Tag 6 Val Zebru-Livigno

Das Matratzenlager im Rifugio Campo ist echt urgemütlich. Ein flacher Raum unter dem Dach der urigen Blockhütte ist mit Matratzen ausgelegt und eine steile schmale Stiege führt nach oben. Nur ein kleines Fenster lässt Luft in den Raum und die Sonne des gestrigen Tages hat alles aufgeheizt. Ich liege nur mit einer kurzen Hose bekleidet auf meinem Hüttenschlafsack und schwitze wie in der Sauna. Irgendwie hat mein linker Daumen bei meinem Sprung ins Geröll unterhalb der Casati Hütte doch etwas abbekommen. Er schmerzt nun auf jeden Fall.
Eigentlich hätten wir unsere Tour schon heute in Bormio beenden können, haben wir doch alles erreicht, was wir uns vorgenommen hatten und jeden Tag bei besten Wetterbdingungen einen Volltreffer gelandet. Ab jetzt beginnt der gemütliche Teil der Tour.
Nach dem Frühstück fahren wir auf der Schotterpiste hinab nach Valfurva. Zunächst machen die Serpentinen Spaß, aber ich kann wegen meinem schmerzenden Daumen nicht so schnell fahren, wie ich es gerne täte. Dann beginnt eine Straße. Am Ende schmerzt die Tatsache noch mehr hier sinnlos Höhenmeter auf Asphalt zu vernichten. Dazu kommt, dass sich die Reifen mit dem geringen Luftdruck in der Kurve grausig anfühlen. In Valfurva finde ich gleich am Dorfplatz eine Apotheke, wo ich einen elastischen Verband kaufen kann. Jetzt kann ich den Daumen mit einem Salbenverband versehen und problemlos weiterfahren.
In Bormio steuern wir direkt die Talstation von Bormio 3000 an. Mit der Seilbahn geht es nach oben. Leider haben wir es versäumt, hier vorab nach einer anständigen Abfahrt zu recherchieren. Ich hatte die Seilbahngeschichte eigentlich ganz verdrängt, da sie nicht direkt auf unserer geplanten Route liegt und erst gar keinen Kartenausschnitt von dem Berg eingepackt. Es sollte sich mal wieder bewahrheiten, das schlampige Vorbereitung auf einer Mountainbiketour selten zum Erfolg führt.
Wir fahren also mit der Seilbahn nach oben und stehen bald darauf auf einer riesigen Skipiste. Irgendwie haben die hier den ganzen Berg platt gewalzt. Trails gibt es in Richtung Bormio keine, dafür fahren wir durch eine 200 Meter breite Geröllwüste. Wenigstens ist das Panorama hier oben echt sehenswert. Wir blicken noch mal zurück zur Casatihütte, zum Gipfel des Cevedale und zum Ortler. Im Nordwesten erblicken wir unseren weiteren Wegverlauf zum Lago Cancano und nach Livigno.

Bormio 3000

Geröllwüste im Bormio 3000 Skigebiet
Nach einer völlig sinnlosen Höhenmetervernichtung auf Skipisten und Schotterwegen erreichen wir schließlich wieder Bormio. Wir kaufen in einem kleinen Alimentari Brot, Käse, Mortadella und Salami und rasten auf dem Platz vor einer großen Kirche.
Ab hier beginnt quasi ein fast klassischer Alpencross-Tag für uns. Es gibt keine stundenlangen Tragepassagen, keine unbekannten Übergänge und keine halsbrecherischen Abfahrten mehr. Also geht es die Serpentinen in Richtung Torri di Fraele hinauf.
Harry: „Carsten und Dave sind mir gleich davongefahren. Ich kämpfte mich im Schattenlosen Hang durch die Brut Hitze. Als ich 1/3 des Schlussanstiegs zu den Torri di Fraele hinter mir hatte habe ich einen Jeep gestoppt, der mir den Rest des Aufstiegs ersparte. Als Belohnung bekam ich noch eine Schale, gefüllt mit leckeren Himbeeren gereicht. Bei den Torri di Fraele hat Carsten nicht schlecht gestaunt, als er mich noch vor Dave erblickte.
Es kam noch eine Gruppe von 4 Bikern dazu. Irgendwie kam mir einer davon bekannt vor. Jener fragte uns noch, ob wir Schwaben wären. Ich sagte: “Ja, und Ihr kommt sicherlich von Pforzheim und Umgebung.“ Grosses Erstaunen war in Ihren Gesichtern. Dann machte ich weiter: „Und du staunst gleich noch mehr … denn du kommst aus Wiernsheim.“ Als ich noch seinen Namen sagte waren alle platt.
Ich kannte die Truppe vom Internet (www.biketreff-niefern.de) und komme doch selbst noch aus Wiernsheim.“

Serpentine hoch zu den Torri di Fraele
Die Sonne brennt unbarmherzig auf den schattenlosen Weg. Mein Thermometer am Tacho zeigt 39°C. Dave und ich kurbeln die 650 Höhenmeter schnell hinauf und just als ich die Torri di Fraele erreiche hält ein Jeep an. Und wer steigt aus? Harry, freudestrahlend, hat er sich so doch einige der schweißtreibenden Höhenmeter erspart.
Taxi
Harry und sein Taxi
Nach einer kurzen Rast fahren wir weiter in Richtung Lago di Cancano. Meine Trinkflaschen sind leer und ich habe Durst. Weiter geht es entlang des Südufers bis zum Rifugio San Giacomo. Wir kaufen uns Radler und faulenzen ein wenig im Liegestuhl.
Pause
Pause am Lago di Cancano
Der Schotterweg in Richtung Trela Alm ist steil und irgendwie hat das Radler das letzte bisschen Kraft aus unseren Beinen gesaugt
Dave: „Während wir den Weg hochkurbeln kommt uns auf einmal ein Biker entgegen. In einer recht weiten, völlig unspektakulären Schotterkurve schießt er an uns vorbei … und stößt laut ein selbstbewusstes „Yeaaaah!“ hervor. Wir sind beeindruckt … genauso wie seine Freundin, welche kopfschüttelnd hinter ihm herfährt. Dafür hat Harry nun einen neuen Kampfruf!. ;-)“
Nach der steilen Passage führt der Weg kurz durch eine enge Schlucht. Bald darauf öffnet sich das Tal und mitten auf einer großen Wiese steht die Trela Alm. Inzwischen ziehen wieder einmal Wolken auf. Den Trail zum Trela Pass legen wir schon im Schatten der Wolken zurück. Der Weg ist größtenteils fahrbar und führt durch welliges Gelände hinauf zum Pass. Kurz bevor wir diesen erreichen beginnt es zu tröpfeln. Kaum auf dem Trela Pass angekommen, beginnt ein Wolkenbruch. Schnell sind die Regenjacken übergezogen. Die schnelle und flowige Trailabfahrt absolvieren wir im Schlamm, der sich hier sofort bildet, wenn Regen auf den erdigen Boden fällt. So schnell wie der Regenschauer gekommen ist, hört er jedoch auch wieder auf. Kurz nach der Baita della Gera scheint bereits wieder die Sonne und wir beginnen zu schwitzen. Im Val Pila wechseln wir die Bachseite. Ein kurzer Gegenanstieg zwingt uns hier nochmals aus dem Sattel. Danach folgt eine rasante mit Sprüngen und Anliegern gewürzte Abfahrt hinunter zum Lago Livigno. Hier können wir endlich unsere eigentlich für den Trelapass geplante Vesperpause nachholen. Nach der Abfahrt im Schlamm sehen wir aus wie durch den Kakao gezogen.
Nach kurzer Hotelsuche in Livingo beziehen wir Quartier. In einem 3 Sterne Hotel können wir ein Zimmer mit Habpension für 55,-EUR inkl. Viergänge-Menü ergattern. Nach dem Waschen der Kleidung im Waschbecken des Badezimmers genießen wir das reichhaltige Abendessen und lassen den Tag bei einem Glas guten Wein ausklingen.
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Alle Fotos von Tag 6

Hier unser Streckenverlauf

Höhendiagramm Tag 6

Strecke:

Val Zebru

Valchava

Bormio

Bormio 3000

Bormio

Torri di Fraele

Lago di Cancano

S. Giacomo

Passo Trela

Livigno

Übernachtung:

Hotel in Livigno

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