problem für uns sein. Das sind noch mehr als drei Stunden.
Bis zum Boch.la Campiglia, an dem die Strada del Galleria abgeht, ist der Weg geteert. Dann geht es auf Schotter weiter. Erst ein langes gerades Stück, dann die Serpentinen. Ich habe sie nicht gezählt. Das ganze erinnert irgendwie an die Schotterpisten des Tremalzos.
Nach den Serpentinen heißt es dann wieder Strecke machen. Die Steigung wird jedoch nicht geringer.

Carsten:
"Der Anstieg will nicht enden, die ganze Szenerie ist in eine gewittrige, nebelverhangene Stimmung getaucht. Zum Glück wird es mit jedem Meter den wir höher kommen etwas kühler und somit erträglicher..."

Es sieht unheimlich aus um uns. Neben dem Weg geht es mehrere hundert Meter steil hinab. Einige Felsnadeln strecken sich uns aus der Tiefe entgegen. Der Weg, auf dem wir uns befinden ist in den Stein gesprengt. Wir kommen an Bunkeranlagen vorbei. Tausende sind auf dem Pasubio während der Kämpfe des Ersten Weltkrieges gestorben.

Wieder haben wir Nebel. Wieder kommen wir bei Sonnenuntergang am Quartier an und hoffen zu dieser Zeit noch ein paar Nudeln vor dem Schlafengehen zu bekommen. Der Hüttenwirt ist super freundlich. Die Nudeln sind eine Wucht. Danach gibt es noch Apfelstrudel, dann ab ins Matratzenlager.

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