Tag 7 Val Sugana – Torbole

Eigentlich war es heute geplant über den Passo della Frica hinauf nach Carbonare zu fahren. Aber Günter und Klaus brennen auf ein Rennen am Kaiserjägersteig. Eigentlich eine irrsinnige Idee, wenn 6 erschöpfte und ausgemergelte Alpencrosser morgens um halb neun antreten, um die letzte Schlacht der Tour zu schlagen. Aber was solls, was sein muss, muss sein. Frank übernimmt wie üblich die Führung und beginnt mit seinem federleichten Hardtail die schmalen Asphaltserpentinen hoch zu drücken. Ich versuche mit meinem 14 kg schweren Bike einige Zeit dran zu bleiben, aber nach 2 km muß ich Ihn ziehen lassen. Vom Rest der Truppe ist schnell nichts mehr zu sehen. Es ist kühl heute morgen und der bewölkte Himmel lässt die Sonne nicht zu uns durch. Auf diesem Weg, an dem man sonst am meisten gegen die Hite des Val Sugana kämpfen muß eine angenehme Erscheinung.
Der Kaiserjägersteig ist wohl einer der schönsten Asphalt-Auffahrten der ganzen Alpen. Beinahe in den senkrechten Fels gesprengt geht es in schmalen Serpentinen und durch keine Tunnels knapp 800 Höhenmeter nach oben. Derartiges habe ich bisher nur in norwegischen Fjorden erlebt. Ich blicke an den gegenüber liegenden Hang, dort windet sich der Sentiero della Pace in Tal. Unter mir schimmert der Lago di Caldonazzo. Dann erblicke ich Klaus und Günter die eine Serpentine unter mir erneut zum Angriff übergehen. Sobald ich aus Ihrem Blickfeld bin gehe ich in den Wiegetritt und peitsche das Bike den Berg hinauf. Noch 300 Höhenmeter bis nach oben. Die Straße verlässt die senkrechte Wand und zweigt nach Süden in den Wald ab. Ich kannden Angriff der Verfolger äußerst erfolgreich parieren und versuche nun wieder zu Frank auf zu fahren. Aber dazu habe ich nach seiner erfolgreichen Flucht zu lange getrödelt. Als ich oben am Spiazzo Alto ankomme, sitzt er bereits seit 4 minuten in der Sonne. Günter und Klaus kommen nach weitern 5 Minuten. Danach treffen Miachel und Alwin ein. Wir wechseln die völlig naß geschwitzten Klamotten und machen uns wieder auf den Weg.
Letztes Jahr waren hier im dicht verzweigten Netz der unzähligen Trails überall die grünen Pfeile der Transalp Challenge aufgesprüht. Damals hatten wir keinerlei Bemühungen in die Navigation stecken müssen. Ich versuche aus dem Kopf die Abzweigungen zu finden. Kurz vor Bertoldi verpassen wir jedoch einen solchen und müssen einige Meter auf der Straße in Richtung Ex Commando Austriaco fahren. Ab hier bis hinunter nach Carbonare gelingt es uns aber wieder die Ideallinie durch das Gewirr von Wegen zu finden. Allen die hier zum ersten mal durch fahren ist ein GPS-Gerät oder ein präzises Roadbook zu empfehlen, um die schönsten Trails an der Strecke mitnehmen zu können.
Ab Carbonare entschließen wir uns die knapp 300 Höhenmeter hinauf zum Passo del Sommo auf der stark befahrenen Straße zu absolvieren. Wieder entbrennt ein Rennen. Frank und ich kämpfen wie besessen darum, als erster oben auf der Passhöhe zu sein. Oben in der kleine Bar bestelle ich mir erst mal ein Panani Caldi. Nach und nach treffen auch die anderen ein. Alwin kann die Tempowechsel und die Bergankünfte heute nicht mehr mit ziehen. Für Ihn werden die zahlreichen Anstiege langsam zur Qual. Wir trinken auf der Terrasse ein Cola während zwei weitere Biker den Pass hoch kommen. Sie sind mit GPS ausgerüstet und filmen mi einem Camcorder die Ankunft am Pass.
Wir haben heute trotz des hohen Tempos schon wieder zu viel Zeit verbraucht. Daher beschließen nach dem Monte Finochio und der Abfahrt nach Rovereto den Alpencross auf dem Radweg nach Torbole abzuschließen. Die ursprünglich geplante letzte Auffahrt nach Ronzo und Santa Barbara würde auch heute wieder eine Ankunft im dunklen herauf beschwören.
Wir wählen den direkten Weg hinab nach Folgaria, währen die andern zwei nochmals den Berg hoch gefahren sind. In Folgaria zweigt eine Straße ab in Richtung Serrada, die schon nach wenigen Metren wieder steigt. Ich sehe vor uns die zwei Biker von vorhin und nehme gemeinsam mit Frank wieder Fahrt auf. Nach wenigen Minuten haben wir die zwei eingeholt und kommen ins Gespräch. Einer erkennt mich nach wenigen Minuten und auch für mich sind die zwei nun keine Unbekannten mehr. Es handelt sich um die Bergabfahrer, deren Horrorgeschichte über eine schwere Bakterielle Vergiftung durch verseuchtes Trinkwasser vor einigen Wochen in Insiderkreisen für Aufregung gesorgt hatte. Irgendwann wird den zwei unser Tempo zu schnell und sie lassen uns ziehen. Am Friedhof in Serrada machen wir noch mal kurz Rast und sammeln unsere Gruppe wieder. Auf uns wartet der letzte Anstieg dieser Alpenüberquerung. Bis auf den Monte Finonchio sind nochmals knapp 400 Höhenmeter auf einer Schotterpiste zu bewältigen. Ich übernehme nochmals die Führung und hole einen der Bergabfahrer wieder ein. Gemeinsam fahren wir nach oben. Das Wetter hat sich jetzt wieder wesentlich verbessert, es scheint die Sonne und die grünen Almwiesen laden zu einer gemütlichen Rast ein. Das Etappenziel Gardasee liegt zum Greifen nahe und wir stehen zum ersten Mal in den letzten sieben Tagen nicht unter Zeitdruck.
Nach einer Rast machen wir uns auf die Abfahrt. Es erwartet uns ein alter Karrenweg, der von einer Bike-Zeitschrift zu einem der 10 schönsten Singletrails erkoren wurde. Wir fahren den holprigen Weg ohne Aussicht hinab. Ein Regen in den letzten Tagen hat viel Laub und Sand auf den runden Kalksteinen zurück gelassen. Irgendwie kommt heute kein flow auf und wir fragen uns, wie es diese doch recht bescheidene Abfahrt unter die Top Ten geschafft hat. Da haben wir alleine auf diesem Alpencross 10 Abfahrten gemeistert, die sowohl landschaftlich als auch fahrtechnisch um Welten besser waren. Irgend wann bei dem ganzen Geholpere rutscht mir das Vorderrad weg, ich springe gekonnt ab, aber mein Unterrohr knallt an den nächsten Felsen. Na ja ein kleiner Kratzer, was soll´s, wo gehobelt wird da fallen Späne.
In Moietto steht ein Biker, der seinen Bruder sucht. In der Tat fällt die Navigation hier aufgrund einiger Abzweige nicht ganz leicht. Wir können ihm leider nicht helfen. Wir finden schließlich nach kurzer Suche wieder den Wanderweg und weiter geht das geholpere in Richtung Rovereto. In Zaffoni endet der Trail abrupt in einer steilen Betonpiste, die voller Sand liegt. Dort steht wieder ein Biker und erzählt uns, er suche seinen Bruder…der steht oben sagen wir und sucht Dich. Er erzählt uns das sich direkt vor seine Augen soeben einer auf dem Beton abgelegt hat, einer der Bergabfaher, wie wir später erfahren sollten.
Wir entdecken nun wieder zahlreiche grüne Pfeile der Transalp Challenge und beschließen ihnen zu folgen.

Alwin beim Bremsbeläge wechseln

In Saltaria beschleißt Alwin noch sine Bremsbeläge aus zu tauschen, der Rest der Mannschaft sitzt währen dessen ungeduldig auf einer Mauer. Es geht nochmals ein paar Meter zwischen Weinreben nach oben. Dann folgt eine abwechslungsreiche Singletrailpassage durch einen alten Steinbruch. Endlich beginnt auch diese Abfahrt richtig Spaß zu machen. Wir erreichen schließlich eine Teerstraße, die uns direkt hinein nach Rovereto führt. Wir fahren schnell durch die Innenstadt, finden gleich den Radweg in Richtung Torbole, der inzwischen bestens beschildert und durchgehend ausgebaut ist.
Rasch erreichen wir den Passo San Giovanni. In Nago verlassen wir den Radweg um auf der Straße bis zur Paulanerbar an den Marmite di Giganti zu gelangen. Hier erwarten jeden von uns bereits zwei kühle Weizenbiere…Prost

Siegerbier

Etappe:

Val Sugana
Kaiserjägerweg
Carbonare
Passo del Sommo
Folgaria
Mte. Finochino
Rovereto
Torbole

Bilder Tag 7
Höhendiagramm

Kompass Karte Nr. 75 und Nr. 101 für Tag 6