Tag 5 Sellajoch-Reiterjoch

Nach der gestrigen Etappe ist eigentlich keine Steigerung mehr möglich, dennoch werden wir heute noch einen drauf setzen. Zunächst werden wir den gesamten Schlernrücken überqueren, über den berühmten Knüppelsteig nach Tiers anfahren um danach über den Nigerpass und den Karerpass zum Latemar zu gelangen. Diesen werden wir heute noch zu zwei dritteln umrunden und bis hinab nach Cavalese vorstoßen. Bei unserm Start ist der Plattkofel noch in bizarre Nebelfetzten gehüllt. Wir blicken noch einmal auf die vereiste Marmolata und schon geht es los auf einem der schönsten Trails der Dolomiten. Kilometerlang schlängelt sich der Friedrich August Weg vom Sellajoch zur Plattkofelhütte bis hin zum Mahlknechtsjoch. Der Trail iszt trotz seiner zahlreichen Gegenanstiege fast durchgehend fahrbar. Der Ausblick auf die umliegenden Bergmassive der Dolomiten ist atemberaubend. Dank der frühen Tageszeit sind wir auf diesem Panoramaweg mal wieder ganz alleine unterwegs. Die Luft ist klar, Nebelfetzen hängen zwischen den Felswänden und eigentlich könnte man den ganz Tag nur damit verbringen Fotos zu schießen. Wir jedoch müssen weiter fahren. Am Mahlknetsjoch erwartet uns die erste Prüfung des Tages: die eigentlich unfahrbar Steile Rampe hinauf zur Tierser Alphütte. Schon beim Anblick der Rosszähne sieht man den Schotterweg in kleine Serpentinen fast in der Falllinie nach oben laufen.
die Rampe zur Tierser Alphütte
Da wir heute noch einiges zu schieben haben werden motiviert mich der Gedanke zu laufen nicht wirklich. Ich beiße daher in den Lenker und drücke die gesamte verdammte Rampe nach oben. Ob das hier und auf dieser Tour Sinn macht sei mal dahin gestellt. An der Tierser Alphütte ist lediglich Zeit für einen Müsliriegel. Das bereits seit Tagen angekündigte Genuatief droht uns zu erreichen. Michael und ich drängen zur Eile, denn wenn uns im Knüppelsteig der regen überraschen sollte, dann wird die heutige Etappe kein Zuckerschlecken. Wir fahren zunächst einen schönen Trail am Hang hinab. Beim Abzweig ins Bärenloch geht es wieder bergauf. Unter den Rotredspitze beginnt eine 250 m lange Schiebe- und Tragestrecke. Der Blick zurück in Richtung Plattkofel ist noch frei, aber in der Richtung die wir nun eingeschlagen haben macht sich bald Nebel breit. Wir steigen rasch auf und erreichen schließlich den höchsten Punkt. Der Trail über den Schlernrücken war 2003 bei meinem ersten Besuch noch schlecht fahrbar und stark verblockt. Inzwischen wurde der Weg jedoch vorbildlich instand gesetzt. Zunächst umschließt uns noch dichter Nebel auf der schnellen und flowigen Abfahrt, doch schon bald lichtet sich dieser wieder. Am tiefsten Punkt des Schlernrückens haben wir wieder freien Blick auf die Seiser Alm und können am Horizont bereits die Schlernhäuser erkennen.
auf dem Schlernrücken
Das Wetter hält. Inzwischen sind Heerscharen von Wanderen unterwegs und die letzten Meter hinauf zur Hütte werden echt mühsam. Auch hier begnügen wir uns mit einem Müsliriegel und treten nun an eine der schönsten Abfahrten in den Alpen in Angriff zu nehmen. Die Abfahrt steigert sich langsam in Schwierigkeit und Extravaganz und dann am Ende langsam wieder aus zu klingen. Die Einleitung bildet eine schnelle Fahrt über die Almwiesen, dann biete sich an einem Kreuz bereits den Blick in die Schlucht an der Sessler Schwaige. Diese erreichen wir auf einem schmalen Trail mit unzähligen Haarnadelkurven und querliegenden Holzbalken, die hier zum Schutz gegen Erosion verankert wurden. An der Sessler Schwaige unterbrechen wir unsern Abfahrtsrausch auf dem alten Viehtiebsweg kurz, bevor wir uns dem Höhepunkt der Abfahrt widmen: dem eigentlichen Knüppelsteig. Auch heute habe ich wieder den Anspruch die gesamte Abfahrt zu fahren. Kurz bevor der aus Holzbalken erbaute Weg in der Schlucht verschwindet erwarten uns noch einige anspruchsvolle Schlüsselstellen auf S-3 Niveau die nebendran von liebevoll gestalteten Schnitzereien flankiert werden.
wer schaut gequälter?
Dann beginnt die Fahrt über die Holzbalken. Unter uns rauscht der Bach, über uns hat sich wieder strahlender Sonneschein ausgebreitet. An einigen Stellen läuft Wasser über den Weg, die Kalksteine und die Holzbalken sind tückisch rutschig. Dennoch gelingt es fast allen von uns den gesamten weg fahrend zu absolvieren. Bei Peter Frag endet der aus Balken erbaute Weg und es geht fortan extrem steil auf lockerem Schotter ins Tal. Dann zweigt der Weg Nr. 7 in Richtung Gasthof Schönblick ab. Die Abfahrt klingt locker flowig auf diesem am Hang entlang laufenden Trail aus. Unser Magen knurrt und wir kehren im Gasthof Schönblick ein. Wir sitzen schon fast am Tisch als Frank sein Bike parkt. Pfiiff…Luft raus. Danke Frank, exceletens Timing. Wir bestellen Cola und Tagliatelle mit Wildragut. Beim Essen genießen wir den sagenhaften Ausblick auf die umliegenden Hügellandschaften.
Es ist inzwischen halb drei und wir müssen weiter. Nach dem Füllen der Trinkflaschen geht es auf dem Traumhaften Trail 6u hinab nach St. Zyprian. Hier queren wir lediglich die Passstrasse welche hinauf zum Nigerpass führt und verschwinden sofort wieder in einem Trail, der am Bach entlang führt. Auf dem Schotterweg 1t geht es fortan 600 Höhenmeter durch den Wald nach oben. Die letzten Höhenmeter müssen wir schieben, da der Weg hier in einen alten Karrenweg über geht. Vom Nigerpass zum Karerpass müssen wir leider ein ganzes Stück auf der Straße fahren. Gegen 17.00 Uhr erreichen wir die Passhöhe. In einem Restaurant füllen wir noch kurz unsre Trinkflaschen und nehmen jetzt am Abend noch eine Tagestour aus einem der bunten Heftchen in Angriff: eine 2/3 Umrundung des Latemar von Ost nach West. Der weg Nr. 21 führt uns größtenteils auf Trails am Fuße des beeindruckenden Bergmassives entlang. Immer wieder geht es bergauf und bergab. Teilweise giftige Gegenanstiege auf lockerem Untergrund saugen uns die letzte Kraft aus den Beinen. Dann fehlt Frank, wir warten und er kommt. Ein Ast hat sich in sein Schaltwerk gebohrt und das gute Stück ist teilweise gebrochen. Fortan kann er nicht mehr schalten und ist auf den Gang, den er eingestellt hat angewiesen. Wir biegen in den Weg 22 ein, der uns kurz zum Schiebne zwingt. Dann geht es auf einem Schotterweg hinab in Richtung Epicher Laner wo wir die Straße hinauf zum Reiterjoch treffen. Die letzen Sonnestrahlen des Tages tauchen den Latemar in ein traumhaftes Licht. Als wir endlich die Passhöhe erreichen ist die Sonne bereits hinter dem Horizont verschwunden und es wird beißend kalt. Bis Cavalese werden wir es heute so nicht mehr schaffen und hoffen daher in einem der Skihotels auf der Abfahrt bunter zu kommen. Doch zunächst geht 250 kalte Höhenmeter auf Schotter hinab. Das erste Hotel hat natürlich geschlossen. Im letzten Moment entdecken wir, das im Posthotel Scoiattolo noch Licht brennt. Nach dem obligatorischen Bier in Bikeklamotten beziehen wir die Zimmer. Danach wartet ein traumhaftes Dreigängemenue auf uns. Wir essen Pasta, Pferdesteaks und eine Süßspeise. Dazu werden wie jeden Abend Literweise Rotwein vernichtet…

Übernachtung:
Posthotel Scoiattolo
+39/0462/813244

weiter zu Tag 6 Reiterjoch – Val Sugana

Etappe:
Rifugio Des Alpes
Friedrich August Weg
Mahlknechtjoch
Tierser Alp Hütte
Schlern
Schlernhäuser
Knüppelsteig
Peter Frag
Tiers
Nigerpass
Karerpass
Epicher Laner
Passo Pampeago (Reiterjoch)

Bilder Tag 5
Höhendiagramm

Kompass Karte Nr. 54 für Tag 5

1 Gedanke zu „Tag 5 Sellajoch-Reiterjoch

  1. Wir sind die Tour 2009 nachgefahren. Es war eine absolute Traumtour. Der technische Anspruch war perfekt für einen Alpencross. Wirklich gutes Verhältnis aus flowigen Trails und technischen Passagen bei denen man sich die Zähne ausbeißen kann. Mit dem Enduro war die Tour konditionell für uns sehr anspruchsvoll aber machbar. Persönlich empfehle ich ein Fully mit mindestens 12 cm Federweg, ansonsten muss man deutliche Abstriche beim Flow machen. Der Schlern war wirklich der Hammer, ein wirkliches Highlight. Der Krimmler Tauern war abenteuerlich und ne konditionelle Zerstörung wenn man zum Frühstück den Fußweg direkt an den Wasserfällen hochdrückt und zum Abendessen sein Bike 800 Hm (?) auf den Gipfel schleppt. Das Panorama und die Einsamkeit auf dem Pass sind unvergeßlich. Die Abfahrt hingegen habe ich als anspruchslos aber spaßig in Errinerung. Danke für die tolle Tour.

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