Transtirol Tag 1…nebulös und feucht

Ich traue meinen Augen kaum: plötzlich reißt es auf und wir sehen heute zum ersten Mal blauen Himmel über uns. Gerade noch wenige Minuten zuvor hatte es stark angefangen zu regnen, Donner grollte über unseren Köpfen und von der schönen Bergwelt um uns herum war nichts zu sehen. Jetzt herrscht Sonnenschein und die letzten Nebelfetzen geben den Blick auf die beeindruckende Ochsenwand hinter der Kemater Alm frei. Eben hatte ich noch befürchtet, die Tour heute hier beenden zu müssen, aber jetzt steht der Weiterfahrt hinauf bis zur Adolf Pichler Hütte nichts mehr im Wege.transtirol_09_01_11
Begonnen hat der heutige Tag bereits um fünf Uhr in der Früh. Zdenek hat sich bereit erklärt uns 5 Alpencrosser mit seinem Wohnmobil bis nach Scharnitz zu fahren. So sitzen Klaus, Frank, Günter, Michael und ich im gemütlichen im Heck des Fahrzeuges. Draußen prasselt erheblicher Regen auf uns nieder. Daher sind wir ziemlich desillusioniert und etwas geringer motiviert als sonst beim Start zu einem Alpencross. Alternativen wie Kiste Bier kaufen und …werden andiskutiert.
Schließlich erreichen wir gegen neun Uhr den Parkplatz in Scharnitz. Die Regenmengen erscheinen erträglich, von den beeindruckenden Bergen  mit Blick auf die Kalksteinwände des Karwendels ist natürlich keine Rede. Daher beschließen wir auch gleich den Aufstieg zum erstem Ziel, dem Solsteinhaus, auf den einfacheren Weg über die Kristenalm zu verlegen, statt die Variante über die Eppzirler Scharte, die uns wesentlich weiter nach oben führen würde, zu wagen.
Nach dem Anlegen aller vorhandenen Schutzsysteme gegen Eindringen von Wasser bis an den Körper geht es los. Gamaschen, Regenhosen und sogar Plastiktüten kommen zum Einsatz.
Aber bereits nach wenigen Kilometern absolvierter Strecke wird es uns allen zu warm. Also wieder weg mit den Regenklamotten und ab in den Rucksack damit. Locker geht es auf Schotter aufwärts bis zur Kristenalm. Danach ist aber bald Schluss mit Fahren und die Bikes müssen auf einem Trail nach oben geschoben werden. Regnen tut es schon lange nicht mehr, dafür ist es feucht und nebelig. Dann wird es steiler, daher ist es bequemer die Bikes zu tragen.transtirol_09_01_10 Wir gewöhnen uns schon mal an diese Art der Fortbewegung, die wir in den nächsten Tagen sicher noch öfters praktizieren werden. Dann ist das Solsteinhaus erreicht. Unser Aufenthalt hier ist kurz und knapp: Protektoren an, Kleinigkeit aus dem Rucksack essen, Bikes für die Abfahrt klar machen und hinab ins Inntal. Der Trail ist schön zu fahren, bei der Nässe bisweilen fahrtechnisch aber sehr anspruchsvoll. Doch nachdem wir uns an die schweren Rucksäcke und die Bedingungen des halbwegs griffigen Untergrundes eingestellt haben klappt es bestens. Da werden wir doch etwas traurig, als wir nach einigen hundert Metern schon auf dem Schotterweg landen. Schnell und steil geht es weiter. Der Nebel zwingt uns den Speed etwas zu drosseln. Schnell ist der kleine Bahnhof von Hochzirl erreicht. Hier verlässt uns Zdenek, der zurück nach Scharnitz fahren wird. Wir finden noch einen schönen und anspruchsvollen Trail hinab nach Zirl, wo wir das breite Inntal und die Autobahn queren.
Nach einer Rast an einer Bäckerei geht es ein kleines Stück auf dem Inntalradweg weiter. Dann geht es bei Unterperfuss wieder bergauf nach Ranggen und über Oberperfuss und Sellrain nach Grinzenz. Erst sehr spät bemerken wir, dass diese Wegführung weder sinnvoll ist noch dem Anspruch einer echten Offroad-Transalp gerecht wird. Immer wieder geht es auf unspektakulären kleinen Nebensträßchen bergauf und bergab. Erst ab Sellrain und später in Grinzens sind einige akzeptable Abschnitte dabei. Hier hätten wir auf dem direkten Weg über Kematen sicher einiges an Zeit und Mühen sparen könne. Sei´s drum, jetzt befinden wir uns auf dem finalen Anstieg des Tages. Noch 600 Höhenmeter bis zur Kemater Alm gilt es zu absolvieren. Bald beginnt es wieder zu regnen. Zunächst stört uns der feine Niesel kaum, aber je höher wir kommen, desto dicker werden die Tropfen. Dann der kurze Lichtblick an der Kemater Alm. Noch weitere 300 Höhenmeter bis zur Adolf Pichler Hütte auf 1977m, unserem heutigen Tagesziel. Dann sehen wir die Hütte kurz, bevor sie endgültig in den wieder heranziehenden Wolken verschwindet. Die letzten Höhenmeter bewältigen wir im dichten Nebel.
Dann ist endlich die schützende und warme Hütte erreicht. Die nassen Trikots und Hosen finden ein Plätzchen im Trockenraum und wir 5 machen es uns als die einzigen Gäste heute Abend in der Gaststube gemütlich. Eine leckere Suppe und ein noch viel besserer Gulasch füllen unsere leeren Speicher wieder auf.

Die Hüttenwirtin berichtet uns noch besorgt von der Wetterprognose für heute Nacht. Die Schneefallgrenze soll unter 2000m sinken. Warten wir mal ab was kommt.

weiter zu Tag 2

Fotos:

von Tag 1

Strecke:
Scharnitz
Solsteinhaus
Zirl (Inntal)
Unterperfuss
Ranggen
Oberperfuss
Sellrain
Grinzenz.
Kemater Alm
Adolf Pilcher Hütte

Unterkunft:
Adolf Pilcher Hütte
+43 5338 53 194 (+43 650 507 4683)

Statistik:

Unterwegs:                    8:30 h
Fahrzeit:                         6:30 h
Höhenmeter hoch:     2550 m
Höhenmeter hoch getragen:     400 m
Höhenmeter runter:  3250 m
Kilometer lt. Tacho:   53 km
Kilometer ges:              55 km

GPS-Tracks:

Teil 1 bis Zirl
kostenlos

Teil 2 bis zur Adolf Pichler Hütte
kostenpflichtig, bereitgestellt von Andreas Albrecht

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