Stilfser Joch

Mit 14 Jahren aufs Stilfser Joch radeln? Es gibt sicher nicht so viele Radfahrer, die bereits in diesem Alter überhaupt auf die Idee kommen, die Königsdisziplin am Ortler in Angriff zu nehmen. Das es sich bei der heutigen Etappe um kein Kinderspiel handelt, dass es dann doch so hart wird, hätten wir allerdings nicht erwartet….

Das Wetter ist gut und wir starten nach dem Frühstück zu unsrer längsten Auffahrt. Leider gibt es in St Maria bei der Auffahrt zum Stilfser Joch morgens recht wenig Sonne. Also schrauben wir uns im Schatten Serpentine für Serpentine nach oben. Der Auto- und Motorradverkehr ist heute ziemlich gering und somit erträglich. Nach 500 Höhenmetern legen wir die erste Pause ein und essen eine Kleinigkeit. Bald darauf überschreiten wir die Baumgrenze und genießen die warmen Sonnenstrahlen. Julia kämpft sich langsam nach oben. Wir verabreden, dass wir jetzt immer 200 Höhenmeter am Stück fahren und dann wieder warten. So kann jeder von uns zumindest ein wenig seinen Rhythmus finden. Kerstin gibt zwischendurch mal richtig Gas und ich habe Mühe dran zu bleiben. Dann kommt auch noch eine Gruppe Mountainbiker von hinten angerollt. Ich lasse den Jungs keine Chance an mir vorbei zu fahren.

Kurz vor dem Umbrailpass warten wir wieder auf Julia. Dann wollen wir eigentlich Pause machen und einen Kaffee trinken. Leider hat am Umbrailpass inzwischen alles geschlossen und die Gebäude der einstigen Albergos und Bars verfallen zusehends. Vor 15 Jahren bin ich an einem Tag dreimal das Stilfser Joch hoch gefahren und wir haben damals hier übernachtet. Auch beim Inner Circle Project haben wir am Umbrailpass unsere vorletzte Etappe beendet. Wir fahren also auf der Straße noch ein paar Höhenmeter in Richtung Stilfser Joch und verzehren das, was wir im Rucksack dabei haben auf einem Felsen neben der Straße.

Das letzte Stück ist ätzend. Zum Greifen nahe erscheint die Passhöhe, aber es geht nicht wirklich voran. Dazu der ständige Lärm der Motorräder, die uns Radlern echt das Leben schwer machen. Ich bin den ständigen Wechsel zwischen Fahren und Warten nicht gewohnt und will inzwischen nur noch oben ankommen. Wir wechseln noch auf die alte, inzwischen gesperrte Straße und fahren zwischen den Felsbrocken die hier auf der Straße liegen ohne Verkehrslärm weiter. Julia schlägt sich tapfer und bewältigt den gesamten Anstieg von St. Maria bis auf das 2757 Meter hohe Stilfser Joch aus eigener Kraft. Stolz hebt sie mit letzter Kraft ihr Moutainbike hoch und lässt sich fotografieren. Wow!
Wir trinken an der Tibethütte noch einen Kaffee bevor wir die letzten Meter hinauf zum Rifugio Garibaldi in Angriff nehmen. Den steilen Anstieg hier hoch müssen wir schieben.

Nach dem Check in machen wir uns nochmal auf und erkunden die Stellungen aus dem Ersten Weltkrieg hier oben am Dreiländereck. Während Österreicher und Italiener sich hier jahrelang erbittere Kämpfe lieferten, hat die Schweizer Armee ihre Grenze gesichert und damit sichergestellt, dass über ihr Territorium hinweg keine Angriffe auf die gegnerische Seite geführt werden.

Weiter zu Tag 4

Übernachtung:

Rifugio Garibaldi

Etappe:

  • St Maria
  • Umbrailpass
  • Stilfser Joch
  • Dreisprachenspitze

Karte und Buchtipp: