Pain

Wenn ich die Aufgabe hatte, einen Holy Trail zu bauen, denn würde ich es genau so machen wie hier auf der Abfahrt von der Rifugio Larcher. Die Materialien sind rötlicher, griffiger Granit, Kiefernholz und fest gebackener Sand.

Flowtrail

Die Kulisse besteht aus mächtigen Gletschern, imposanten Schuttkegeln und zahlreichen Wasserfällen und kleinen Bächen. Dann wird alles schön flowig angelegt, so dass man immer wieder längere Abschnitte mit schön viel Tempo durchdrücken kann. Um das ganze dann nicht zu langweilig werden zu lassen, werden immer wieder gezielt knifflige Felssektionen, kleine Absätze, ein paar Wasserrinnen und Spitzkehren mit eingebaut. Für etwas Nervenkitzel sorgen schmale Holzbrücken und ein paar ausgesetzte Stellen. Projekt geglückt, Der Biker bekommt gleich nach dem lausigen Italienischen Frühstück einen ordentliche Dosis Adrenalin und Dopamin ins Blut injiziert. Bingo!

Traumtrail am Morgen

So, der Morgen ist schon mal geglückt, also gilt es dieses Programm für den Rest des Tages fort zu setzen. Ein Blick auf die Karte zeigt den Schlüssel dazu: auf der Straße ins Tal nach Ossana zu fahren ist ausgeschlossen, aber siehe da, rechts am Hang entlang verläuft ein Weg bis vor nach Pejo. Zwar steigt dieser zunächst etwas an, aber wir probieren es aus. Eine Bikespur im feuchten Untergrund stimmt uns zuversichtlich. der erste Abschnitt ist etwas mühselig, fahrbare Abschnitte werden ab und an durch kurze Schiebepassagen oder verblockten Untergrund unterbrochen. Bald befinden wir uns hoch über dem Talgrund auf einem schmalen Weg und es geht wieder bergab. Der Trail ist schon, der Bergwald wunderschön und die Aussicht ist auch nicht von schlechten Eltern. Irgendwann geht der Trail in einen breiteren Weg über. Wir bleiben oben, obwohl es hier alternativ auch eine Abfahrt zur Malga Talè gäbe. Wir folgen dem Weg, der nun völlig waagerecht verläuft bis oberhalb von Pejo. Hier müssen wir ein paar Meter auf Schotter abfahren, bevor wir an einem alten Militärfriedhof wieder auf einen Singletrail stoßen. In der Ortsmitte angekommen zirkeln wir durch die engen Gassen und entdecken bald darauf einen Abzweig in Richtung Sentiero Botanico. Warum nicht? Allemal besser als auf der Straße abfahren. Wer wagt gewinnt, und wir gewinnen heute den Hauptpreis. Abermals werden wir mit einem flowigen Trail belohnt, der uns ganz hinab nach Cogolo unten im Talgrund führt.
Im ersten Supermarkt wird erst mal kräftig eingekauft und das entgangene Frühstück direkt auf dem Marktplatz nachgeholt.
Danach geht es weiter auf dem Radweg bergab nach Ossana. Hier machen wir uns auf ins Val Piana, welches uns hinauf zum Passo Scarpaco führen soll. Steil winden sich eine Serpentinen der kleinen Straße nach oben, bis wir schließlich ein beinahe flaches Hochtal erreichen.

Am Anfang des Tals steht ein Schild, welches den Weg zum Passo Scarpaco mit 4,5 h angibt, und 7 h bis zur Rifugio Val Amola Segantini. OK, mit den Bikes bis zum Pass, 1400 Höhenmeter das sollte in vier Stunden machbar sein, auch wenn wir nicht damit rechnen hier im Adamello Gebirge bergauf viel fahren zu können. Es sollte anders kommen…

Bereits nach kurzer Fahrstrecke auf dem Schotterweg weist ein Wegweiser nach links in den Wald. Eine Brücke führt über den Bach, dessen Lauf wir noch ein paar Meter nach oben fahrend folgen können. Schnell wird der weg schmäler und schmäler, der Untergrund felsig, wurzelig, naß und glitschig. Wir überlegen kurz, ob wir überhaupt auf der richtigen Bachseite sind, aber der Wegweiser war eindeutig und der Karte, die wir dabei haben trauen wir auch nicht wirklich. Also weiter. Erlenbruch: wie ein Tunnel verläuft der schmale Pfad durch den dichten Wald. Im Winter werden die biegsamen Bäume von Schneemassen umgedrückt, im Sommer richten sie sich so weit auf, dass man darunter durch laufen kann. Von der Landschaft sieht man nicht viel, es ist feucht, warm und der Schweiß rinnt in Strömen.

schöne Landschaft

Erst nach über einer Stunde verlassen wir diesen Dschungel wieder, die Vegetation lichtet sich etwas, auf der rechten Bachseite rücken die Felswände näher. Ein Pärchen mit zwei Hunden und ein Jäger begegnen uns, die einzigsten Menschen, die wir für den Rest des Tages hier oben sehen werden. Schließlich erreichen wir ein Flachstück. Malerisch windet sich der Bergbach durch diese Ebene. Dazwischen überall mächtige Granitbrocken. Früher gab es hier mal die Baita Bon, heute ist davon nichts mehr zu sehen. Nachem wir den wilden Bach balancierend auf einigen Steinen überquert haben, windet sich der Trail steil in Spitzkehren nach oben. Endlich gewinnen wir an Höhe. Knapp 2 Stunden tragen wir die Bikes schon. Auf 1848 Metern rasten wir kurz an einer Baustelle. Hier wird eine alte aus Steinen errichtetet Hütte renoviert. Werkzeug und Baumaterial stehen herum, zu sehen ist niemand. Bis hier her war der Trail gut und ließe sich bergab auch Fahren. Ab jetzt wird der Weg nochmals schmaler, steiler und unwegsamer. Wir haben den point of no return erreicht, ab jetzt heißt es hoch zum Pass, ohne Alternative. Es sind immer noch 800 Höhenmeter.

Unfahrbar

Der Weg zum Lago Venezia führt über große Granitblöcke und durch dichte Vegetation. Der Pfad ist kaum sichtbar und immer wieder müssen wir nach Markierungen Ausschau halten. Es geht mal leicht bergauf, dann wieder runter, meist eben und nicht wirklich vorwärts. 3,5 Stunden. Wir sehen zum ersten mal den See, dann rückt der Passo Scarpaco ins Bild. Wow! 600 Höhenmeter Geröll, darin ein mächtiges Schneefeld. Von einem Weg nach oben ist weit und breit nichts zu sehen. Und dann ein Schild: 2 Stunden bis zum Pass. Aha. Alleine um die knapp 2 km um den See herum werden wir in dem unwegsamen und zugewucherten Gelände wohl über eine halbe Stunde benötigen.

Landschaftlich ein Traum, Einsamkeit und Natur pur. Alles perfekt. Ruhe und Abgeschiedenheit. Nur wir mit unseren Bikes sind hier irgendwie fehl am Platz. Egal, da müssen wir jetzt durch. Die Markierung zum Bivac J. Canali ist gut und der Weg offensichtlich. Unser Pass ist eigentlich auch klar erkennbar, aber am Ufer des Sees ist kein Durchkommen. Nur 3 Meter hohes Gestrüpp. No way! Wir irren darin herum und folgen einigen Felsbändern, Granithäufen und suchen einen Weg wo keiner ist. Knapp 20 Minuten brauchen wir für nicht mal 500 Meter Stecke, dann haben wir das Gestrüpp endlich hinter uns gelassen und es geht steil nach oben. Weg? Markierung? Fehlanzeige. Es ist wie die Karte schon prophezeit hat: Strichpunklinie=wegloses Gelände.

auf dem "Weg" nach oben?

Der Abschnitt ist steil, der Untergrund besteht aus großen Felsbrocken, die lose übereinander liegen. Viele Wackeln, jeder Schritt ist ein Risiko. Fuß aufsetzen, Halt prüfen, Schritt machen. Nach unten sehen, ob unter einem in der Falllinie nicht einer aus der Gruppe läuft, der durch Steinschlag gefährdet wäre. Folglich zieht sich die Gruppe auseinander. Der Fels hier ist schön, an frischen Bruchstellen fast Schneeweiß, mit kleinen tiefschwarzen Punkten. Als Badezimmerfliese unbezahlbar, hier liegt das Zeug tonnenweise rum.

Wir erreichen das Schneefeld. Die Hangneigung nimmt hier zum Glück etwas ab, der Schnee ist alt und fest. Das Gehen fällt deutlich leichter. Kleine Kuhlen dienen als Tritte, es geht aufwärts. 200 Höhenmeter haben wir bereits geschafft, noch 400 liegen vor uns. Inzwischen wirft der Berg neben uns seine Schatten auf das Schneefeld, es wird kühl…

Nach dem Schneefeld balancieren wir wieder über Felsen, wühlen uns durch locken Sand, finden sogar wider ein paar Markierungen. Schließlich erreichen wir ziemlich ausgebrannt und abgeschafft den Passo Scarpaco. 2 Stunden nach dem wir den Lago Venezia verlassen haben, 7,5 Stunden nach dem Wegweiser, wo wir noch mit 4 Stunden Aufstieg gerechnet haben.

Abtragen

Nun zur Abfahrt. Flowiger Trail in alpiner Landschaft? Fehlanzeige. Geröll, Felsblöcke so groß wie Autos. Der Weg spärlich markiert, aber immerhin vorhanden. Spaß hat heut schon lange keiner mehr gehabt, aber das hier macht uns wütend! Es geht nicht voran, es wird Abend und fahrbar ist so gut wie gar nichts. Erst als wir unten bereits den Schotterweg am Lago Cornisello sehen können wir wieder fahren. Aber der Trail macht keinen Spaß mehr. Immer wieder müssen wir im verblockten Gelände absteigen, abermals Schieben und Tragen. Als wir endlich das Ufer des Sees erreichen ist die Sonne bereits hinter den Bergspitzen abgetaucht und Nebel zieht auf. Bleibt nur zu Hoffen, dass wenigstens das Rifugio geöffnet hat. Wir rollen am Seeufer entlang, dann noch ein paar Serpentinen im dichten Nebel nach oben, dann erscheint schemenhaft das Gebäude am Horizont. Dunkel. Erst ein Schild an der Tür macht Hoffnung: Aperto! Ich drücke die Klinke hinunter, die Tür geht auf, Juhu. 1 Nacht, 4 Personen, Mezzo Pensione, quadro biera, der Tag ist gerettet. Auf der Terrasse sitzend genießen wir das helle blonde und dann zieht der Nebel ab.

Brenta im Abendlicht

Gegenüber steht die Brenta. Cima Tosa usw. Wow, was für eine Kulisse. Dazu rosa Abendlicht.

Dann Pasta, danach Polenta mit Gulasch, guter roter Hauswein. Tag 6 vom Alpencross ist überstanden. Für uns alle wohl eine der härtesten Etappen, die wir jemals gemacht haben..und wohl auch eine der sinnfreisten…

weiter zu Tag 7

Fotos von Tag 6

Übernachtung: Rifugio Cornisello

Wenn ich die Aufgabe hatte, einen Holy Trail zu bauen, denn würde ich es genau so machen wie hier auf der Abfahrt von der Rifugio Larcher. Die Materialien sind rötlicher, griffiger Granit, Kiefernholz und fest gebackner Sand. Die Kulisse besteht aus mächtigen Gletschern, imposanten Schuttkegeln und zahlreichen Wasserfällen und kleinen Bächen. Dann wird alles schön flowig angelegt, so dass man immer wieder länge Abschnitte mit schön viel Tempo durchdrücken kann. Um das ganze dann nicht zu langweilig werden zu lassen, werden immer wieder gezielt knifflige Felssektionen, kleine Absätze, ein paar Wasserrinnen und Spitzkehren mit eingebaut. Für etwas Nervenkitzel sorgen schmale Holzbrücken und ein paar ausgesetzte Stellen. Projekt geglückt, Der Biker bekommt gleich nach dem lausigen Italienischen Frühstück einen ordentliche Dosis Adrenalin und Dopamin ins Blut injizieret. Bingo!

So, der Morgen ist schon mal geglückt, also gilt es dieses Programm für den Rest des Tages fort zu setzen. Ein Blick auf die Karte zeigt den Schlüssel dazu: auf der Straße ins Tal nach Ossana zu fahren ist ausgeschlossen, aber siehe da, rechts am Hang entlang verläuft ein Weg bis vor nach Pejo. Zwar steigt dieser zunächst etwas an, aber wir probieren es aus. Eine Bikespur im feuchten Untergrund stimmt uns zuversichtlich. der erste Abschnitt ist etwas mühselig, fahrbare Abschnitte werden ab und an durch kurze Schiebepassagen oder verblockten Untergrund unterbrochen. Bald befinden wir uns hoch über dem Talgrund auf einem schmalen Weg und es geht wieder bergab. Der Trail ist schon, der Bergwald wunderschön und die Aussicht ist auch nicht von schlechten Eltern. Irgendwann geht der Trail in einen breiteren Weg über. Wir bleiben oben, obwohl es hier alternativ auch eine Abfahrt zur Malga xxx gäbe. Wir folgen dem Weg, der nun völlig waagerecht verläuft bis oberhalb von Pejo. Hier müssen wir ein paar Meter auf Schotter abfahren, bevor wir an einem alten Militärfriedhof wieder auf einen Singletrail stoßen. In der Ortsmitte angekommen zirkeln wir durch die engen Gassen und entdecken bald darauf einen Abzweig in Richtung Sentiero Botanico. Warum nicht? Allemal besser als auf der Straße abfahren. Wer wagt gewinnt, und wir gewinnen heute den Hauptpreis. Abermals werden wir mit einem flowigen Trail belohnt, der uns ganz hinab nach unten im Talgrund führt.
Im ersten Supermarkt wird esrt mal kräftig eingekauft und das entgangene Frühstück direkt auf dem Marktplatz nachgeholt.
Danach geht es weiter auf dem radweg bergab nach Ossana. Hier machen wir uns auf ins Val…, welches uns hinauf zum Passo Scarpaco führen soll. Steil winden sich eine Sperpentinen der kleinen Straße nach oben, bis wir schließlich ein beinahe flaches Hochtal erreichen

Mit freundlichen Grüßen / With best regards

Carsten Schymik
Dipl. Ing. (FH)
Carl Zeiss Optronics GmbH
Carl-Zeiss-Strasse 22
Design & Development
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