Nicht erst durch aktuelle Reisebeschränkungen boomt das Mountainbiken in den deutschen Mittelgebirgen enorm. Während man andernorts zum Teil schon über zu viele Besucher mit unterschiedlichen Interessen auf einmal im Wald klagt, hat man in Treuchtlingen schon länger erkannt, wonach Erholungssuchende aus der Region und dem umliegenden Einzugsgebiet heutzutage suchen: ein gutes attraktives Mountainbikewegenetz mit einem breitem Spektrum an Angeboten, das sowohl die Bedürfnisse von Familien als auch die Ansprüche von ambitionierten Fahrern abdeckt.

Nach einem Kurzbesuch zum Opening im Jahre 2019 ist dieses Mal am langen Wochenende ein zweitägiger Aufenthalt In der Talstation Heumödern geplant. Am Ehemaligen Sklilift befindet sich sozusagen das Epizentrum eines ganzen Trailnetzes.

Die Anreise: Treuchtlingen liegt eigentlich gar nicht so weit entfernt von der schwäbischen Alb. Praktisch nur am anderen Ende des Rieskraters. Der Familienkombi ist mit vier Mountzainbikes auf dem Heckträger gut beladen als wir uns auf den Weg nach Bayern machen. Kurz vor Nördlingen passieren wir die Grenze und verlassen das Land der Zweimeterregelung. Ab hier darf man legal Mountainbiken! Dann geht es Richtung Oettingen in Bayern und irgendwie ostwärts. Da ich aus Prinzip auf die Nutzung eines Navis verzichte und mich einfach am Stand der Sonne orientiere, um nach Osten zu fahren sorgt die Umleitung kurz vor Wemding dafür, dass wir eine schöne Tour über zum Teil abenteuerliche Landstraßen quer durch die bäuerlich geprägte Landschaft unternehmen. Im Nachhinein zeigt der Blick auf die Karte, dass ich gar nicht so unglücklich unterwegs war, wie ich es vermutet habe und fast den direkten Weg gewählt habe. Eine gut ausgebaute Verbindung von west nach Ost fehlt ganz einfach. In der Nordsüdachse wird Nürnberg durch die B2 verbunden und Treuchtligen ist somit mit diesen Ballungräumen sehr gut verbunden. Zudem gibt es eine Bahnverbindung.

Schließlich kommen wir oberhalb von Treuchtlingen an und ich kann meine Kinder gleich oben am Rodelbahntrail austeigenlassen. Währen dich das Auto zur Talstation auf den Parkplatz bringe, könne sie schon mal die erste Abfahrt genießen. Der Parkplatz ist bereits gut gefüllt, zwei Dutzend Kinder drehen schon Kreise auf dem Pumptrack direkt an der Talstation. Der Blick auf die Nummernschilder zeigt, dass Treuchtlingen als Ausflugort sehr beliebt ist und heute einige aus bis zu 250 km Entfernung angereist sind. Wow!

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Treuchtlingen Trails

Gesten hat es noch stark geregnet und meine Kinder haben bereits die erste Fangopackung mit ins Tal gebracht. Wir starten zur ersten Auffahrt und nehmen gleich den steilen Anstieg, der parallel zum Siggitrail nach oben verläuft. Meine Tochter hängt im Schlepptau an der Reepschnur, die wir zwischen meiner Sattelstütze und ihrem Vorbau gespannt haben. So läßt sich trotz Nässe sogar das Kurze Steilstück im Tandemverbund meistern. Wir fahren zunächst zum Juliantrail. Dieser einfache Rolltrail mit Wellen und Anliegern führt mit wenig Gefälle durch den Wald. Somit ist er auch für Anfänger und sogar für Kindern auf Laufrädern konzipiert. Dennoch kommen auch geübte Fahrer hier voll auf ihre Kosten und könne den Abschnitt einfach mit höherer Geschwindigkeit absolvieren und an ein paar Stellen sogar Sprünge wagen. Heute ist das Ganze allerdings kein Zuckerschlecken. Der Mineralbeton mit dem der Juliantrail ausgestattet ist, ist heute wegen der Nässe zäh wie Haferschleim. An Fahrvergnügen ist gerade nicht zu denken. Also geht´s zurück zum Einstieg des Siggitrails. Der lässt sich trotz Nässe, einigen Steinen und Wurzeln dank ausreichend Gefälle sehr gut gefahren. Er teilt sich mehrmals in eine rote (anspruchsvolle) und blaue (einfache) Linie auf und ist somit gleichermaßen für Anfänger und ambitionierte Fahrer nutzbar. Sogar Überholvorgänge lassen sich so völlig problemlos absolvierten. Ein dickes Lob an die Trailbauer, gut gemacht!

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Julian Trail

Apropos Trailbauer. Die ganzen Heumöderntrails sind kostenfrei nutzbar. An der Talstation befindet sich allerdings ein dickes Spendenglas, damit man sich durch Einwurf Münzen und Scheinen direkt am Erhalt und Ausbau der Heumöderntrails beteiligen kann. Nach einer kurzen Kaffeepause entleeren auch wir unsere Geldbeutel und lasen die ganzen schweren Münzen sozusagen als Gewichtstuning im Glas verschwinden. Zusätzlich kann man übrigens für 20 Euro einen grünen Aufkleber für´s  Bike erwerben, der ebenfalls der Finanzierung des Wegenetzes zugutekommt.

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geht da?

Wir testen heute noch den Eulenhoftrail und den Z-Trail und radeln ein weiteres Mal zur Rodelbahn hinauf. Dazu nutzen wir den sanft ansteigenden Anstieg durch das Heumöderntal oder die Auffahrt an der  Burgruine „Obere Veste“. Die Wege sind immer noch feucht und dementsprechend anspruchsvoll zu fahren. Diese beiden Trails richten sich ohnehin an geübte Fahrer und weisen Stein- und Wurzelpassagen sowie einige zum Teil steile Kurven auf. Beim Rodelbahntrail gibt es im unteren Teil ebenfalls mehere Varinaten in unterschieldichen Schwierigkeiten sowie einige Sprünge auf der Strecke.

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na klar!

Zum Glück scheint die Sonne und der Wegzustand wird schnell besser. Dafür ist es schwül heiß und wir kommen ganz ordentlich ins Schwitzen. Nachmittag unternehmen wir noch eine kleine Tour in der Umgebung und fahren ans Ufer der Altmühl. Treuchtlingen hat zudem eine attraktive Innenstadt mit reichlich Gastronomie und Einkaufsmöglichkeiten. Nach dem Bezug unsers Familienzimmers in der Talstation Heumödern machen wir uns zu Fuß auf zur Pizzeria La Piccola. Wir lassen den warmen Sommerabend bei leckerer Pizza, guter Pasta und einem sensationellen Tiramisu ausklingen.

Unser Eindruck entspricht der Bewertung bei Google: „Hier kocht der Chef höchstpersönlich, muss man sehr weit fahren um vergleichsweise gutes Essen der italienischen Küche zu finden“

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Hier kreuzt der Siggitrail

Wir verbringen eine ruhige Nacht in der Talstation und können ein reichhaltiges Frühstück in der Sonne auf der Terrasse genießen. Frisch gestärkt starten wir in den zweiten Tag. Nach dem ersten Anstieg der parallel zum Siggitrail verläuft starten wir wieder mit dem Juliantrail. Dieser ist inzwischen abgetrocknet und fährt sich brilliant. Der Mineralbeton funktioniert, von den Spuren des Vortages ist erstaunlicherweise so gut wie nichts mehr zu sehen.

Nach einer Runde in der Region fahren wir wieder über den Eulenhoftrail zurück. Auch diese Strecke ist komplett abgetrocknet und der Trail ist somit heute sehr gut befahrbar.

Nach einer Pause fahren wir auch die anderen Trails noch mehrmals. In Somme kommen wir heute auf über 1000 Höhenmeter.

Fazit:

  • für ein Wochenende bieten die Singletrails rund um Heumödern genug Betätigungsmöglichkeiten.
  • Einsteiger und Kinder können auf den Strecken gut ihre Fertigkeiten verbessern und ihr Können steigern. Durch mehrmaliges Befahren und können die Singletrails nach und nach immer besser und schneller befahren werden.
  • Für erfahrende Mountainbiker bieten der Z-Trail, der Eulenhoftrail und die Rodelbahn ein optimales Terrain.
  • Das Team in der Talstation ist freundlich und kompetent. Man spürt förmlich den Spirit und die Leidenschaft, mit dem das ganze Projekt authentisch getragen und betrieben wird.
  • Für einen mehrmaligen Besuch lohnt sich die Recherche nach weiteren Touren in der Region.
  • Natürlich erhofft beziehungsweise erwartet man förmlich eine Erweiterung und den Ausbau der Heumöderntrails in den nächsten Jahren. Das Konzept ist gut und der Bedarf ist auf jeden Fall da. Treuchtligen hat die Chance sich zu einem echten Mountainbike- und Familienhotspot in der Region zu entwickeln.
  • Wir werden sicher wieder kommen und sind natürlich sehr darauf gespannt, was sich rund um Treuchtlingen in den nächsten Jahren tut.

Links:

Trailpark Heumödern und bei Facebook und bei Instagram

Pizzeria La Piccola und bei Facebook

Tourismus Treuchtlingen