Die Himmelsleiter

Heute lassen wir es ruhig angegen. Statt Tourstart um 8:00 Uhr Frühstück um 9:00 Uhr. Und statt schweißtreibendem Uphill, gemütliche Auffahrt mit der Seilbahn. So ist es fast schon Mittag, als wir uns an der Bergstation Faloria in den Sattel schwingen. Den Singletrail den wir auf der Karte entdeckt haben entpuppt sich als absoluter Volltreffer. Und obwohl er von der Seilbahn aus sehr einfach zu erreichen ist, gibt es kein Verbotsschild. Willkommen in Italien! Das merken wir auch auf der Abfahrt. Wir begegnen ziemlich vielen Leuten auf dem schmalen Weg, doch alle sind freundlich und gehen bereitwillig aus dem Weg, obwohl wir bei jeder Begegnung die Geschwindigkeit stark reduzieren und stellenweise sogar anhalten, um den Fußgängern den Vortritt zu lassen. Wir basteln uns durch die anspruchsvollen Passagen und lassen es auf den flüssig zu fahrenden Abschnitten ordentlich laufen. Trotzdem sind wir stets drauf bedacht, den Waldboden auf dem Singletrail möglichst schonend zu befahren und weder Bremspuren zu hinterlassen noch Abschneider zu benutzen.

Schließlich erreichen wir die Passstraße Richtung Tre Croci, kreuzen diese und rollen durch einen schönen Bergwald bis kurz hinter die Rifugio Malga Laretto. Danach geht es ein paar Meter auf Schotter bis kurz hinter das Rifugio Mietres. Dann wollen wir zur Forecella Zumèles aufsteigen und durch das Val Padeon am Rifugio Ospedale auf die alte Bahnstrecke zwischen Cortina und Toblach gelangen.

Der Aufstieg verläuft zunächst sanft durch den lichten, aber schattigen Bergwald. Dann beginnt ein steiles Wiesengelände mit hohen Absätzen, die wir bei der zunehmenden Hitze schwitzend und stöhnend überwinden müssen. Schließlich erreichen wir steiles Felsgelände. Auch hier ist der Weg beschädigt und wir müssen eine stark ausgesetzte Stelle auf einem Felsband überwinden. Da sich die Gruppe wieder stark auseinander gezogen hat, klärt Ben telefonisch die Lage mit Laurent, der den Schluß der Gruppe bildet. Schießlich entscheiden sich drei aus der Gruppe den Aufstieg abzubrechen und direkt auf den Radweg auf der alten Bahntrasse zum Passo Cimabranche zu fahren.

Wir meistern schließlich die Engstelle und steigen die letzten Höhenmeter in engen Serpentinen durch die Felsen hinauf. Oben angekommen braut sich westlich von uns ein Gewitter zusammen. Wir verlieren also nicht viel Zeit und fahren schnell ins Val Padeon ab. Der Singletrail ist leider an vielen Stellen viel zu steil und zudem ziemlich naß und rutschig, so dass kein richtiger Fahrfluss aufkommen mag. Wir sind ziemlich froh, dass wir schon nach 300 Höhenmetern im Talgrund angelangen und bei einsetzendem Regen auf einem Schotterweg hinab rollen können. Lieder bleibt es beim Schotterweg, obwohl schon wieder die Sonne scheint. Eine Alternative auf einem attraktiven Trail gibt es hier leider nicht. So müssen wir ettliche Höhenmeter sinnlos auf dem anspruchslosen Weg vernichten. Nach einem gemächlichen Gegenanstieg erreichen wir schließlich den Passo Cimabranche. Zahlreiche Radfahrer rasten in der gemütlichen Bar. Bei strahlendem Sonnenschein legen auch wir eine Rat ein und warten kurz auf den Teil der Gruppe, die den steilen Anstieg in Val Padeon umfahren haben. Nach einer Portion Pasta starten wir gestärkt zum letzten Anstieg des Tages. Knapp 700 Höhenmeter trennen uns noch von unserem Ziel auf der Dürrensteinhütte. Dort haben wir reserviert und sollen pünktlich um 18:00 dort sein,weil kurz darauf das Abendessen serviert wird.

Die nächste anrückende schwarze und grollende Gewitterfront unterstützt und zudem bei der Auffahrt. Nachdem der richtige Weg nach oben gemeinsam erreicht ist, ist jeder aus der Gruppe auf sich selbst gestellt. Jetzt beginnt der Kampf gegen den Regen, den Wind, den inneren Schweinehund und die tickende Uhr.

Geschafft. Ich ziehe das von Schweiß und Regen klatschnasse Trikot aus. Blitze zucken hinter dem Werk Plätzwiese durch den schwarzen Himmel. Unter mit auf den Serpentinen kämpfen die anderen Mitglieder der Gruppe noch mit dem Anstieg. Ich checke uns ein, verstaue mein Mountainbike unter der Terrasse und bestelle das erste Bier. Nach und nach kommen auch die restlichen Gruppenmitglieder und weitere Mountainbiker an. Als die Letzten ziemlich erschöpft eintreffen, steht der erste Gang des Abendessens bereits auf dem Tisch.

Nach dem Essen und einer warmen Dusche beratschlagen wir noch die Streckenoptionen für morgen.

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