Tag 7 Im Nebel

Simplonpass – Bistinepass – Nanztal – Gibidumpass – Stalden – Täsch

Es hat aufgehört zu regnen. Dennoch ist der Himmel von Wolken bedeckt. Kurz erblicken wir beim Frühstück den Weg hinauf auf den Salfischpass. Bald darauf ist die ganze Umgebung wieder in dichten Nebel gehüllt…

Zunächst bewältigen wir ein 500 Höhenmeter langes Schiebestück. Von der Bergwelt rund um uns herum sehen wir nichts, alles ist in dichten Nebel getaucht. Dazu weht ein kalter Wind, 6°C zeigt das Thermometer. Zum Glück steigen wir auf und müssen so nicht frieren.

Wir erreichen den Pass. Kurze Sichtung der Lage. Es gibt hier zwei Möglichkeiten zum Gibidumpass zu gelangen. Eine direkte Abfahrt ins Tal und gegenüber auf Schotter wieder hoch. Alternativ führt ein Höhenweg nach kurzer Abfahrt ins Tal hinein und auf der anderen Talseite wieder heraus. Das Wetter hält, wir beschließen auf dem Höhenweg zu bleiben. Kaum fahren wir los, reißt es auf, wir sehen den Weg der sich oberhalb des ganzen Nanztals entlang zieht. Sogar die Sonne scheint kurz, beleuchtet die Szenerie.

Der Höhenweg ist zunächst fahrbar, dann folgt ein kurzes Schiebestück bergauf. Nach einem sehr schönen Teilstück biegt der Weg nach rechts ab und es folgt eine steile Abfahrt zum Talschluss. Leider ist der Weg sehr schmal, der Fels ist nass und rutschig. Hier müssen wir sogar einige Meter bergab schieben. Es folgt nochmals ein steiles Schiebestück, dann befinden wir uns direkt unterhalb des Gamsagletschers. Hier ist der Beginn der Wasserleitung. Seit über 1000 Jahren führt die Suone Heida Wasser aus dem Nanztal über den Gibidumpass auf die trockenen Weiden von Visperterminen. Das erste Stück ist schwer zu fahren und teilweise sehr ausgesetzt. Die Suone ist frisch renoviert worden, die Spuren der erst kürzlich vollendeten Arbeiten sind noch deutlich zu erkennen. Fortan fällt der Weg leicht. Schnelle Abschnitte wechseln sich immer wieder ab mit ausgesetzte Passagen. Dann wieder kurze technische Abschnitte. Unter einem Felsvorsprung steht eine ganze Herde Ziegen. Wir machen Bilder. Als Michael auf die geländegängigen Tiere zufährt, flüchten sie den steilen Hang hinauf. Es geht weiter, der Weg wird einfacher und flowiger. An einer Steilwand zwingt uns eine glitschige Bretterpassage zum Schieben. Das Risiko hier in den gähnenden Abgrund zu stürzen ist einfach zu hoch.

Der Höhenweg und zurück auf den Weg entlang alter Suone zum Gibidumpass ist ab hier ein absoluter Fowtrail. Wir fahren schnell und haben viel Spaß. Am Passa angekommen orientieren wir uns kurz, es geht nach Süden am Hang entlang. Zunächst auf wunderschönen Trails bergab, dann wieder über giftig steile Rampen hinauf. Die Bergwälder mit uralten Kiefernbeständen sind eine Augenweide. Wir erblicken gegenüber den Augstbordpass, den ich letztes Jahr mit dem Bike überquert habe. Bei Sädolti haben wir endlich den höchsten Punkt erreicht, nun folgt die schnelle und spaßige Abfahrt nach Gspon. Wir legen eine kurze Rast mit Rösti bei Mosji ein. Nach dem dürftigen Frühstück und viereinhalb Stunden im Sattel wurde es hierfür allerhöchste Zeit. Ab hier führt ein breiter Wirtschaftsweg ins Tal. Schnell ist jedoch ein Abzweig gefunden und wir fahren durch den Wald und über Almwiesen auf Trails bis hinab nach Stalden. Inzwischen hat es leicht zu regnen angefangen. Die Wiesen sind nass, im Wald ist der Boden meist noch trocken und wir können die Abfahrt auf dem teilweise sehr anspruchsvollen und steilen Trail noch voll genießen.

In Stalden angekommen folgen wir zunächst der Straße nach St. Niklaus. Hierzu gibt es nicht viel zu sagen, außer dass das keinen Spaß macht im Nieselregen bei starkem Verkehr durchs Tal zu fahren. Leider gibt es erst ab St. Niklaus einen parallel verlaufenden Radweg. Unseren ursprünglichen Plan hier nach Grächen hinauf zu fahren, um auf den Europaweg zu gelangen können wir bei dem jetzt immer stärker werdenden Regen natürlich vergessen. Was bringt ein Panoramaweg, wenn das Panorama in den Wolken verschwunden ist? Zudem ist diese hochalpine Etappe bei schlechtem Wetter sicher alles Andere als angenehm. Wir fahren daher lieber auf Bikeroute durchs Mattertal bis Täsch. Ich habe den Track vom Vorjahr zum Glück noch auf dem GPS-Gerät, so dass die Navigation ein Kinderspiel ist. Die Bikeroute führt über Trails und Schotterwege immer wieder auf und ab bis nach Täsch. Doch bevor wir den Ort erreichen blockiert ein weggeschwemmter Weg die Weiterfahrt. Oben auf den Bergen muss es heute Nacht stark geregnet haben. Wie gut, dass wir unten im Tal geblieben sind. Wir überwinden das Hindernis durch eine Kletterpartie hoch zu den Bahngleisen. Von dort gelangen wir auf die Straße und können den reißenden Strom auf der Brücke sicher überqueren. Im Bachbett steht gerade ein Bagger und beseitigt einige Felsbrocken. Nach einem Stück auf der Straße wechseln wir wieder auf den Radweg. Wenig später erreichen wir Täsch im Regen. Wir sind durchgefroren und ziemlich ausgelaugt. Es herrscht bedeckte Stimmung. Sieht so die Ankunft nach 7 Tagen Alpencross aus? Hier im Siff stehen und nichts zu sehen von den Bergen rund um uns herum? Das kann nicht sein.

Wir beschließen in Täsch zu bleiben und erst morgen nach Zermatt, unserem eigentlichen Ziel weiter zu fahren. Der Versuch auf dem Campingplatz im Matratzenlager für 10,-Franken pro Nacht unter zu kommen scheitert leider an dem Umstand, dass wir keine Schlafsäcke dabei haben. Wir checken daher im etwas teureren aber durchaus besser ausgestatteten Bead and Breakfast Hotel „Welcome Hotel“ ein. Hier gibt es richtige Betten, eine warme Dusche und einen abschließbaren Fahrradkeller, was will man mehr.

Wir beenden den Tag bei einem Pizzaessen im Best Western. Gut hat´s geschmeckt.

Fazit Tag 7:

Nach dem vernebelten Aufstieg haben wir im Nanztal eine sowohl landschaftlich als auch kulturhistorisches und fahrtechnisches Highlight besuchen dürfen. Die Abfahrt nach Stalden war ein echter Leckerbissen. Das Fahren auf der Straße bei regnerischem Wetter nach Täsch war dagegen kein Zuckerschlecken. Gänzlich indiskutabel wäre es gewesen, die Tour heute so enden zu lassen. Bleibt die Hoffnung auf den morgigen Tag.

Bilder:

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GPS:

Track und Höhendiagramm bei GPSies.com

Unterkunft:

Welcome Hotel in Täsch

Kantonsstrasse
CH-3929 Täsch – Switzerland
Tel: +41 27 967 60 67
Fax: +41 27 967 60 68
www.welcomehoteltaesch.ch
welcomehotel@taesch.ch

Statistik Tag 7:

1700 Höhenmeter
davon 200 Höhenmeter getragen und geschoben
57 km
6:20 h Fahrzeit
10:40 h unterwegs

Karten:

Kümmerly + Frey Wanderkarte 24, Zermatt – Saas Fee – Grächen – Visp – Simplon

Kompass Wanderkarte 117, Zermatt – Saas Fee