Highway to Hell

Heute steht uns ein straffes Programm in Haus: über das Antoniusjoch wollen wir zur Faneshütte und von dort aus weiter zum Limojoch nach Cortina d´Ampezzo. Schon letztes Jahr hat hier eine parallel zur üblichen Route durchs Tal verlaufende Linie auf der Tabaccokarte mein Interesse geweckt. Klar muss man ein paar Höhenmeter extra in Kauf nehmen, doch der Verlauf des Weges sieht vielversprechend aus. Erschwerend kommt heute noch hinzu, dass wir die Hütte an der Bergstation Faloria nur erreichen werden, wenn wir die Talstation bis spätestes 16:30 Uhr erreichen.

Also geht es pünktlich um 8:00 Uhr los. Zunächst geht es ein paar Meter bergauf, doch schon bald können wir auf einem abwechslungsreichen Singletrail hinab ins Tal gleiten. Flowige Passagen werden immer wieder von fahrtechnisch anspruchsvolleren Abschnitten unterbrochen. Wir haben jede Menge Spaß und Zeit für ein paar schöne Fotos auf dem Weg, der entlang von imposanten Felswänden ins Tal hinab führt bleibt auch noch.

Dann beginnt der lange Aufstieg auf das Antoniusjoch. Während man am Anfang den Weg noch meistens schiebend bewältigen kann, nehmen wir nach und nach alle unsere Mountainbikes auf die Schultern. Das Joch schiebt sich ins Blickfeld und mit jedem Schritt rückt es näher. Zum Glück ist heute fast niemand unterwegs und so ist der Aufstieg erheblich entspannter, als gestern an der Peitlerscharte. Der Plan war das Antoniusjoch um 11:00 Uhr erreicht zu haben. Der Plan geht auf, obwohl sich die Gruppe beim Aufstieg etwas auseinander zieht. Das macht aber durchaus Sinn, dass jeder sein eigenes Tempo geht und niemand hetzten muss.

Nach einer kurzen Rast machen wir uns startklar und fahren den schönen Trail durch die Geröllflanke hinab. Der Weg ist im allerbesten Zustand und wir können schnell abfahren. Weiter unten verläuft sich der Weg auf einer ebenen Wiese, die immer wieder von Mauern, Steinfeldern und Steinhäufen unterbrochen ist. Irgendwann haben wir einen Abzweig verpasst und befinden uns etwas links abseits vom Track auf dem Garmin. Schnell ist eine rot-weiße Markierung an einem Stein gefunden es geht weiter. Leider sind wir jetzt auf einem ehemaligen Weg gelandet, der eigentlich nicht mehr vorhanden ist. Wir vertrödeln etwas Zeit im Gelände, gelangen aber nach einem kurzen Bogen wieder zurück auf den richtigen Weg und erreichen bald darauf die Lavaredohütte. Hier stärken wir uns kurz bei einer Kaffeepause und haben noch die Gelegenheit unsere Wasservorräte aufzufüllen. Über einen Felsenweg fahren wir dann vorbei an der Faneshütte hinauf zum Limojoch. Dieser Weg ist anfangs noch fahrbar, geht aber bald darauf in eine kurze Schiebepassage über. Alternativ hätten wir natürlich auch den kleinen Umweg über die Schotterwege, die beide Hütten verbinden fahren können.

Kurz nach dem Limojoch passieren wir den Limosee, an dessen Ufer wir links abbiegen. Ab hier steigt ein Bergpfad 500 Höhenmeter in Richtung Col Bechei auf. Ganz bis zum Gipfel müssen wir nicht, sondern nur bis zum Bergsattel unterhalb des Gipfels. Trotzdem zieht sich der Anstieg länger als erwartet und die Gruppe zieht sich abermals auseinander. Auf dem Sattel befindet sich neben einer verfallenen Stellung aus dem Ersten Weltkrieg eine neu errichtete Rekonstruktion. Auf dem strategisch wichtigen Punkt über dem Tal befand sich ein Beobachtungsposten.

Noch ist der Anstieg nicht ganz geschafft. Am Hang gegenüber wartet noch etwas Arbeit auf uns. Zunächst geht es ein Stück bergab. Hier müssen wir drei tiefe Erosionsrinnen, die ein Unwetter in den Hang gefressen hat überwinden. Mit etwas Kletterei und geschicktem Umgehen der Engstellen gelingt uns dies aber rasch. Dann ist der letzte Sattel erreicht. Die Uhr tickt, ab jetzt haben wir noch zwei Stunden Zeit bis nach Cortina. Sollte eigentlich zu schaffen sein, denken wir…

Nach wenigen Metren abfahrt blicken wir in einen gigantischen trichterförmigen Talkessel. Der Weg verläuft eigentlich genauso wie heute Vormittag am Antoniusjoch leicht fallend einmal rund um den Talkessel herum. Prinzipiell wäre man hier in 8-10 Minuten hindurchgerollt, wären da nicht schon wieder diese bis zu 6 Meter tiefen und 10 Meter breiten Erosionsrinnen mit senkrechten, rutschigen Wänden. Wir schicken erst einmal zwei Leute als Vorrauskommando zum Sichten der Situation in den Talkessel. Es erscheint machbar. Die ersten 5 Leute der Gruppe beginnen zu arbeiten und eine Kette durch die erste Rinne zu bilden. Wir reichen die Räder von Person zu Person weiter durch den Engpass. Richtige Schwerstarbeit in einem Gelände, welches instabil ist und von wo von oben immer wieder mit Steinschlag zu rechnen ist. Nach und nach sind Personen und Material über das Erste Hindernis gebracht. Dennoch kommen einzelne Gruppenmitglieder an ihre persönliche Grenze. Als Team gelingt es uns dennoch hier die erforderliche Hilfestellung zu bieten und alle wohlbehalten hier durch zu bringen. Die weiteren Erosionsrinnen sind dann weniger tief und können meistens alleine oder zu zweit bewältigt werden. Lider hat uns diese Passage viel zu viel Zeit gekostet. Zudem müssen wir erst einmal eine kurze Verschnaufpause einlegen und allen in der Gruppe die Gelegenheit bieten sich zu erholen, um bei der weitern Abfahrt die volle Konzentration und Leistungsfähigkeit zu besitzen.

Es folgen nun verschieden Abschnitte, auf denen wir je nach Fahrkönnen schiebend oder fahrend weiter kommen. Der Trail bleibt durchgehend extrem anspruchsvoll. Zudem ist eine weitere Kletterstelle zu bewältigen, die wegen akuter Steinschlaggefahr nur einzeln begangen werden kann.

Weiter unten ist der Weg komplett von einem Bachlauf verschluckt. Wir können aber relativ gut und flüssig in dem breiten Bachbett abfahren. Zm Glück entdecken wir gerade noch rechtzeitig den Abzweig auf den Wanderweg in den Wald. Ab hier führt ein flowiger Trail nach unten. Wir sind froh alle heil und unverletzt den Schotterweg erreicht zu haben. Zwar gab es einen Überschlag in der Gruppe, der aber ohne nennenswerte Schäden an Fahrer und Material vonstatten ging. Fast drei Stunden haben wir jetzt in dieser Abfahrt verbracht.Die letzte Seilbahn in Richtung Faloria ist inzwischen natürlich längt verpasst. Wir folgen noch einem kurzen Singletrail und wechseln dann auf die asphaltierte Straße in Richtung Cortina. An der ersten Bar am Straßenrand kehren wir ein und organisieren bei einem Bier den weiteren Verlauf des Tages. Viel Handy und Internet wird zunächst versucht eine Alternative zur Seilbahn in Richtung Faloria zu organisieren. Zwar könnten wir mit dem Jeeptaxi dort hin gelangen, aber die Mountainbikes müßten im Tal verbleiben. Das ist natürlich keine Lösung! Also stornieren wir die Reservierung auf der Hütte und buchen ein Hotel in der Innenstadt. Kein Schnäppchen, aber wir sind froh mitten in der Hauptsaison so kurzfristig eine Unterkunft für 8 Personen bekommen zu haben. Einen Tisch in einer Pizzeria reservieren wir auch gleich noch und können so erstmal eine längere Pause einlegen und den Tag Revue passieren lassen. Später rollen wir dann auf dem Radweg auf einer ehemaligen Bahntrasse nach Cortina hinein und füllen unsere leeren Mägen. Die Wahl der Route und die Situation im Gelände sorgt im Nachhinein noch für erheblichen Diskussionsbedarf innerhalb der Gruppe.

Für den dritten Tag wollen wir es auf jeden Fall etwas entspannter angehen lassen und wählen daher aus mehreren geplanten Routenoptionen eine mittelschwere und kürzere aus…

Weiter zu Tag 3

Passende Karten für diese Etappe:
 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.