Fuorcla Sesvenna

Verflucht noch mal! Es läuft einfach nicht rund hier. Statt einen schönen Trail hinunter zu rollen sitzt meine Kurbel schon wieder auf einem Stein auf. Ich steige ab, schiebe den Gegenanstieg hoch. Kerstin und Julia sind noch ein ganzes Stück zurück. Sie sind vernünftig, schieben gleich, statt sich hier wie ich mit dem Slalom zwischen Felsbrocken und Kuhfladen herum zu ärgeren…

Heute morgen sind wir an der Hütte gestartet und haben uns erst gar nicht auf den Sattel gesetzt, sondern unsere Mountainbikes gleich den schmalen Bergweg hinauf geschoben. Eine Etappe, die gleich mit mit einer 600 Höhenmeter langen Schiebe- und Tragepassage beginnt ist sicher nicht Jedermanns Sache. Aus diesem Grund habe ich natürlich einen Plan B über das Tellajoch im Kopf, wie an jedem Tag unsrer Komplizentour. Unten im Tal hat sich Nebel gebildet. Bei uns hier oben scheint zunächst die Sonne, doch schon bald stehen wir drei gemeinsam mit einer Wandergruppe im dichten Nebel. Die Gruppe ist schneller unterwegs als wir. Ich laufe die steilen Tragepassagen teilweise mehrfach, um Julia zu helfen ihr Rad hier hoch zu buxieren. Als Komplizen halten wir natürlich zusammen und meistern den harten Anstieg mit vereinten Kräften. Kerstin liefert die moralische Unterstützung und ich packe mit an, wenn es zu steil wird.
Dann holt uns die gleiche Wandergruppe ein zweites Mal ein. Sie haben im dichten Nebel einen Abzweig verpasst und sind einen Umweg gelaufen. Endlich reißt die Wolkendecke auf und wir erreichen den Furkelsee. Nach einer Pause und einem zugegebenermaßen sehr erfrischen Bad auf über 2750 Metern Höhe erreichen wir die 2815 Meter hoch gelegene Fuorcla Sesvenna. Der Schnee der letzten Tage ist zum Glück wieder verschwunden.

Der erste Teil der Abfahrt ist ziemlich gut zu fahren, doch schon bald erreichen wir eine steile Passage, auf der der Weg in einer tief erodierten Rinne verläuft. Während ich hier noch fahren kann, entscheiden sich Julia und Kerstin lieber dazu ihre Mountainbikes ein Stück zu schieben. Dann kommt es noch schlimmer! Wir müssen ein steiles Geröllfeld hinunter. An fahren ist hier definitiv nicht mehr zu denken. An einigen Stellen müssen wir sogar klettern und die Räder hinab reichen. Mit aller Ruhe und in aller Sicherheit meistern wir die schwierigen Passagen. Die Wandergruppe schaut uns interessiert von unten zu, bis sie schließlich ihren Weg nach Richtung S-Charl fortsetzt.

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Abfahrtsfreud und Leid #alpenX2020 #workbikebalance

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Dann folgt diese unsägliche Kuhweide. Irgendwie will es nicht so richtig rollen. Was vorhin viel zu steil war ist jetzt einfach zu flach. Irgendwie habe ich ein schlechtes Gewissen, meiner Partnerin und meiner Tochter das nach der mühsamen Plackerei auf die Fuorcla Sesvenna auch noch anzutun. Egal, da müssen wir jetzt gemeinsam durch. Und dann wird alles gut. Der letzte Abschnitt der Abfahrt ist einfach traumhaft. Es rollt wieder und wir haben viel Spaß auf dem Singletrail durchs Tal. Landschaftlich ist die ganze Etappe sicher ein Highlight und das der Trail weiter unten sehr schön zu fahren ist, entschädigt für Mühen und Schiebepassagen. Wir überholen die Wandergruppe wieder und Julia erntet ein dickes Lob und viel Anerkennung.

In S-Charl rasten wir kurz und machen uns dann auf, um die 400 Höhenmeter hinauf zum Passo Costainas in Angriff zu nehmen. Langsam zieht der blaue Himmel zu und die Wolken verdichten sich. Ein paar Mal fängt es kurz an zu regnen. Den größten Teil des Anstiegs fahren wir auf Schotter hoch. An der Alp Astras geht der Weg dann in einen schmäleren Pfad über. Auch dieser führt leicht bergauf, ist aber durchgehend und gut fahrbar.

Am Pass angekommen ziehen wir noch schnell die Jacken an und schon geht´s geschwind auf einem Forstweg bergab. Das Wetter hält zum Glück und wir erreichen trocken den Ort Lü. Nach ein paar Tiefenmetern auf der Straße zweigt ein schöner Singletrail ab, der uns bis nach Valchava führt. Hier folgen wir dem Weg am Bach entlang. Leider ist der letzte Abschnitt bis nach St Maria wegen Forstarbeiten gesperrt. Wir weichen daher auf den Radweg neben der Straße aus und erreichen schließlich trocken und glücklich unser Tagesziel.

Weiter zu Tag 3

Etappe:

  • Sesvennahütte
  • Fuorcla Sesvenna
  • S-Charl
  • Passo Costainas
  • Valchava
  • St Maria

Übernachtung:

Jugendherberge St. Maria

Karte und Buchtipp: