Vor einigen Tagen wurde der Moemoea-Trail in Schwäbisch Gmünd eröffnet. Ich konnte drei der Macher und Initiatoren zu einem Interview überreden.

Kai Zuchotzki (25), Lea Maier (22), Philipp Nuding (25), Rafael Sinesi (20)
sind Mountainbiker aus Leidenschaft und erzählen uns was über die Hintergründe.

„Um weiterhin vor der Haustüre Biken zu können und nicht kilometerweit mit dem Auto fahren zu müssen.

  • Was verbirgt sich hinter dem Begriff Moemoea und was wollt ihr mit diesem Namen vermitteln?

Der Name stammt aus dem maorischen (Ureinwohner Neuseelands) und bedeutet Traum. Wir wollten etwas, dass den Leuten in den Köpfen bleibt und so spannend wie möglich klingt. Englische Namen sind mittlerweile gang und gebe, diesem Trend wollten wir entgegen wirken.

Nach gefühlt einer Ewigkeit und bestimmt 200 WhatsApp Nachrichten mit den Jungs, bin ich (Kai) irgendwann auf die maorische Sprache gekommen. Die Sprache ist mir auf meiner Reise damals durch Neuseeland im Gedächtnis geblieben. Viele der meist unaussprechlichen Namen klingen bereits nach Abenteuer, Exotik und Lebensfreude, also genau das, was wir mit dem Trail vermitteln wollen.

Da wir schon immer den Traum eines legalen Trails in Schwäbisch Gmünd hatten, war dies dann sehr schnell beschlossen.

  • Wie ist es zum Bau des Trails gekommen? Wo seid ihr vorher gefahren und was war das Problem?

Wir hatten einen illegalen Trail in Mutlangen, Richtung Gmünd. Es gab über die Jahre (ca. 10 Jahre) nie große Probleme mit der Strecke. Der Forst wusste um die Strecke bescheid und hatte das Befahren geduldet. Bis zum Jahr 2019. In diesem Jahr hatte der Trail unglaublichen Zulauf gefunden. Der Trail wurde so stark befahren, dass der Forst dies nicht mehr dulden konnte. Somit kam es zu Sperrung und Rückbau des Trails. In diesem Zuge fand auch die erneute Kontaktaufnahme zur Stadt statt.

  • Wie habt ihr die Stadt Schwäbisch Gmünd dazu gebracht, diese Projekt zu unterstützen?

Anfang des Jahres haben wir eine Onlinepetition gestartet. Wir rechneten mit ca 500-600 Unterschriften. Was dabei rauskam erschreckte uns alle, weit mehr als 2000 Personen hatten Unterschrieben. Somit konnten wir die Stadt schon beinahe zwingen unser Problem anzunehmen. Des weitern haben wir einer super Draht zum lokalen Forst. Dieser unterstütze uns seit der ersten Sekunden und trieb das Projekt in Windeseile zum Erfolg.

  • Welche Rolle hat der Naturschutz dabei gespielt? War er dagegen oder hat er das Projekt unterstützt?
bei der Arbeit

Der Naturschutz spielte eher eine nebensächliche Rolle. Kurz nach dem Beschluss, dass eine legale Strecke kommen würde und sich ein geeignetes Gebiet gefunden hatte, kam es zur Wald Begehung mit Forst, Naturschutz, Jägern, Sportförderung und Vertretern der Stadt. Die anfänglichen Bedenken der Naturschützer legten sich schnell. Unser Waldstück ist ein angelegter Fichtenwald, dieser ist nicht besonders artenreich und wirtschaftlich nicht von Bedeutung. Auch der Forst hatte hierzu keine Einwände.

  • Wie ist das Verhältnis zum zuständigen Förster und anderen Nachbarn des Trails?

Wie schon gesagt, der Draht zum Forst könnte besser nicht sein. Anwohner begrüßen das Projekt seit je her. Auch von Jägern, Naturschützern und Waldbesitzern kamen bis jetzt keine Einwände.

  • Nach welchen Kriterien habt ihr die Strecke gestaltet?

Eine erfolgreiche Strecke fügt sich nahtlos ins Gelände ein. Das war für uns eine Herausforderung, da das Gelände landschaftlich nicht viel zu bieten hat. So blieb uns nur eins: Schaufeln schwingen, bis zum abwinken. Die Idee war eine Strecke anzulegen die Anfänger und geübte Fahrer gleichermaßen befriedigt. Des weiteren wird sich die Strecke in zwei Teile gliedern lassen. Oben Flowig und unten eher „steil“ und technischer.

  • Ist die Strecke für Anfänger geeignet?

JA!

  • Was bietet die Strecke für fortgeschrittene Fahrer?

Wir haben einige coole Features die auch die geübten Fahrer motivieren unsere Strecke zu besuchen, z.B Sharkfins und Gaps. Alle Sprünge sind klar gegenzeichnet und umfahrbar, sollte man sich als ungeübter Fahrer doch mal auf einen der größeren Sprünge verirren, können diese problemlos abgerollt werden. Dies gilt es dennoch zu vermeiden, da sonst die Absprungkanten „rund gerollt“ werden. Auch die Größe der einzelnen Sprünge variiert stark. So kann man sich als Anfänger von Sprung zu Sprung ran tasten.

Sprünge auf der Stecke
  • Die Strecke musste vom TÜV abgenommen werden. Hattet ihr im Vorfeld Informationen, wie die Strecke gestaltete werden muss, damit sie abgenommen werden kann? Und hat die Abnahme gleich geklappt oder musstet ihr nachbessern?

Wir hatten im voraus Kontakt mit dem TÜV. Dieser hatte uns allerdings nur unzureichend Infos weitergegeben auf was Wert gelegt wird. So kam es dazu, dass der Trail erst bei der zweiten Abnahme am Mittwoch den 28.10.2020, die Freigabe bekam.

  • Wie habt ihr gelernt, wie man die Strecke bauen muss, damit sie gut befahrbar ist und Fahrspaß aufkommt? Ist alles was ihr gebaut habt gut geworden oder musstet ihr einzelne Abschnitte nochmal umbauen?

Gelernt hab ich (Kai) den Trailbau durch die alte illegale Strecken und private Strecken von Freunden. Des weitern fahre ich sehr viel in Bikeparks. Dort kann man, wenn man mit offenen Augen fährt sehr viel für „daheim“ mitnehmen.

Irgendwann entwickelt sich dann eine Art Gespür für das Gelände. Umbauen mussten wir einige Sachen. Auch jetzt, mit Abschluss des ersten Teiles sind wir noch nicht 100% zu frieden. Die einzelnen Sequenzen passen zwar schon ganz gut aufeinander, aber der wirklich perfekte Übergang von Sequenz zu Sequenz wird sich erst über die nächsten ein bis zwei Jahre geben. Gerade Kurvenradien haben einen extremen Einfluss auf das Fahrerlebnis. So kann es sein das ein oder zwei Grad eines Kurvenradius, einen ganzen Teil zerstören oder dir das ultimative Trailerlebnis bieten. Und genau diese ein bis zwei Grad gilt es jetzt noch herauszufinden.

Details
  • Was für Werkzeug habt ihr benutzt und wo wurde es während dem Bau gelagert? Hat die Stadt beim Kauf von Werkzeug unterstützt?

Genutzt wurden hierbei handelsübliche, Schubkarren. Schaufeln, Spaten, Eimer und Trailtools (Dörte). Hierbei konnten wir uns voll und ganz auf die Hilfe und Unterstützung der Stadt Schwäbisch Gmünd verlassen, welche uns die Werkzeuge sowie einen Container zur Lagerung der Werkzeuge und allen benötigten Baumaterialien zur Verfügung stellte.

Container für das Werkzeug
  • Was für Material wurde für den Moemoea Trail verwendet und wie wurde es verbaut?

Erde aus dem Wald wurde nur wenig benutzt. Es wurde lediglich in den Kurven 20-30 cm abgetragen, sodass der Winkel stimmt und das Wasser besser ablaufen kann. Der Forst und Naturschutz hat ausdrücklich darauf hingewiesen, dass keine Löcher oder ähnliches im Wald entstehen sollen. Der Bauhof brachte uns Erde, die für das bestehende Ökosystem des Waldes keine Gefahr darstellt.

  • Wie lang ist die Strecke?

Da aktuell lediglich der erste von zwei Abschnitten fertiggestellt ist, beträgt die vorläufige Länge ca. 300m. Geplant ist mit Fertigstellung des zweiten Teils eine Verdopplung der Länge. (ca. 600m)

  • Was kann der Besucher auf der Strecke erwarten?

Besucher können eine Vielzahl an Anliegern, kleineren Drops, Rollern eine große und gut um fahrbare Roadgap erwarten. Außerdem gibt es mehrere Doubles und ein Steinfeld. Jedes Sprungelement kann abgerollt und umfahren werden.

  • Gibt es eine definierte Abfahrt oder kann man auch mal Varianten fahren?

Bisher gibt es einen Haupttrail, welcher sich an manchen Stellen teilt, um eine größere Vielfalt an Fahrmöglichkeiten zu bieten. Jedoch führt dies recht zügig wieder auf den Ursprünglichen Trail zurück.

  • Der Trail befindet sich am Ortsrand von Mutlangen. Wie kommt es, dass er dennoch zu Schwäbisch Gmünd gehört?

Der Wald ist Eigentum der Stadt Schwäbisch Gmünd und ebenfalls die Grenze von Mutlangen zu Schwäbisch Gmünd. Es gibt auf Google Maps einen GPS Punkt, allerdings navigiert dieser durch den Wald und nicht über Mutlangen. Die einfachste Lösung ist es sich zu den Sportanlagen Mutlangen navigieren zu lassen

  • Wo findet man den Moemoea Trail und wo kann man parken, wenn man von außerhalb kommt?

Der Trail befindet sich direkt bei den Sportanlagen von Mutlangen. An den Tennis- und Fußballplätzen sind genügend kostenfreie Parkmöglichkeiten vorhanden. Von dort kann man den Startpunkt des Trails innerhalb weniger Meter erreichen.

  • Kann man den Moemoea Trail in eine Tour einbinden und was gibt es in der Nähe noch für Möglichkeiten zum Biken?

Es gibt zahlreiche Singletrails die allerdings nicht offiziell und meist nicht bekannt sind. Wir blicken aber gespannt in die Zukunft. 😉

  • Wie seid ihr organisiert?

Jeder einzelne hat seinen Teil dazu beigetragen. Wie überall kann nicht immer jeder 100% geben. Besprochen und abgestimmt wurde meistens während der Bautermine . Der feste Kern war dort immer vertreten. Ein Paar von uns kümmerten sich mehr um die organisatorischen Dinge wie z.B. das Erstellen der Ökobilanz oder den Kooperationsvertrag mit dem DAV. Der andere Teil befasste sich intensiver mit der Streckenplanung bzw. dem Bau des Trails.

  • Ist es euch gelungen während dem Bau weitere Personen als Helfer zu gewinnen?

Auf jeden Fall! Alleine hätten wir das niemals geschafft. Wir haben eine große Jugendgruppe, die auch schon am alten „Illegalen“ Trail viel gebaut hat. Außerdem gewannen wir über Instagram immer mehr Leute aus den Nachbarstädten und -Gemeinden (z.B. Gaildorf, Aalen, Untergröningen)

  • Wie haben sich die Jugendlichen aus der Umgebung eingebracht?

Insgesamt haben sich alle gut engagiert. Über den Sommer wurde die Baubeteiligung der Jugendlichen etwas weniger. Nach den Sommerferien wurde es aber umso mehr.

  • Ist der Trail jetzt eröffnet?

Ja! Der Trail ist vom TÜV abgenommen und darf unter Berücksichtigung unseres Bikerkodexes befahren werden.

  • Gibt es Öffnungszeiten und wann ist die Strecke geschlossen? Und Wo erfährt man, ob zurzeit gefahren werden kann oder ob die Strecke gesperrt ist?

Grundsätzlich gelten die Öffnungszeiten von März bis Oktober, von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang. Von November bis einschließlich Februar ist die Strecke gesperrt. Ebenso ist der Trail bei Nässe nicht zu befahren. Sollten sich gesonderte Sperrungen, z.B. wegen Bauarbeiten, ergeben, so wird dies über die Platform Instagram (moemoeatrails) kommuniziert werden.

  • Was könnt ihr Leute empfehlen, die ein ähnliches Projekt umsetzen wollen?

Sprecht mit den Organisatoren bereits bestehender Trails und fragt nach wie es bei ihnen ablief. Holt euch Tipps bei diesen. Fragt bei der DIMB nach dem Leitfaden für Legalisierung von Trails. Sucht euch einen Ansprechpartner, der euer Vorhaben in die Politik bringt, z.B. über ein Gemeinderatmitglied. Nehmt die Presse als Unterstützer für die Öffentlichkeitsarbeit hinzu. Seid offen gegenüber der Stadt, der Presse, dem Forst, dem Naturschutz, den Jägern und sonstigen Beteiligten und versucht alle an einen Tisch zu bringen.

  • Gibt es bei euch einen Ansprechpartner, den man fragen kann, wenn man noch mehr wissen will oder man einfach noch ein paar Tipps braucht?

Grundsätzlich gibt es bei uns nicht den „einen“ Ansprechpartner. Es sind einige Personen die an der Legalisierung maßgeblich beteiligt waren. Wenn sich Fragen ergeben, können diese einfach über Instagram moemoeatrails gestellt werden. Wir versuchen jedes Anliegen schnellstmöglich zu bearbeiten.

  • Wer hat euch unterstützt und euch mit Informationen versorgt?

Prinzipiell war es mit der Beschaffung von Informationen schwer. Wenn man die Organisatoren der umliegenden Trails nach Tipps gefragt hatte, bekam man wenig Auskunft über deren Vorgehen. Auf Nachfrage der DIMB bekamen wir einen Leitfaden zur Legalisierung von Trails. Ansonsten haben wir uns von Schritt zu Schritt vorgearbeitet, ohne wirklich zu wissen was noch kommen wird.

Die Strecke vor dem Bau
  • War die DIMB involviert? Wer hat euch hier beraten?

Wie schon erwähnt haben wir von der DIMB auf Nachfrage einen Leitfaden zur Legalisierung von Trails erhalten. In diesem konnten wir bei Fragen nachschauen und nach Antworten suchen. Bei expliziteren Fragen waren via Mail und WhatsApp die Berater der DIMB Ostwürrtemberg stets zur Verfügung.

Link: DIMB Leitfaden Streckenbau

  • Wollt ihr unabhängig von den Fragen noch was erzählen?

Wir finden es schade, dass es immer noch so schwierig ist solch ein Projekt durchzubringen, obwohl das Mountainbiken ein Sport wie jeder andere ist oder eben sein sollte. Gäbe es die Möglichkeit auf mehreren legalen Strecken zu fahren, so könnte man die illegalen Strecken mehr und mehr hinter sich lassen. Was für alle Parteien ein leichteres wäre. Deshalb hoffen wir, dass unsere Legalisierung ein Beispiel für hoffentlich viele weitere Trails sein wird. Gerne möchten wir unser Wissen und unsere Erfahrungen mit anderen Projekten teilen, um das Mountainbiken in der Gesellschaft zu etablieren.