Zipflbob

So, es ist an der Zeit sich mal anderen Sportgeräten zu widmen. Bereits seit einigen Jahren fahre ich begeistert mit dem sogenannten Zipfl-Bob durch die Gegend. Ein Rodelgerät das auf den ersten Blick wie Kinderspielzeug ausseht, bei näherer Betrachtung den Meisten dann doch etwas Schamesröte ins Gesicht zaubert, ist ein eine echte Spaßmaschine, Insider sagen auch „Geilomat“ dazu.

Längs-Rillen sorgen für ein stabiles Fahrverhalten

Der Aufbau:

Ein großer Griff in der Mitte, den man fest mit beiden Händen umgreifen kann, im richtigen Winkel aufgestellt. Darunter eine Sitzschale aus Plastik. Einfach und genial. Das Rodelgerät ist durch den etwas eigentümlich aussehenden Griff steuerbar. Die Sitzfläche hat an ihrer Unterseite Rillen, die einen sauberen Geradeauslauf ermöglichen und die Sitzschale ist innen hohl, was eine gewisse Dämpfung der härtesten Schläge bewirkt.

Die Vorteile:

Der Zipfl Bob ist leicht und klein. Man kann diesen also bequem mit zum Wandern, Spazieren gehen aber auch bei richtigen Bergtouren, Schneeschuhtouren oder sogar beim Joggen oder beim Biken auf dem Rucksack transportieren.  Die optimale Kombination also für einen Tag im Schnee, die sportliche Gestaltung der Mittagspause oder einen geselligen Abend auf einer urigen Berghüttte.

In Rodelhaltung

Auf der Piste:

Wer bisher nur mit normalen Holzschlitten rum gerutscht ist, wird vom Fahrverhalten des Zipfl-Bobs sehr beeindruckt sein. Die flache Sitzposition direkt über dem Boden, das Lenkverhalten und letztlich die Geschwindigkeit. Nur bei tiefem Schnee oder Sulz kommt der Zipf-Bob an seine Grenzen. Wenn dann noch die Steigung zu flach ist, dann wird man doch sehr langsam. Ideal sind also präparierte Rodelbahnen oder planierte und geräumte Forstwege. Auch bei Eis ist der Zipfl-Bob noch fahrbar, aber dann wird es schnell gefährlich.

Abfahrtsbereit

Die Ausrüstung:

Bergstiefel, Skijacke und -hose, robuste und wasserdichte Handschuhe sowie Mütze sind Pflicht. Optimale Ergänzungen sind eine Skibrille, Gamaschen und ein Helm. Hier kann ein Radhelm benutzt werden, besser geeignet ist jedoch ein richtiger Skihelm oder gar ein Fullface Helm. Eine Sturmhaube oder ein großes Tuch stellt zudem eine sinnvolle Ergänzung dar. Wer abends unterwegs ist, sollte sein Equipment um eine starke Helmlampe ergänzen. Zusätzlich nutze ich noch ein Polster, selbst zugeschnitten aus einem Stück Teppich, welches in die Skihose rein kommt. Dieses hält die Wärme drin und Schnee und Kälte draußen auf der Sitzfläche. Bei ganz rasanten Abfahrten und Rennen ist zudem das Tragen eines Rückenprotektors empfehlenswert. Zum Aufsteigen sollte man den Zipfl-Bob mit einer Schnur versehen, damit man ihn bequem hinter sich her ziehen kann.

so wird gezipflt

Fahrtechnik:

Instinktiv versucht man den Zipfl-Bob zunächst mit den  Beinen zu steuern und zu bremsen. Diese Technik ist jedoch nicht ganz richtig und zum Teil auch gefährlich. Durch das Absenken der Hacken in den Schnee wird mächtig viel Staub aufgewirbelt, was einem selbst schnell die Sicht derart behindern kann, dass man die Abfahrt unterbrechen muss. Allerdings kann man diese Hackentechnik auch gezielt dazu einsetzen, bei einem Überholvorgang seinen Gegner einzunebeln. Wer mit gestrecktem Bein bremsen will, sollte bedenken, das Schläge vom Untergrund direkt auf die Gelenke, insbesondere auf das Knie einwirken können, was schnell zu Schmerzen oder gar Verletzungen führen kann.

auch zum Springen geeignet

Geübte Fahrer steuern den Zipfl-Bob daher wie folgt: Gewichtsverlagerung auf der Sitzfläche, Drücken und Ziehen am Griff und Lenken durch Herausstrecken eines Armes und Absenken einer Hand in den Schnee. Der Zipflracer bietet zudem durch seine spezielle Formgebung weitere Steuerungsmöglichkeiten durch Drücken mit den Händen hinten neben dem Po auf der Sitzfläche und mit den Oberschenkeln rechts und links vom Griff. Gebremst wird durch das senkrecht stellen des ganzen Zipfl-Bobs durch Ziehen am Griff und gleichzeitigem Absetzen beider Fußflächen bei angewinkelten Knien. Notfalls kann man so auch einfach aufstehen und den Zipfl-Bob nach vorne weg ziehen. Hat man dabei noch etwas Geschwindigkeit muss man dabei laufen und dann langsam verzögern.

auf die Form, die Neigung und die Größe kommt es an

Auch Spingen kann man mit dem Zipfl-Bob. Hier sollte man langsam anfangen und sich an das Flug und Landeverhalten des Sportgerätes herantasten. Mit dem Zipfl-Bob lassen sich hohe Geschwindigkeiten erziehen, der Weltrekord liegt deutlich über 100 km/h. Hier sollte man allerdings beachten, dass hierfür eine abgesperrte Strecke und genügend Auslauf vorhanden ist.

Vom Zipfl-Bob gibt es verschiedene Ausführungen, die mehr oder weniger geeignet sind. Obwohl die Bobs in auf den ersten Blick sehr ähnlich sind, gibt es beim Fahrverhalten gewaltige Unterschiede. Hier die Typen, die ich bisher getestet habe:

Das Original: der Zipfl-Bob

Das Original- der Zipfl-Bob

Mein Erster und das optimale Einsteigermodell. Relativ günstig im Sportfachhandel und im Internet erhältlich. Robuster Aufbau und alle Features, die man braucht. Zudem sehr leicht und kompakt. Ich ziehe den Zipfl-Bob beim Joggen mit einer Schnur hinter mir her und erspare mir oben auf dem Berg  den lästigen Abstieg. Zudem lässt sich dieses Modell leicht auf einem Rucksack verzurrt transportieren, auch mit dem Bike.

Link: Zipfl-Bob

Kaufen: Zipfl-Bob

Der Billigheimer vom Discounter

Zipfl von NORMA

Einfache Kopien vom Zipfl-Bob gibt es beim Discounter und in Baumärkten zu kaufen. Bei meinem Modell von NORMA fällt gleich der dicke unhandliche und viel zu „schlaffe“ Griff auf. Dementsprechend schlecht lässt sich das Gerät lenken. Der Griff liegt schlecht in der Hand.  Zudem fehlt eine Öse zum Einhängen einer Schnur für den Aufstieg. Hier muss man erst mal ein Loch rein bohren und eine Öse anbringen

Die Rennmaschine:Der Zipflracer

Die Rennmaschine: Der Zipfl Racer

Ein absolutes Höllengerät und deutlich schneller als die anderen Modelle. Ausgefeilte und optimierte Form mit zusätzlichen Steuermöglichkeiten. Dazu noch eine schöne Optik. Wer schnell sein will, Rennen fährt oder einfach ein Top Modell haben will, kommt am Zipflracer nicht vorbei. Der deutlich höhere Anschaffungspreis ist auf jeden Fall gerechtfertigt. Einzigster Nachteil ist das etwas höhere Gewicht und die größere Bauform. Link: Zipflracer

Kaufen: Zipflracer

Kein Spaß, die Alpengaudi

Eine Kollege von mir hat die absolute Enttäuschung angeschleppt. Selbst bei optimalen Bedingungen ist dieser Rodel beinahe stehen geblieben. Eine absolute Spaßbremse. Deutlich mehr Längsrillen sollen wohl für einen sichern Geradeauslauf sorgen, führen aber scheinbar hauptsächlich für Selbsthemmung. Also eher ein sicheres Kinderspielzeug als eine Rennmaschine. Auch die Formgebung des Griffes ist etwas „stumpert“. Da hilft auch der Mossgummiüberzug nix mehr.

Spaßverderber Alpengaudi

Link: Alpengaudi

Kaufen: Alpengaudi

Fazit: Wer noch keinen hat, der braucht dringend einen. Jeder sollte mal einen Zipfl-Bob ausprobieren. Allen denen ich dieses Sportgerät bisher vorgestellt habe, sind der Virus Zipfl-Bob verfallen.

Ich selbst habe den Zipfl oft im Kofferraum und nutzte beim Skifahren abends noch die letzte Gondel für eine Abfahrt auf der Rodelbahn. Zudem steht immer ein „Zweit-Zipfl“ im Büro unter dem Schreibtisch, denn der Hausberg steht gleich gegenüber und die 200 Höhenmeter bis zum Gipfel ist man in der Mittagspause oder nach Feierabend schnell mal hochgelaufen…

 

Links:

Extemzipfln bei Trailhunter

Erfahrungsbericht von Rotscher

Verein: Ammertaler Zipflbob e.V.

Zipl-Bob bei Wikipedia

5 Gedanken zu „Zipflbob

  1. Ich bin auch einer der begeisterten Zipflbobfans. Wirklich ein tolles Spassgerät für Jung und Alt.
    Mein Tip: Unbedingt das Original kaufen. Ich war auch schon mit einer (teuren) Kopie unterwegs und muss sagen, dass dies nur halb so viel Spass gemacht hat.
    Allen Zipflbober weiterhin viel Spass!

  2. Ich kann auch nur bestätigen dass man mit dem Minibob oder Zipflracer den meisten Fun und Speed beim Zipflbobfahren hat.

    Hab dieses Jahr an einigen Rennen teilgenommen wie Bobart (www.bobart-pro.com) und bin echt begeistert wieviel man aus diesem Sportgerät herausholen kann.

    Sportliche Grüße an alle Zipflbober!

  3. Hallo Schymik, es gibt natürlich noch ein paar andere bobs, aber du solltest dir unbedingt auch mal den Zibob anschauen. Das haben ein paar 10’000 auch gemacht und gefunden das ist der richtige! http://www.facebook.com/zibob.zipflbob
    Sonst komm nächsten winter mal an einem Event der Extraklasse vorbei und versuche mal die engen Radien der Kursführung mit einem Zipflracer zu fahren, dann erlebst du den feinen „grossen“ unterschied. Enjoy the summer, winter will come back soon!

  4. Habe heute einen Zibob gesehen, recht eckig und hat nichts mit dem original zu tun und kam so auf deinen Blog.
    Schöner Bericht, aber 🙂 der original Minibob aus den 70ern is gar nicht leicht, er war vom Material her schwerer und daher schneller und liegt besser aufm Hang.
    Leider komm ich kaum dazu, ihn zu nutzen.

  5. hab den alpengaudi, mein mann den zipflracer. bisher konnten wir die tollen teile auf frisch beschneiten rodelhängen nutzen, nicht allzu steil und uns selber unsere bahnen spuren, die weiteren abfahrten in diesen bahnen sind dann natürlich rasanter.
    kann euer urteil gar nicht nachvollziehen, meiner ist flott, liegt gut in den kurven und hat einen voll bequemen sitz und eine sehr gute beinablage. mir ist er lieber als der zipflracer, den ich natürlich auch probegefahren habe! ich mag auch den griff, das neopren liegt gut in der hand. bergauf lässt er sich auch gut auf der schulter tragen.

    hier noch eine kopie einer amazon bewertung von jemanden, der ebenfalls mehrere zipflbob-varianten kennt, joachim hut.
    nicht dass ihr glaubt, ich sei hier die einzige, die euer urteil nicht nachvollziehen kann:

    „Ich fahre seit ein paar Jahren mit dem originalen (alten, etwas kleineren) Zipfl-Bob auf präparierten, langen Rodelbahnen.
    Ausserdem habe ich den größeren Zipfl-Racer (dazu gibt es auch eine Rezension von mir).

    Ich hatte heute endlich Gelegenheit, diesen Bob zu testen.
    Meine Beurteiliung der Fahreigenschaften ist aber mit etwas Vorsicht zu geniessen, weil ich keine präparierte Rodelbahn, sonder nur einen Rodelhang hatte.

    Vergleich zum „alten“ Zipfl:
    ++ bester Sitz (auch besser als beim Zipfl-Racer)
    ++ guter Seitenhalt, weil mit Anti-Rutsch Auflage
    ++ Gute Beinablage (gute Höhe, gute Form)
    ++ Schnell! Sieht nicht so aus, weil der Bob breit ist und der Unterboden komplett geriffelt ist. Ich habe aber versucht die Zeit zu nehmen, und glaube, auf meinem Hang war der Bob wenigstens gleich schnell. Der Grund dürfte im leicht gewölbten Boden liegen. Die tatsächliche Auflagefläche ist viel kleiner, als es sich von oben vermuten läßt.
    + wendig. Wegen der leicht gewölbten Fläche kann man sich leicht in die Kurve legen.
    + bisher bester Seitenhalt in Kurven. Ich habe auch versucht, schräg am Hang entlang zu fahren. Das ging noch nie so gut wie mit diesem Bob.
    + Viel Kontrolle! Ich bin ohne besondere Anstregung exakt in der Slalomspur gefahren die ich zuvor mit dem „Urzipfl“ vorgelegt hatte.
    ++ bisher beste Verarbeitung. Hier gibt es keine unpräzise verarbeiten Nahtstellen oder Grate.
    – Der Griff ist zu dick und vereist, dadurch wird er noch dicker. In einer anderen Rezension steht, der Griff würde leicht abgehen. Bei meinem Bob gibt es eine Sicherungsschraube, die ein wenig wie nachträglich angebracht aussieht, die aber ihren Zweck (bis jetzt) erfüllt und nicht stört. Hier würde ich den Griff des Originals vorziehen. Beim Rodeln ist der Unterschied aber kleiner als erwartet, auf langen Strecken könnte es aber ermüdend sein.
    + Kinderfreundlich: Obwohl breiter und eher an Erwachsene angepasst als der Urzipfl, hat meine fast 9-jährige Tochter den Bob gleich für sich reservieren wollen.

    Dieser Bob hat vermutlich (siehe Einschränkung oben) endlich einen Fortschritt gegenüber den Uralt-Zipfln gebracht. Toll verarbeitet, erwachsenentauglicher Sitz, mehr Kontrolle bei vergleichbarer Geschwindigkeit.
    5 Sterne 3 Kometen!“

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