Tag 3 Defereggental-Wengen

Heute erwartet uns ein Tag, der mir schon Wochen vor der Tour ernsthafte Kopfzerbrechen gemacht hat. Sicherheitshalber haben wir das Ziel des Tages bereits im Vorfeld fest gesteckt und eine Übernachtung im Gasthoch Ciurnadu bei Wengen gebucht. Dort müssen wir um 19.00 Uhr abends ankommen, denn der Koch wird dann das Abendessen servieren. Das sollte als Anreiz genügen, um das Bevorstehende bewältigen zu können. Wir starten heute im Defereggental, queren über das Gsieser Törl das Pustertal und werden über den Pragser Wildsee hinauf auf´s Kreuzjoch schieben, um nach der Abfahrt nach St. Vigil abends noch das Ritjoch in Angriff zu nehmen.
Doch zunächst befinden wir uns noch an der Patscher Hütte. Sie Sonne hat den Talgrund noch nicht erreicht, dementsprechend kalt ist es bei der Abfahrt ins Tal. Wir queren bei Erlsbach die Straße hinauf zum Staller Sattel und fahren auf einem Forstweg hinab in Richtung Mariahilf. Dann geht es hinauf in Richtung Blindisalm. Vom meinem Kumpel Helmut (www.nobrakes.de) habe ich bereits gehört, das man nicht einmal diese Alm fahrend erreichen wird. Und so geht es nach einigen Kehren auf einem Schotterweg in einen Trail. Dieser führt teilweise steil, immer wieder auch fallend dann verblockt und verzwickt über Wurzeln hinauf zur Alm. Erreicht man diese dann, ist das erst der Anfang einer fast zweistündigen Schiebepassage.
Zunächst geht es ganz passabel am Hang entlang. Kurz vor der Lappachalm teilt sich der Weg. Da sich der ausgeschilderte Weg direkt hinauf zum Gsieser Törl schon bald im Unterholz verläuft beschließen wir die Talseite zu wechseln und weiter über die Lappachalm auf zu steigen. Kurz hinter dieser Alm können wir sogar mal fast 1 km am Stück fahren. Dann wird es aber wieder steiler.
Oberhalb der Baumgrenze führt der Weg, insofern man hier überhaupt von Weg sprechen kann nur noch über eine versumpfte Kuhweide. Die größten Schlammlöcher sind mit Felsplatten bestückt worden. Obwohl die Steigung mäßig ist und man bereits früh das Joch am Horizont erkennen kann, kommt man nur sehr langsam voran. Immer wieder muß man Schlammlöchern ausweichen, das Vorderrad wieder und wieder anheben, um das Bike über einen Felsbrocken oder aus einer Erosionsrinne zu heben. Wenigstens haben wir traumhaftes Wetter und einen grandiosen Blick zurück auf die Bergketten Osttirols.
Aufstieg zum Gsieser Törl
Oben am 2205 m hohen Gsieser Törl angekommen eröffnet sich uns der Horizont und gibt den Blick frei auf das Ziel unserer Träume: die Dolomiten.
Nach einer kurzen Rast geht es auf einer gut ausgebauten Miliärpiste hinab ins Tal. Die Abfahrt macht Spaß, ist aber leider schon nach knapp 250 hm beendet. Selten habe ich für einen so kurzen Abfahrtsspaß so lange hoch geschoben. Ab hier geht es nur noch auf Teer weiter. Und das lange, sehr lange. Wir brauchen fast eine dreiviertel Stunde bis wir nach einer nicht enden wollenden sinnlosen Höhenmetervernichtungsaktion endlich Welsberg im nur knapp über 1000 m gelegenen Pustertal erreichen.
Rasch geht es auf dem Radweg weiter in Richtung Schmieden. Wir geben mächtig Gas, schließlich erwarten uns heute noch zwei weitere Pässe. Unsere Mittagspause ist auf 13.00 Uhr an der Grünwaldalm terminiert. Doch zunächst geht es in der Mittagshitze zum Pragser Wildsee hinauf. So schnell wie möglich lassen wir den Touristentrubel an den großen Parkplätzen hinter uns und fahren einen Schotterweg hinein ins Herz der Dolomiten. Mächtige Felswände flankieren uns bei unserer Auffahrt zur Grünwald Alm. Die malerisch gelegene alm habe ich bereits im letzen Jahr besucht. Auch heute wollen wir wieder die einzigartigen Hirtenmakkaroni essen. Leider sind wir heute sehr spät dran und die unzähligen Sonntagsausflügler haben es tatsächlich geschafft, den gesamten Nudelvorrat der Alm zu vernichten. Wir weichen aus auf Apfelstrudel und Bretteljause und überlassen die letzten anderthalb Nudelportionen den Bedürftigsten der Gruppe.
Leider müssen wir auch an diesem schönen Ort bald wieder zur Eile drängen. Auf uns wartet das zweite heftige Schiebestück des Tages. Der Weg zum Kreuzjoch ist eigentlich wirklich nur in der Gegenrichtung sinnvoll zu befahren. Dennoch liegt dieser Anstieg nun mal in dieser Richtung und wird uns nach St. Vigil führen. Bis zum Alten Kaser können wir noch ganz passabel auf dem nur sanft steigenden Pfad fahren. Dann folgt der Aufstieg auf dem steilen Wanderweg hinauf zur Hochalmhütte. In den engen Serpentinen und an hohen Stufen müssen wir die Bikes oft tragen. Zahlreiche italienische Wandergruppen begegnen uns. Es ist immer wieder ein Erlebnis wie freundlich diese Leute sind und wie bereitwillig sie in die stacheligen Latschkiefern springen, um uns nicht bei unserem Tun zu behindern. Wir ernten für unser doch etwas verrücktes Unternehmen Hochachtung und zahlreiche Anfeuerungsrufe…wie wäre es uns wohl daheim in Deutschland bei so etwas ergangen?
Kurz vor der Hochalpenhütte überscheiten wir die Baumgrenze und er weg wird etwas flacher. An der malerisch gelegenen Hütte beginnt ein breiterer aber abartig steiler Schotterweg hinauf zum Kreuzjoch. Teilweise drücken wir die Rampen mit einer Steigung von bis zu 30 % noch hinauf, aber den meisten von uns schwinden irgendwann die Kräfte und wir gehen wieder zur schiebenden Tätigkeit über.
Oben am Kreuzjoch gibt es noch was zu feiern: meinen einhundersten Pass. In 8 Jahren Alpenüberquerung und bei zahlreichen Touren konnte ich in etwas so viele alpine Pässe mit dem Mountainbike überschreiten. Von Osten her zieht ein Gewitter auf, die Felswände der Dolomiten leuchten bereits in der Sonne des Spätnachmittags. Ich krame aus den Untiefen meines Rucksackes 3 Minni-Ramazotti Flaschen hervor. Wir stoßen kurz an und schon geht es wieder weiter. Auf einem sanft am Hang entlang führenden Trail fahren wir in Richtung Grünwaldjoch hinein ins schönste Tal der Dolomiten…
Die Gewitterwolken im Osten sind inzwischen Pechschwarz, Blitze zucken am Horizont.
Gewitterstimmung
Die Stimmung in der Gruppe droht zu kippen. Wir aber befinden uns noch im strahlenden Sonnenschein. Auf einem teilweise verwegen Trail fahren wir nun rasch ab in Richtung St. Vigil. Das Gewitter tobt sich weiter im Osten aus und wir erreichen sicher und trocken das tal.
Auf der Straße die zur Perderü-Hütte hinauf führt zweigt irgendwann ein Schotterweg in Richtung Ritjoch ab. Es ist inzwischen halb sechs, das Abendessen wartet auf und eigentlich sind wir alle schon ziemlich platt. Dennoch erwarten uns nun noch knapp 700 Höhenmeter hinauf zum Pass. Der Weg auf der breiten Schotterpiste ist zum Glück gut beschildert bis er schließlich in einen steilen Wanderweg abzweigt. Doch hier bleiben wir auf dem Schotterweg, fahren durch einen Privatwald mit Bikeverbot um ca. 350 hm weiter oben wieder den Wanderweg zu kreuzen. Kurz vor sieben erreichen wir den kleinen See am Ju de Rit. Weiter im Westen tobt ebenfalls ein Unwetter. Im Eiltempo fahren wir Ab in Richtung Wengen. In einer Kehre zweigt ein Trail ab, der uns direkt zu unserem Abendessen führen soll. Es geht noch über eine mit Herbstzeitlosen bewachsene Almwiese und dann steil auf einem grobschottrigen Weg hinab. Um 18.58 fahren wir in den Hof des Gasthofes Ciurnadu. Punktlandung, und das bei der Etappe! Wir bringen die Rucksäcke schnell auf Zimmer und setzen uns gleich in den Bikeklamotten an den Tisch, trinken wie jeden Abend erst mal eine Runde frischgezapftes Bier. Kaum sitzen wir, wird auch schon der erste Gang serviert…Lasagne.

Übernachtung:
Gasthaus Ciurnadu
+0039/0471843145

weiter zu Tag 4 Wengen – Sellajoch

Etappe:
Patscher Hütte
Erlsbach / Staller Tal
St. Jakob im Defeneggertal
Gsieser Törl
Welsberg im Pustertal
Pragser Wildsee
Kreuzjoch
Grünwaldjoch
St. Vigil
Ritjoch
Ciurnadu (Wengen)

Bilder Tag 3
Höhendiagramm

Kompass Karte Nr. 38 und Nr. 57 für Tag3

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